Wahlkompass Berlin

Wie soll der Platz auf Berlins Straßen verteilt werden — und wird die A100 weitergebaut?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 28. September 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Eine Berliner Straße ist ein knappes Gut: Fahrspuren, Parkstreifen, Radweg, Busspur und Gehweg müssen sich denselben Platz teilen. Wer einer Seite mehr gibt, nimmt einer anderen etwas weg — deshalb wird um jeden Parkplatz und jeden Radweg gestritten. Wichtige Begriffe dabei: Parkraumbewirtschaftung heißt, dass Parken Geld kostet und Anwohner einen Ausweis kaufen; ein Kiezblock sperrt ein Wohnviertel für den Durchgangsverkehr; baulich getrennte Radwege sind durch Bordstein oder Poller von der Fahrbahn abgesetzt, statt nur mit Farbe markiert. Dazu kommt die große Straßenfrage der Stadt: Soll die Stadtautobahn A100 über Treptow hinaus weitergebaut werden, oder fließt das Geld in marode Straßen und Brücken? Und die Programme? Sie reichen vom Ausbau der Parkplätze bis zum Rückbau von Fahrspuren.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU will den Platz fürs Auto sichern. Für Anwohner soll es mehr Parkraum geben, über Quartiersgaragen in dicht bebauten Kiezen und über digitale Parkleitsysteme, die Besucher in Parkhäuser lenken. »Pollerwahnsinn, Straßensperrungen und weitere Reduzierung des Parkraums« lehnt sie ab. Beim Radverkehr gilt: erst die bestehenden Wege sanieren, neue nur dort, wo sie »tatsächlich benötigt werden«, mit flexiblen Breiten statt einheitlicher Vorgaben. Bei Straßen und Brücken hat Erhalt Vorrang vor Neubau — und doch will die CDU den Weiterbau der A100 und die Tangentialverbindung Ost, eine neue Straße im Berliner Osten, »entschlossen vorantreiben«.

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SPD

Die SPD will Platz ordnen, nicht vermehren. Sie weitet die Zonen aus, in denen Parken Geld kostet, und erhöht die Gebühren für Anwohnerparkausweise; neue Stadtteile sollen autoarm geplant werden, mit Kiezparkhäusern statt Parkplätzen am Straßenrand. Für Radfahrer will sie den Radverkehrsplan »konsequent« umsetzen, zuerst das Radvorrangnetz, also die wichtigsten Hauptrouten, und Kinder mit abgegrenzten Radwegen schützen. Bei der A100 sagt sie Nein: »Statt die A100 weiterzubauen, setzen wir auf den Erhalt unserer Straßen und Brücken«, die Autobahn soll am Treptower Park dauerhaft enden. Die Tangentialverbindung Ost will sie dagegen als Straße bauen.

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Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen wollen den Straßenraum gerechter verteilen — und benutzen das Wort selbst. Die Preise für das Anwohnerparken sollen auf ein »angemessenes Niveau« steigen, »um endlich für mehr Gerechtigkeit zu sorgen«, und Wohnviertel sollen verkehrsberuhigt werden, ohne Durchgangsverkehr. Beim Radverkehr setzen sie auf Radschnellverbindungen, also breite, möglichst kreuzungsarme Pendlerstrecken, und auf ausgebaute Fahrradstreifen und sichere Kreuzungen an Schulwegen. Neue große Straßen lehnen sie ab: den Weiterbau der A100 ebenso wie die vierspurige Tangentialverbindung Ost in ihrer jetzigen Form. Baustellen sollen schneller vorangehen, mit festen Fristen für den Arbeitsbeginn.

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Die Linke

Die Linke geht beim Umverteilen am weitesten. Fahr- und Stellflächen für Autos sollen schrumpfen, damit Fußgängerinnen und Fußgänger mehr Platz bekommen, und Straßen sollen »großflächig« für Fuß- und Radverkehr umgewidmet werden. Parkgebühren für SUVs will sie nach Pariser Vorbild erhöhen, Falschparken mit Scan-Fahrzeugen konsequent kontrollieren. Für Radfahrer verspricht sie ein »lückenloses Netz« aus Radwegen, Fahrradstraßen und Radschnellverbindungen nach dem bestehenden Radnetzplan. Neue Autobahnen lehnt sie ab, den geplanten 17. Bauabschnitt der A100 will sie aus der Planung streichen. Wie sie zur Tangentialverbindung Ost steht — dazu schweigt das Programm.

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AfD

Die AfD will den Vorrang für Bus, Bahn, Rad und Fußwege abschaffen. Deren gesetzliche Bevorzugung soll »ersatzlos« gestrichen werden, zugunsten eines »fairen Miteinanders«. Das Auto sei »nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung«. Kiezblocks lehnt sie ab; der Verkehr soll stattdessen auf den Hauptstraßen besser fließen. Radwege will sie »mit Augenmaß« ausbauen, mit Farbmarkierungen statt Pollern und Sperren. Zu Parkplätzen und Parkgebühren, zum Zustand der Brücken und zur A100 — dazu schweigt das Programm. Für die Gehwege kündigt es eine Sanierungsinitiative an.

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Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: In der Grundrichtung sind sich die drei einig. Alle wollen Platz vom Auto zu anderen Verkehrsarten verschieben — über höhere Parkgebühren, verkehrsberuhigte oder autoarme Viertel und ein durchgehendes Radnetz. Und alle drei lehnen den Weiterbau der A100 ab und wollen das Geld lieber in den Erhalt von Straßen und Brücken stecken.

Knackpunkte: Unterschiede zeigen sich im Tempo und an einer Straße. Die Linke will Fahrspuren und Parkplätze ausdrücklich reduzieren und Straßen großflächig umwidmen, die SPD ordnet eher über Gebühren und Planung neuer Viertel. Der deutlichste Unterschied ist die Tangentialverbindung Ost: Die SPD will sie bauen, die Grünen lehnen sie in der jetzigen Form ab, die Linke äußert sich nicht. Bei der A100 ein Nein von allen dreien, bei der neuen Straße im Osten keine gemeinsame Linie.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Gemeinsam ist den dreien nur ein Grundsatz: Erhalt vor Neubau. CDU, SPD und Grüne wollen marode Straßen und Brücken zuerst sanieren, und auch digitale Parkleitsysteme oder Quartiersgaragen tauchen bei CDU und SPD gleichermaßen auf.

Knackpunkte: Beim Platz auf der Straße ziehen sie in entgegengesetzte Richtungen. Die CDU will mehr Parkraum für Anwohner und lehnt Sperrungen und Poller ab; SPD und Grüne wollen Parken teurer machen und Viertel beruhigen. Bei der A100 steht die CDU allein: Sie will weiterbauen, SPD und Grüne nicht. Bei der Tangentialverbindung Ost verläuft die Linie anders — CDU und SPD dafür, die Grünen dagegen. Zwei Straßenprojekte, zwei verschiedene Lager.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).