Wahlkompass Berlin

ThemenfelderVerkehr

Was planen die Parteien beim Ausbau sicherer Radwege? — Setzen sie auf bauliche Trennung vom Autoverkehr?

Sachfrage: Radverkehrsinfrastruktur und wahrgenommene Sicherheit

Der Zusammenhang zwischen der baulichen Qualität von Radinfrastruktur (bauliche Trennung vom Kfz-Verkehr, geschützte Radfahrstreifen, Fahrradstraßen) und tatsächlicher wie subjektiv empfundener Sicherheit. Die Forschung zeigt: breite, baulich getrennte Radwege werden sowohl von Radfahrenden als auch von Autofahrenden als deutlich sicherer bewertet als Mischverkehr oder reine Schutzstreifen, was unmittelbar die Bereitschaft zum Radfahren erhöht.

Forschungsstand & Quellen

DLR-Institut für Verkehrsforschung, »Radverkehrsinfrastruktur — Baustein der Verkehrswende« (Schriftenreihe); Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), Projekt »Sicherer Radverkehr auch auf dem Land« / RAVINA.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Das Berliner Radwegenetz werden wir gezielt verbessern und bedarfsgerecht ausbauen. Vorrang hat für uns die Sanierung und Ertüchtigung bestehender Wege.« Beleg ↗
»Neue Radwege werden wir deshalb nur dort schaffen, wo sie tatsächlich benötigt werden und einen echten Beitrag zu sicheren und alltagstauglichen Verbindungen leisten. Wir setzen auf flexible Radwegbreiten und standortgerechte Lösungen, die sich an den örtlichen Gegebenheiten orientieren.« Beleg ↗
»Um Kreuzungsbereiche für Radfahrerinnen und Radfahrer sicherer zu machen, setzen wir auf getrennte Ampelphasen, vorgezogene Haltelinien, freie Sichtachsen und eine übersichtliche Verkehrsführung.« Beleg ↗

Die CDU setzt beim Radverkehr auf Sanierung und Ertüchtigung bestehender Wege vor Neubau, mit Bedarfsprüfung statt Flächendeckung, und benennt konkrete Instrumente für sicherere Kreuzungen wie getrennte Ampelphasen und vorgezogene Haltelinien. Eine Forderung nach durchgängig baulich vom Autoverkehr getrennten Radwegen enthält das Programm nicht; es spricht stattdessen von flexiblen Breiten und standortgerechten Lösungen.

SPD

substanziell

»Für ein lückenloses und sicheres Netz setzen wir den Radverkehrsplan konsequent um und priorisieren das Radvorrangnetz.« Beleg ↗
»Kinder schützen wir mit abgegrenzten Radwegen, getrennten Abbiegespuren, temporären Spielstraßen und anderen baulichen Maßnahmen« Beleg ↗

Das Programm nennt mit dem priorisierten Radvorrangnetz und ausdrücklich baulich abgegrenzten Radwegen konkrete Instrumente für ein sicheres Radnetz; die generelle bauliche Trennung vom Kfz-Verkehr wird aber nur punktuell (Schulumfeld) explizit gemacht.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Die drei am weitesten fortgeschrittenen Radschnellverbindungen ... bringen wir schnell in die Umsetzung« Beleg ↗
»gut ausgebaute Fahrradstreifen und sichere Kreuzungen an Schulwegen« Beleg ↗

Das Programm nennt konkrete, benannte Radinfrastruktur-Vorhaben (Radschnellverbindungen als typischerweise baulich getrennte Achsen, ausgebaute Fahrradstreifen, sichere Kreuzungen), adressiert damit die bauliche Qualität der Infrastruktur. Eine explizite Abgrenzung baulich getrennt vs. Mischverkehr/Schutzstreifen fehlt, weshalb die Instrumentierung konkret, aber nicht in voller Tiefe der Sachfrage ausgeführt ist.

Die Linke

substanziell

»Schaffung eines sicheren und lückenlosen Netzes von Fahrradwegen und -straßen sowie Radschnellverbindungen entsprechend dem vorliegenden Radnetzplan« Beleg ↗
»länderübergreifenden Ausbau von Radschnellverbindungen in der gemeinsamen Landesplanung« Beleg ↗

Das Programm bekennt sich zum bestehenden Radnetzplan und benennt konkrete Infrastrukturformen (Radwege, Fahrradstraßen, Radschnellverbindungen) mit Priorität auf Lückenschluss. Eine explizite Aussage zur baulichen Trennung vom Kfz-Verkehr fehlt, doch Sicherheitsziel und Bautypen tragen die Sachfrage substanziell.

AfD

nur ablehnend

»Markierungslösungen statt Modalfilter.« Beleg ↗

Das Programm der AfD bezieht mit der Forderung nach »Markierungslösungen statt Modalfilter« explizit Stellung gegen bauliche Trennung von Rad- und Autoverkehr — zugunsten reiner Farbmarkierung, die laut Forschung als weniger sicher wahrgenommen wird. Auf Sicherheitsdaten oder den Vergleich zwischen Schutzstreifen und baulich getrennten Radwegen geht das Programm nicht ein.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Die Parteien unterscheiden sich darin, wie weit sie sich auf bauliche Trennung vom Kfz-Verkehr als Sicherheitsinstrument festlegen. SPD, Grüne und Linke benennen konkrete Bautypen — Radvorrangnetz mit baulich abgegrenzten Radwegen (SPD), Radschnellverbindungen und ausgebaute Fahrradstreifen (Grüne), ein lückenloses Netz nach Radnetzplan (Linke) —, ohne durchgängig baulich getrennte Führung als generelle Forderung zu formulieren. Die CDU setzt auf Sanierung bestehender Wege vor Neubau und auf „flexible Radwegbreiten und standortgerechte Lösungen“ statt auf eine einheitliche Trennungsvorgabe. Die AfD bezieht mit „Markierungslösungen statt Modalfilter“ explizit Position gegen bauliche Trennung zugunsten von Farbmarkierung. Der Bezug zur konkreten Kreuzungssicherheit findet sich bei der CDU zusätzlich als eigenes Instrument (getrennte Ampelphasen, vorgezogene Haltelinien, freie Sichtachsen).

Muster der Positionen: Zwei Richtungen

bauliche Trennung im Einzelfall einsetzen
einheitliche bauliche Trennungsvorgabe ablehnen

SPD, Grüne und Linke benennen konkrete bauliche Radweg-Lösungen im Einzelfall, die CDU setzt auf flexible, standortgerechte Lösungen statt einer einheitlichen Trennungsvorgabe, und die AfD lehnt bauliche Trennung mit ›Markierungslösungen statt Modalfilter‹ explizit ab.SPD, Grüne und Linke benennen konkrete Bautypen (u. a. baulich abgegrenzte Radwege bei der SPD), ohne durchgängig baulich getrennte Führung als generelle Forderung zu formulieren. Die CDU setzt auf 'flexible Radwegbreiten und standortgerechte Lösungen' statt einer einheitlichen Trennungsvorgabe, die AfD lehnt bauliche Trennung mit 'Markierungslösungen statt Modalfilter' explizit ab.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die AfD bezieht mit „Markierungslösungen statt Modalfilter“ explizit Position gegen bauliche Trennung zugunsten von Farbmarkierung.«

Verwandte Fragen, deren Antworten hier hineinspielen: