Wahlkompass Berlin

Bis wann soll Berlin klimaneutral werden — und wie wird dann geheizt?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 28. September 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Im Berliner Energiewendegesetz steht ein Datum: 2045 soll die Stadt klimaneutral sein — also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen, als sie wieder bindet. Ein Gesetz ist das eine, die Heizung im Keller das andere: Berlin heizt bislang ganz überwiegend mit Gas und mit Fernwärme, also mit Wärme, die zentral erzeugt und über Rohre in die Häuser geleitet wird. Wer am Zieljahr dreht, dreht deshalb zugleich daran, wie schnell Hunderttausende Heizungen umgestellt werden müssen und wer die Rechnung bezahlt. Zwei Fragen hängen darum zusammen: Wie verbindlich soll das Ziel gesetzlich sein — und mit welcher Technik soll Berlin künftig heizen, mit Fernwärme, mit Wärmepumpen oder weiter mit Gas? Und die Programme? Sie reichen von der Verschärfung auf 2040 mit Verfassungsrang bis zur Forderung, das Gesetz ganz abzuschaffen.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU äußert sich zum Zieljahr nicht. Weder zu 2045 noch zu einer Verschärfung oder Lockerung findet sich in ihrem Programm eine Aussage; die Frage nach der gesetzlichen Verbindlichkeit bleibt dort unbeantwortet. Beim Heizen wird sie dafür konkret. Der kommunale Ankauf der Berliner Fernwärme ist für sie die Grundlage, die Wärmeversorgung langfristig sicher und klimafreundlich weiterzuentwickeln; Wärmepumpen sollen technologieoffen dort eingesetzt werden können, wo sie sinnvoll und wirtschaftlich sind. Erdgas soll ausdrücklich weiter eine wichtige Rolle spielen, weil das Gasnetz große saisonale Speicher ermöglicht. Für stadtweite Messungen zur Tiefengeothermie stellt sie 45 Millionen Euro aus dem Sondervermögen bereit.

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SPD

Die SPD will schneller sein als das Gesetz. Sie steht zur Umsetzung des Berliner Energiewendegesetzes und kämpft nach eigenen Worten »für Klimaneutralität vor dem Jahr 2045«. Beim Heizen setzt sie auf den Ausbau der Fernwärme durch den landeseigenen Anbieter Berliner Energie und Wärme, eröffnet daneben aber Raum für andere Anbieter und für neue dezentrale und genossenschaftliche Wärmenetze. Wo keine Fernwärme hinkommt, sollen Wärmepumpen mit Speichern und oberflächennahe Geothermie greifen. Wasserstoff bekommt eine begrenzte Rolle: ein Kernnetz für Großverbraucher, nicht für einzelne Wohnungen. Die Umstellung von Gasetagenheizungen will sie mit Förderung und Beratung unterstützen.

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Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen steuern über ein Budget statt über ein Datum. Den begonnenen Pfad zu einem Klimabudget wollen sie zu einem wirklichen Steuerungsinstrument weiterentwickeln: Der Senat soll verpflichtet sein, den Emissionspfad mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen und die Umsetzung zeitnah zu überwachen. Ein eigenes Zieljahr für Klimaneutralität nennt ihr Programm nicht; es bindet Berlin an die Pariser Klimaziele. Beim Heizen legen sie sich dagegen am weitesten fest: Die Wärmenetze sollen konsequent und beschleunigt auf erneuerbare Quellen umgestellt und die Sanierungsquote deutlich erhöht werden. Wasserstoff kommt für sie in der Wärmeversorgung nicht infrage, und für das Erdgasnetz streben sie eine perspektivische Stilllegung an.

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Die Linke

Die Linke zieht das Zieljahr vor, auf spätestens 2040. Das im Klimaschutzgesetz verankerte CO2-Budget soll eingehalten und Klimaschutz als Ziel in der Berliner Landesverfassung verankert werden — das Ziel bekäme damit Verfassungsrang und stünde über einfachen Gesetzen. Beim Heizen will sie ab 2027 auf Grundlage der kommunalen Wärmeplanung festlegen, wo in Berlin ein Anschluss an ein Wärmenetz möglich sein wird, und setzt auf den Ausbau des Fernwärmenetzes sowie auf Nahwärmenetze in verdichteten Gebieten. In öffentlichen Gebäuden sollen keine Gasheizungen mehr eingebaut werden.

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AfD

Die AfD will das Gesetz abschaffen. Das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz — mit seinem Zieljahr und seinen CO2-Minderungszielen — soll durch ein »Sichere-Energie-Gesetz« ersetzt werden, das Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Netzstabilität zum Maßstab macht. Das Klimaneutralitätsziel selbst nennt ihr Programm ein »ideologisches Prestigeprojekt ohne Einfluss auf das Weltklima«. Beim Heizen bleibt es bei einem allgemeinen Bekenntnis zu einer technologieoffenen Energiepolitik. Welche Technik in welchem Quartier Vorrang haben soll — Fernwärme, Wärmepumpe oder Gas —, dazu legt sich das Programm nicht fest: Abgelehnt wird der gesetzliche Vorrang-Rahmen, nicht eine bestimmte Technik.

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Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Alle drei halten am gesetzlichen Rahmen fest und wollen ihn eher schärfen als lockern. Beim Heizen ziehen sie in dieselbe Richtung: Fernwärme und Wärmenetze haben Vorrang und sollen auf erneuerbare Quellen umgestellt werden. Und für einzelne Wohnungen spielt Wasserstoff bei keiner der drei eine Rolle — bei der SPD ausdrücklich begrenzt auf Großverbraucher, bei der Linken beschränkt auf Fälle ohne elektrische Alternative, bei den Grünen für die Wärmeversorgung ganz ausgeschlossen.

Knackpunkte: Die Zieljahre liegen auseinander. Die Linke will spätestens 2040 und Klimaschutz in der Landesverfassung, die SPD will Klimaneutralität vor 2045, ohne ein neues Datum zu nennen, die Grünen nennen gar kein Zieljahr und steuern stattdessen über ein Klimabudget mit Überwachungspflicht für den Senat. Der zweite Punkt ist das Gasnetz: Die Grünen wollen es perspektivisch stilllegen, die Linke schließt neue Gasheizungen nur in öffentlichen Gebäuden aus, die SPD will das Netz für ein Wasserstoff-Kernnetz weiternutzen. Zwischen Stilllegung und Weiternutzung verläuft hier die Linie.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Beim Heizen gibt es eine gemeinsame Grundlage: Alle drei bauen auf der Fernwärme auf — die CDU verweist auf den kommunalen Ankauf des Netzes als Grundlage, SPD und Grüne auf dessen Ausbau und die Umstellung auf erneuerbare Quellen. Wärmepumpen und Geothermie nennen CDU, SPD und Grüne gleichermaßen als ergänzendes Instrument.

Knackpunkte: Das Zieljahr ist die Leerstelle. Die SPD will Klimaneutralität vor 2045, die Grünen steuern über ein Klimabudget — im CDU-Programm findet sich zum Zieljahr und zur gesetzlichen Verbindlichkeit keine Aussage. Beim Gas liegen die Positionen dann offen auseinander: Die CDU sichert Erdgas ausdrücklich eine weiterhin wichtige Rolle zu, weil das Gasnetz saisonale Speicher ermöglicht; die Grünen wollen genau dieses Netz perspektivisch stilllegen. Und wo die CDU technologieoffen bleiben will, setzen SPD und Grüne eine Reihenfolge. Zwischen Offenhalten und Festlegen liegt hier der Unterschied.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).