Wie wollen die Parteien Berlin beim Heizen umbauen? — Fernwärme, Wärmepumpen oder freie Wahl der Technik?
Sachfrage: Instrumente der Wärmewende (Fernwärme, Wärmepumpen, Technologieoffenheit)
Berlin muss bis Mitte 2026 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen, die für jedes Quartier festlegt, ob Fernwärme, dezentrale Wärmepumpen oder ein Mix vorgesehen ist. Strittig ist, welches Instrument priorisiert werden soll: ein forcierter Fernwärme-Ausbau mit Vorrangregeln und hohen Investitionen des kommunalen Betreibers, dezentrale Wärmepumpen/Geothermie, oder ein technologieoffener Ansatz mit Bestandsschutz für Gasheizungen und optional Wasserstoff. Nach dem Berliner Energiewendegesetz sollen bis 2030 vierzig Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Energien oder Abwärme stammen, bis 2045 soll Fernwärme rund 45 Prozent der Wärmeversorgung decken. Forschung zur Systemeffizienz zeigt, dass Wärmepumpen – dezentral wie in der Fernwärmeerzeugung – deutlich sparsamer mit erneuerbarem Strom umgehen als eine Wasserstoffheizung, die ein Vielfaches an erneuerbarer Energie benötigt; ein beschleunigter Stromnetzausbau gilt als Voraussetzung, damit bei stockendem Ausbau nicht fossile Energieträger die Lücke füllen.
Forschungsstand & Quellen
DIW Berlin, Philipp Herpich/Franziska Holz/Konstantin Löffler, »Wärmewende in Berlin: Versorgungssicherheit nach dem Erdgas mit erneuerbaren Energien gewährleisten« (DIW Wochenbericht 49/2023).
»Mit dem Ankauf der Berliner Fernwärme haben wir die Grundlage dafür geschaffen, die Wärmeversorgung langfristig sicher und klimafreundlich weiterzuentwickeln.« Beleg ↗
»Gleichzeitig wollen wir den Ausbau erneuerbarer Wärme technologieoffen voranbringen. Wärmepumpen sollen dort eingesetzt werden können, wo sie sinnvoll und wirtschaftlich sind.« Beleg ↗
»Erdgas wird auf absehbare Zeit weiter eine wichtige Rolle für eine sichere und bezahlbare Wärmeversorgung spielen – insbesondere, weil das Berliner Gasnetz große saisonale Energiespeicher ermöglicht und so den hohen Heizbedarf im Winter absichert.« Beleg ↗
»In der Tiefengeothermie sehen wir ein wichtiges Zukunftspotenzial für die Wärmeversorgung Berlins. Dafür stellen wir über das Sondervermögen 45 Millionen Euro für stadtweite Messungen bereit.« Beleg ↗
Das Programm der CDU bezieht zur Wärmewende klar Position: Es verweist auf den kommunalen Ankauf der Berliner Fernwärme als Grundlage einer sicheren, klimafreundlichen Wärmeversorgung, will den Ausbau von Wärmepumpen technologieoffen voranbringen, sichert Erdgas ausdrücklich eine fortbestehende Rolle zu und stellt für die Tiefengeothermie 45 Millionen Euro aus dem Sondervermögen in Aussicht — vier konkrete, teils finanziell hinterlegte Instrumente genau zur Frage, wie Berlin beim Heizen umgebaut werden soll.
SPD
substanziell
»Über die Wärmeplanung treiben wir den Ausbau der Fernwärme durch den landeseigenen Anbieter Berliner Energie und Wärme (BEW) voran. Gleichzeitig eröffnen wir Raum für andere Anbieter sowie für neue dezentrale und genossenschaftliche Wärmenetze.« Beleg ↗
»Für Gebäude ohne Fernwärmeperspektive setzen wir auf quartiers- und kiezbezogene Lösungen ... die gezielte Integration von Wärmepumpen in Kombination mit Speichertechnologie sowie den systematischen Einsatz oberflächennaher Geothermie und Wärmepumpen.« Beleg ↗
»Das Berliner Gasnetz braucht klare regulatorische Unterstützung für den Aufbau eines Wasserstoff-Kernnetzes mit Fokus auf Großverbraucher ... Wasserstoff in einzelnen Wohnungen wird technisch nur begrenzt möglich sein.« Beleg ↗
»Deshalb unterstützen wir die Umstellung von Gasetagenheizungen auf fossilfreie Wärme durch finanzielle Förderung und Beratungsprogramme.« Beleg ↗
Das Programm bezieht klar Position zur Instrumenten-Priorisierung: Fernwärme-Vorrang über den landeseigenen Betreiber BEW bei gleichzeitiger Öffnung für dezentrale Netze, Wärmepumpen/Geothermie für Gebiete ohne Fernwärme, sowie eine explizit begrenzte Rolle für Wasserstoff (nur Großverbraucher, nicht Einzelwohnungen). Keine bloße Technologieoffenheits-Floskel, sondern eine gesetzte Priorisierung.
Bündnis 90/Die Grünen
substanziell
»Um klimaneutral zu werden, müssen die Wärmenetze konsequent und beschleunigt auf erneuerbare Quellen umgestellt werden. … die Sanierungsquote deutlich erhöht werden.« Beleg ↗
»Die Nutzung von oberflächennaher Geothermie wollen wir erleichtern, Bohrungen auch im öffentlichen Straßenraum ermöglichen …« Beleg ↗
»Da grüner Wasserstoff … kommt er für uns in der Wärmeversorgung nicht infrage.« Beleg ↗
»Wir setzen uns für eine perspektivische Stilllegung des Erdgasnetzes ein und werden dazu mit der GASAG ins Gespräch gehen.« Beleg ↗
Das Programm priorisiert klar Fernwärme/Erneuerbaren-Umstellung und Geothermie, schließt Wasserstoff in der Wärmeversorgung explizit aus und strebt eine perspektivische Gasnetz-Stilllegung an — damit ist die Instrumenten- und Priorisierungsfrage substanziell beantwortet.
Die Linke
substanziell
»Ab 2027 werden wir basierend auf der Kommunalen Wärmeplanung festlegen, wo in Berlin ein Anschluss an ein Wärmenetz möglich sein wird« Beleg ↗
»Wir setzen uns für einen Ausbau des Fernwärmenetzes und den Ausbau von Nahwärmenetzen in verdichteten Gebieten ein« Beleg ↗
»Auch Gasheizungen sollen in öffentlichen Gebäuden nicht mehr eingebaut werden« Beleg ↗
»In Berlin soll nur aus erneuerbaren Energien produzierter grüner Wasserstoff zum Einsatz kommen ... Er soll deshalb nur dort genutzt werden, wo es keine direkte elektrische Alternative gibt« Beleg ↗
Das Programm bezieht klar Position: Fernwärme-/Nahwärmeausbau auf Basis der Kommunalen Wärmeplanung ab 2027, kein Gasheizungs-Neubau in öffentlichen Gebäuden, Wasserstoff nur als Nischenlösung ohne elektrische Alternative — keine Technologieoffenheit für fossile Optionen.
AfD
teilweise
»Das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz muss deshalb abgeschafft und durch ein Sichere-Energie-Gesetz ersetzt werden, das Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Netzstabilität zum Maßstab macht.« Beleg ↗
»Wir setzten auf eine technologieoffene Energiepolitik statt auf neosozialistische Marktsteuerung.« Beleg ↗
Das AfD-Programm fordert die Abschaffung des Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetzes, das unter anderem verbindliche Erneuerbaren-Quoten für die Fernwärme vorschreibt, und will es durch ein an Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit ausgerichtetes Gesetz ersetzen; ergänzend bekennt es sich allgemein zu einer technologieoffenen Energiepolitik. Eine konkrete Priorisierung zwischen einem forcierten Fernwärme-Ausbau, dezentralen Wärmepumpen oder dem Bestandsschutz für Gasheizungen nennt das Programm jedoch nicht – abgelehnt wird nur der gesetzliche Vorrang-Rahmen, die technische Wahl für die einzelnen Quartiere bleibt offen.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Bei den Instrumenten der Wärmewende trennt die Parteien der Instrumententyp: ein priorisierter Fernwärme- und Wärmenetz-Ausbau mit begrenzter oder ausgeschlossener Wasserstoffnutzung steht einer technologieoffenen Haltung ohne Fernwärme-Vorrang gegenüber. SPD, Grüne und Linke setzen auf den ersten Weg, mit unterschiedlichem Zuschnitt: Die SPD baut über den landeseigenen Betreiber BEW aus, die Grünen streben eine perspektivische Stilllegung des Erdgasnetzes an, die Linke verzichtet auf Gasheizungs-Neubau in öffentlichen Gebäuden. Die CDU verbindet einen kommunalen Fernwärme-Ankauf mit einem technologieoffenen Wärmepumpen-Ausbau und explizitem Bestandsschutz für Erdgasheizungen. Die AfD lehnt den bestehenden Ordnungsrahmen — das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz — ab und will ihn durch ein an Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit ausgerichtetes Gesetz ersetzen; sie bekennt sich allgemein zu Technologieoffenheit, ohne eine eigene Priorisierung zwischen Fernwärme, Wärmepumpen oder Gas-Bestandsschutz auszuformulieren. Wärmepumpen und Geothermie als ergänzendes Instrument nennen CDU, SPD und Grüne, während sich die Linke dazu nicht äußert; der Unterschied zwischen den Gruppen liegt vor allem im Umgang mit dem bestehenden Gasnetz und der Rolle von Wasserstoff.
Muster der Positionen: Zwei Richtungen
Priorisierter Fernwärme-Ausbau mit begrenztem oder ausgeschlossenem Wasserstoff
Technologieoffenheit ohne Fernwärme-Priorisierung
Die Grünen schließen Wasserstoff für die Wärmeversorgung vollständig aus und streben eine Stilllegung des Erdgasnetzes an, während SPD und Linke Wasserstoff nur eine begrenzte Rolle einräumen; CDU und AfD setzen demgegenüber auf Technologieoffenheit ohne Fernwärme-Priorisierung.Innerhalb Gruppe A unterscheidet sich der Zuschnitt (SPD über den Betreiber BEW, Grüne mit perspektivischer Gasnetz-Stilllegung, Linke mit Verzicht auf Gasheizungs-Neubau in öffentlichen Gebäuden). Innerhalb Gruppe B ist nur die CDU substanziell positioniert (kommunaler Fernwärme-Ankauf, technologieoffener Wärmepumpen-Ausbau, expliziter Bestandsschutz für Erdgasheizungen); die AfD lehnt den bestehenden Ordnungsrahmen ab, ohne eine eigene Priorisierung oder einen eigenen Gas-Bestandsschutz auszuformulieren.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Der Unterschied liegt vor allem im Umgang mit dem bestehenden Gasnetz und der Rolle von Wasserstoff.«
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