Soll der Rand des Tempelhofer Felds bebaut werden?
Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 23. September 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.
2014 stimmten die Berlinerinnen und Berliner per Volksentscheid dafür, das Tempelhofer Feld komplett von Bebauung freizuhalten. Seither wird immer wieder diskutiert, ob zumindest der Rand für Wohnungsbau freigegeben werden soll. Strittig ist vor allem, ob dieser Volksentscheid die Politik auch zwölf Jahre später noch bindet — oder ob der gewachsene Wohnungsbedarf ihn überholt hat. Und die Programme? Sie reichen vom klaren Bekenntnis zur Randbebauung bis zur ausdrücklichen Bindung an den Volksentscheid.
Die Grundlage im Wahlkompass
- Was planen die Parteien für große Flächen wie Tegel, Tempelhofer Feld und City West? (Stadtentwicklung)
- Was sagen die Parteien zum Schutz von Grün- und Freiflächen vor weiterer Bebauung? — Wie viel Flächenversiegelung wollen sie noch zulassen? (Stadtentwicklung)
Die Positionen der Parteien
CDU
Die CDU bekennt sich klar zur Randbebauung des Tempelhofer Felds und beantwortet die Verbindlichkeitsfrage damit eindeutig zugunsten des Wohnungsbedarfs: Auf den Randflächen sollen mehr als 20.000 neue Wohnungen für rund 50.000 Menschen entstehen. Zur übergeordneten Flächenversiegelung äußert sich das Programm dagegen nicht — die einschlägigen Passagen sind an anderer Stelle des Programms ausdrücklich als Hitzeschutz- und Ausgleichsmaßnahme gerahmt, nicht als eigenständiges Versiegelungsziel.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗
SPD
Die SPD erhält das Tempelhofer Feld ohne Randbebauung. »Das Tempelhofer Feld ist ein besonderer Ort für Klima, Bewegung und soziales Miteinander«, heißt es im Programm, »wir erhalten es in seiner heutigen Funktion und entwickeln es behutsam weiter«. Beim übergeordneten Versiegelungsziel bleibt sie vager als Linke und Grüne: Eine Netto-Null-Neuversiegelung strebt sie an, nennt dafür aber keinen festen Zieltermin — stattdessen priorisiert sie, bereits versiegelte Flächen zu bebauen.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen sagen es unmissverständlich: »Das Tempelhofer Feld ist für uns unverzichtbar — der Volksentscheid ist bindend. Wir lehnen jede Bebauung ab.« Das Feld fügt sich damit in ein größeres, terminiertes Versiegelungsziel: Bis 2030 wollen sie durch klare ökologische Leitlinien und verbindliche Standards eine Netto-Null-Versiegelung erreichen und stellen dafür auch neue Stadtquartiere auf den Prüfstand, sobald diese ökologisch wichtige Flächen versiegeln würden.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗
Die Linke
Auch die Linke lehnt Bebauung ab: Das Tempelhofer Feld sei »als Ganzes frei zu halten«, das per Volksentscheid beschlossene Gesetz müsse erhalten bleiben — Bebauung und Privatisierung schließt sie aus. Beim Versiegelungsziel setzt sie sich denselben Zieltermin wie die Grünen: Netto-Null bis 2030. Anders als die Grünen unterlegt sie das Ziel mit einer festen Regel — wo versiegelt wird, muss in gleicher Größe an anderer Stelle entsiegelt werden.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗
AfD
Zum Tempelhofer Feld selbst schweigt das Programm der AfD — an keiner Stelle ist davon die Rede. Beim übergeordneten Ziel bleibt sie vage: Einen Zieltermin für Netto-Null-Versiegelung nennt sie nicht, will aber den Flächenverbrauch »konsequent reduzieren« und naturnahe wie teilversiegelte Flächen gezielt erfassen. Konkreter wird sie nur bei Kleingärten, die sie über Bebauungspläne dauerhaft sichern will, sowie bei freiwilligen Entsiegelungsanreizen für private Eigentümer.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗
Was heißt das für die Koalitionsgespräche?
Linke + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: Grüne und Linke stimmen hier vollständig überein: Der Volksentscheid ist für beide bindend, und beide steuern auf dieselbe Netto-Null-Versiegelung bis 2030 zu. Auch die SPD lehnt eine Randbebauung ab — der grundsätzliche Schutz des Feldes eint alle drei.
Knackpunkte: Der Unterschied liegt in der Begründung: Grüne und Linke berufen sich ausdrücklich auf die Bindungswirkung des Volksentscheids, die SPD begründet ihren Erhalt anders — über die heutige Funktion des Feldes — und nennt beim Versiegelungsziel keinen festen Zieltermin. Zwischen fester Bindung und offenem Zeitrahmen bleibt eine Lücke.
CDU + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: In der Sache gibt es hier keinen Konsens — weder bei der Randbebauung noch beim übergeordneten Versiegelungsziel finden CDU, Grüne und SPD eine gemeinsame Linie.
Knackpunkte: Die CDU bekennt sich klar zur Randbebauung, Grüne und SPD lehnen sie ebenso klar ab — ein unvereinbarer Gegensatz zwischen Bebauen und Freihalten. Beim Versiegelungsziel kommt hinzu: Grüne und SPD legen sich auf Zahlen fest, die Grünen zusätzlich auf einen Zieltermin, während der CDU dazu jede eigene Position fehlt.
Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).