Wahlkompass Berlin

Wie soll sich Berlin auf Hitze und Starkregen vorbereiten?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 11. Oktober 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Als nächste Themen der Sondierungen nennt SPD-Chef Krach Klima, Verkehr und Familienpolitik. Ein Teil davon ist die Klimaanpassung: Wie stellt sich eine Stadt auf Hitze und Starkregen ein? Drei Begriffe tauchen in den Programmen immer wieder auf. Entsiegelung heißt, versiegelte Flächen wieder durchlässig zu machen; eine Schwammstadt fängt Regenwasser auf, speichert und nutzt es, statt es abfließen zu lassen; der Hitzeaktionsplan ist das Berliner Maßnahmenpaket gegen Hitze. Die Programme reichen von einer Million Straßenbäume bis zum Hitzeschutzplan mit verbindlichen Maßnahmen; vier von fünf setzen auf mehrere Instrumente, eines nennt Hitze und Starkregen gar nicht.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU macht Bäume und Wasser zum Kern ihrer Antwort. Den Bestand an Straßenbäumen will sie bis 2040 auf eine Million steigern, um Berlin widerstandsfähiger gegen Hitze und Extremwetter zu machen. Bei öffentlichen Bauvorhaben, insbesondere bei Kitas und Schulen, soll Hitzeschutz verbindlich mitgedacht werden: verschattete Spielflächen, klimaangepasste Bauweisen, kostenloses Trinkwasser. Schulhöfe, Kitagelände und Sportanlagen sollen entsiegelt, begrünt und mit Möglichkeiten zur Wasserspeicherung ausgestattet werden. Berlin soll konsequent zur Schwammstadt werden, in der Regenwasser aufgefangen, gespeichert und genutzt wird. Dazu kommen ein klimaresilienter Waldumbau und ein neuer Stadtwald als zweite »Grüne Lunge«.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗ Beleg 5 ↗ Beleg 6 ↗

SPD

Die SPD baut auf das Klimaanpassungsgesetz und auf die Stadtbäume. Mit dem Berliner Klimaanpassungsgesetz sieht sie eine Grundlage, Berlin »grüner und kühler« zu machen; bis 2040 soll die Zahl der Stadtbäume um 70 Prozent steigen. Gehandelt werden soll zuerst dort, wo Hitze, Lärm, Luftbelastung, Grünmangel und soziale Belastungen zusammenkommen: Solche Hotspots werden entsiegelt oder begrünt, etwa mit einem Tiny Forest. Die Reihenfolge richtet sich also nach der Belastung. Beim Regenwasser will die SPD das grundstücksübergreifende Regenwassermanagement rechtlich verbindlich machen.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen setzen auf Gesetz, Plan und Wasseragentur. Das Berliner Klimaanpassungsgesetz wollen sie »ambitioniert und integriert mit dem Berliner Mobilitätsgesetz« umsetzen, den Berliner Hitzeaktionsplan jährlich evaluieren und weiterentwickeln. Die Berliner Regenwasseragentur muss ausgebaut, finanziell gestärkt und strukturell weiterentwickelt werden, um dezentrales Regenwassermanagement effektiver zu koordinieren. Klimaanpassung und Verkehr sollen damit zusammen gedacht werden. Das Regenwassermanagement soll dezentral laufen, an vielen Stellen der Stadt statt an einer, und die Agentur koordiniert es. Eine Zahl für Bäume oder Flächen nennen die Passagen nicht.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

Die Linke

Die Linke will Verbindlichkeit und soziale Gerechtigkeit beim Hitzeschutz. Die Hauptstadt braucht einen sozialräumlich differenzierten Hitzeschutzplan, und zwar mit verbindlichen Maßnahmen, einheitlichen Vorgaben für die Bezirke und auskömmlicher Finanzierung. Sozialräumlich differenziert heißt: Der Plan unterscheidet nach Lage und Belastung der Stadtviertel, die Bezirke bekommen gleiche Vorgaben und das Geld dafür. Berlin soll das Schwammstadtprinzip verfolgen, durch Entsiegelung, Regenwassermanagement sowie Ausbau und Pflege von Naturflächen. Bei allen Neubauvorhaben soll ein verbindlicher Mindestanteil an Grünflächen gelten, der Biotopflächenfaktor, um Hitze zu reduzieren.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

AfD

Die AfD nennt Hitze und Starkregen nicht als Anlass. Das Programm spricht aber von Entsiegelung und Regenwasser, mit anderer Begründung. Teilweise versiegelte Flächen sollen wieder naturnah hergestellt werden, damit Regenwasser versickern kann und städtische Lebensräume ökologisch aufgewertet werden; private Eigentümer sollen Anreize bekommen, Flächen teilweise zu entsiegeln, etwa durch Regenwasserauffangtanks. Die Abwasser- und Regenwassersysteme sollen langfristig auf ein Trennsystem umgestellt werden. Bäume als Schattenspender, Hitzeschutz oder einen Plan für Extremwetter enthalten diese Passagen nicht.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Beim Wasser sind sich die drei im Grundsatz einig: Die SPD will das Regenwassermanagement rechtlich verbindlich machen, die Grünen die Regenwasseragentur ausbauen und finanziell stärken, die Linke verfolgt das Schwammstadtprinzip mit Entsiegelung und Regenwassermanagement. Auch beim Hitzeschutz gibt es eine gemeinsame Richtung: Die Grünen werten den Hitzeaktionsplan jährlich aus, die Linke fordert einen Hitzeschutzplan mit verbindlichen Maßnahmen, die SPD handelt zuerst in den Hitze-Hotspots.

Knackpunkte: Die Wege zum selben Ziel unterscheiden sich. Eine Baumzahl nennt nur die SPD mit +70 Prozent Stadtbäumen bis 2040; Grüne und Linke geben in den Passagen keine an. Allein die Linke schreibt einen verbindlichen Grünflächen-Mindestanteil für Neubauten vor. Das Klimaanpassungsgesetz ist für SPD und Grüne der Rahmen, bei der Linken kommt es in den Passagen nicht vor. Eine ausdrücklich genannte Finanzierung gibt es bei der Linken (auskömmliche Finanzierung für den Hitzeschutzplan) und bei den Grünen für die Regenwasseragentur. Gleiche Richtung, unterschiedlich verbindlich.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Beim Regenwasser ziehen die drei in dieselbe Richtung: Die CDU will Berlin zur Schwammstadt machen, die SPD das Regenwassermanagement verbindlich regeln, die Grünen die Regenwasseragentur stärken. Auch den Hitzeschutz nehmen alle drei auf: durch Bäume (CDU, SPD), Entsiegelung (CDU, SPD) und den Hitzeaktionsplan (Grüne).

Knackpunkte: Das Ziel der Baumzahlen unterscheidet sich: Die CDU nennt eine Million Straßenbäume bis 2040, die SPD ein Plus von 70 Prozent Stadtbäumen, die Grünen nennen keine Zahl. Die CDU macht Hitzeschutz bei Kitas und Schulen verbindlich, die SPD handelt zuerst an Hotspots, die Grünen verlassen sich auf das Klimaanpassungsgesetz und die jährliche Auswertung des Hitzeaktionsplans. Das gleiche Anliegen mit unterschiedlichem Zuschnitt.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).