Wie soll Berlin sauberer werden — Straßen, Parks, Sperrmüll?
Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 10. Oktober 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.
SPD-Chef Krach nennt Sauberkeit »eines der größten Aufregerthemen«; bei den Sondierungen am 9. Oktober haben sich Linke, Grüne und SPD nach seinen Worten auf erste Eckpunkte verständigt, etwa auf die Reinigung von Spielplätzen und die Abholung von Sperrmüll. Neu seit dem Dossier vom 4. Oktober ist dieser erste Verhandlungsstand. Zuständig sind vor allem zwei Stellen: die Berliner Stadtreinigung BSR, die reinigt und Müll abholt, und die Ordnungsämter, die Verstöße wie illegale Müllablagerung ahnden. Wer sauberere Straßen will, kann auf Angebote wie eine Sperrmüllabholung setzen, auf mehr Reinigung durch die BSR oder auf Kontrolle und Bußgelder. Die Programme reichen von der kostenlosen Sperrmüllabholung bis zur Videoüberwachung an Müllschwerpunkten.
Die Grundlage im Wahlkompass
Die Positionen der Parteien
CDU
Die CDU setzt auf Kontrolle und Strafe. Illegale Müllentsorgung sei »kein Kavaliersdelikt«, sagt sie und verweist auf den bereits verschärften Bußgeldkatalog, etwa 250 Euro für eine weggeworfene Kippe oder 700 Euro für Altreifen. Eine eigene Task Force »Müll-Ermittler« soll besonders belastete Bereiche in den Blick nehmen, die Ordnungsämter bekommen deutlich mehr Personal und bessere Ausstattung, zum Beispiel Bodycams. Die BSR soll zusätzlich Grünflächen und Spielplätze reinigen, bis 2030 soll es rund 30.000 Papierkörbe geben. Daneben stehen die Sperrmülltage in den Kiezen, die sie ausweiten und verstetigen will.
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SPD
Die SPD setzt auf die Stadtreinigung und auf Angebote. Die BSR soll die Reinigung aller Spielplätze und bis 2030 aller Parks und Grünanlagen übernehmen, damit sich die Bezirke auf Pflege und Entwicklung konzentrieren können. Für jeden Haushalt soll es zweimal im Jahr eine Sperrmüllabholung vor der Haustür geben. Die Recyclinghöfe der BSR sollen länger öffnen, für stark belastete Bezirke sind neue geplant. Mit einer Änderung des Straßenreinigungsgesetzes soll die BSR Sauberkeit besser über Meldungen, Sensoren und Nutzerfeedback steuern können. Die Parkläufer*innen will die SPD dauerhaft absichern und auf weitere Parks ausweiten. Zu Bußgeldern äußern sich diese Passagen nicht.
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Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen setzen auf Angebote. Jeder Berliner Haushalt soll einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenfreie Sperrmüllabholung durch die BSR haben, dazu setzen sie sich für vierteljährliche Sperrmülltage ein, an denen sich Sperrmüll niedrigschwellig entsorgen lässt. Alle Maßnahmen zur Sauberkeit und Abfallvermeidung sollen öffentlichkeitswirksam, verständlich und mehrsprachig kommuniziert werden. Wie die Grünen zu Bußgeldern, zum Personal der Ordnungsämter oder zu den Zuständigkeiten zwischen BSR und Bezirken stehen, geht aus den Passagen nicht hervor.
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Die Linke
Die Linke setzt auf Angebote und auf Menschen vor Ort. Die Sperrmüllabholung soll pro Haushalt zweimal im Jahr kostenlos sein. Die Parkläufer*innen sollen in die Regelfinanzierung durch den Senat überführt und ihre Tätigkeiten ausgeweitet werden. Dazu kommt ein Taubenmanagement, das Tierwohl mit Aspekten der Stadtsauberkeit verknüpft. Ein Bußgeldkonzept oder eine Aussage zu Zuständigkeiten zwischen BSR und Bezirken enthalten die Passagen nicht; es bleibt bei einzelnen Instrumenten, die sich zu keinem Gesamtkonzept für Sauberkeit zusammenfügen.
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AfD
Die AfD sieht im »Schmuddel-Image« Berlins den »Ausdruck eines alarmierenden Zustands« und antwortet mit Kontrolle und Technik. Die Ordnungsämter sollen rund um die Uhr aktiv sein und Verursacher konsequent ahnden, mobile Einsatzteams beseitigen illegalen Müll und Graffiti, an bekannten Müll-Hotspots kann Videoüberwachung eingesetzt werden. Autowracks sollen schneller entfernt und Obdachlosencamps nach klaren Regeln entfernt werden. Dazu kommen ausreichend Abfallbehälter, der Ausbau der BSR-Recyclinghöfe und Müll-Sheriffs und Waste-Watcher. Außerdem sollen arbeitsfähige und nicht erwerbstätige Flüchtlinge aktiv in die Müllbeseitigung einbezogen werden.
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Was heißt das für die Koalitionsgespräche?
Linke + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: Beim Sperrmüll sind sich alle drei einig: SPD, Grüne und Linke wollen die Abholung anbieten, die SPD zweimal im Jahr vor der Haustür, die Linke zweimal im Jahr kostenlos, die Grünen einmal im Jahr kostenfrei. Das deckt sich mit einem der Eckpunkte, die laut Krach die Sondierung brachte. Auch bei den Parkläufer*innen gibt es Nähe: SPD und Linke wollen sie dauerhaft absichern beziehungsweise in die Regelfinanzierung überführen.
Knackpunkte: Die Reinigung der Spielplätze durch die BSR steht im Programm der SPD; Grüne und Linke nennen sie in den Passagen nicht. Die Grünen wollen einmal im Jahr Sperrmüll kostenfrei abholen, SPD und Linke zweimal. Zu Kontrolle und Bußgeldern äußert sich keine der drei Parteien in diesen Passagen. Einig im Angebot, offen bei den Zuständigkeiten.
CDU + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: Der gemeinsame Nenner ist die BSR als Reinigerin und der Sperrmüll. CDU und SPD wollen die Zuständigkeit der BSR auf Spielplätze und Grünflächen ausweiten; bei Sperrmüll setzen CDU (Sperrmülltage ausweiten und verstetigen), SPD und Grüne (Abholung) auf Entlastung der Haushalte.
Knackpunkte: Am weitesten auseinander liegt der Umgang mit Verstößen. Die CDU verschärft den Bußgeldkatalog, richtet »Müll-Ermittler« ein und stockt die Ordnungsämter auf; SPD und Grüne nennen in diesen Passagen weder Bußgelder noch Personal der Ordnungsämter. Auch die Zuständigkeit der BSR ist nicht gemeinsame Sache, denn die Grünen äußern sich dazu nicht. Zwischen Kontrolle und Angebot verläuft die Trennlinie.
Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).