Wie sollen Berlins Hochschulen finanziert und ihre Gebäude saniert werden?
Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 10. Oktober 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.
Wissenschaft gehört zu den ersten Themen der Sondierungen von Linken, Grünen und SPD, und für die Hochschulen geht es dabei um zwei Geldfragen. Die erste betrifft den laufenden Betrieb: die Grundfinanzierung, also das Geld, das das Land den Hochschulen verlässlich für Lehre und Forschung gibt, im Unterschied zu Drittmitteln, die sie Projekt für Projekt einwerben müssen. Die zweite betrifft die Gebäude: Aufgelaufen ist ein Sanierungs- und Instandhaltungsrückstau, also Reparaturen und Erhaltungsarbeiten, die liegen geblieben sind. Alle fünf Programme sprechen von einer Hochschulbaugesellschaft, einer Gesellschaft, die Wissenschaftsgebäude sanieren und bauen soll. Dazu kommt ein Streitpunkt, der bei den Studierenden im Geldbeutel ankommt: Studiengebühren. Und die Programme? Beim Bauen liegen sie näher beieinander als bei der Frage, ob Studierende künftig zahlen sollen, vom ausdrücklichen Nein bis zur Gebühr, die erst nach dem Berufseinstieg fällig wird.
Die Grundlage im Wahlkompass
Die Positionen der Parteien
CDU
Die CDU setzt auf Abbau und auf neue Einnahmen. Den bestehenden Sanierungs- und Instandhaltungsrückstau der Berliner Hochschulen will sie »konsequent abbauen« und die Hochschulbaugesellschaft dafür weiterentwickeln. Zusätzlichen finanziellen Spielraum sollen die Hochschulen durch Studienbeiträge bekommen, allerdings nur »in klar begrenztem Umfang«. Wie hoch die Beiträge ausfallen sollen und ob die Grundfinanzierung künftig weniger von Drittmitteln abhängen soll, dazu nennt das Programm nichts.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗
SPD
Die SPD verspricht Verlässlichkeit, beim laufenden Geld wie beim Bauen. Die Hochschulfinanzierung will sie »stabil und verlässlich« gestalten, analog zum Pakt für Forschung und Innovation. Wissenschaftsgebäude sollen saniert, modernisiert und neu gebaut werden, und zwar über eine Hochschulbaugesellschaft, die vom Land ausfinanziert wird. Zu Studiengebühren sagt das Programm der SPD nichts, und ob die Hochschulen weniger von Drittmitteln abhängig werden sollen, benennt es ebenfalls nicht. Das Programm legt sich auf den Weg fest, das Geld zu sichern, nicht auf die Frage, wer zusätzlich zahlen soll.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen wollen mehr verlässliches Geld, einen Sanierungsschub und keine Gebühren. Die Hochschulverträge, in denen Land und Hochschulen die Finanzierung festlegen, sollen in einem partizipativen Prozess neu gestaltet und die Finanzierung verlässlich erhöht werden, mit dem Ziel, die Hochschulen unabhängiger von Drittmitteln zu machen. Für die Gebäude fordern sie eine »Sanierungs- und Modernisierungsoffensive« und eine Hochschulbaugesellschaft, die ein Konzept für eine energetisch-nachhaltige Sanierung erarbeitet und kreditfinanziert umsetzt. Studiengebühren »jeglicher Form« lehnen sie für Studierende aller Nationalitäten ab. Milliardenbeträge für den Sanierungsstau nennt das Programm nicht.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗
Die Linke
Die Linke will erst zählen, dann bauen, und Gebühren ausschließen. Sofort nach der Wahl soll eine Bestandsaufnahme der Kürzungen bei Finanzen, Stellen und Studienkapazitäten stattfinden, die zugleich die Finanzbedarfe der Hochschulen erfasst. Eine kreditfähige öffentliche Hochschulbaugesellschaft gibt es mit ihr nur dann, wenn die Mitbestimmung der Hochschulen gesichert ist; auch der Schutz der Beschäftigten gehört zu ihren Bedingungen. Das Studium in Berlin soll studiengebührenfrei bleiben, »auch für internationale Studierende«. Zum Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln äußert sich das Programm nicht ausdrücklich.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗
AfD
Die AfD will die Hochschulen unabhängiger von Drittmitteln machen und Studierende später zahlen lassen. Die »entstandene Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln« will sie zurückfahren, indem sie die Grundfinanzierung erhöht; dazu kommt eine zusätzliche Forschungsmilliarde. Nachgelagerte Studiengebühren hält sie für sozial gerecht: Die Rückzahlung soll vom späteren Einkommen abhängen, damit das Studium kein unwägbares Risiko wird. Für Studierende aus Nicht-EU-Staaten will sie nach dem Vorbild Baden-Württembergs eigene Gebühren einführen. Bei der geplanten Hochschulbaugesellschaft will sie darauf achten, dass Zins und Tilgung nicht auf die Universitäten abgewälzt und die Beschäftigten keinem Lohndumping ausgesetzt werden.
Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗ Beleg 5 ↗ Beleg 6 ↗
Was heißt das für die Koalitionsgespräche?
Linke + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: Beim Bauen ziehen die drei an einem Strang: Alle wollen die Gebäude der Hochschulen über eine Hochschulbaugesellschaft sanieren, SPD und Grüne versprechen den Hochschulen zudem verlässlichere Mittel, die SPD durch eine stabile Finanzierung, die Grünen durch neu gestaltete Hochschulverträge; die Linke will zunächst die Kürzungen der vergangenen Zeit erfassen und die Finanzbedarfe der Hochschulen ermitteln. Dazu kommt eine Gemeinsamkeit bei den Studiengebühren, soweit sie sich äußern: Grüne und Linke lehnen sie ausdrücklich ab.
Knackpunkte: Der Weg der Baugesellschaft ist nicht derselbe. Die SPD will sie vom Land ausfinanzieren, die Grünen kreditfinanziert arbeiten lassen, die Linke macht ihre Zustimmung an gesicherter Mitbestimmung der Hochschulen und am Schutz der Beschäftigten fest. Bei den Gebühren schweigt die SPD, während Grüne und Linke ein klares Nein sagen, und nur die Grünen stellen das Ziel, weniger von Drittmitteln abzuhängen, ausdrücklich auf. Der Unterschied liegt zwischen der Finanzierungsform und den Bedingungen, an die sie geknüpft wird.
CDU + Grüne + SPD
Übereinstimmungen: Die drei sind sich im Instrument einig: CDU, SPD und Grüne nennen die Hochschulbaugesellschaft als Antwort auf den Sanierungsstau. Alle drei sprechen außerdem von einer verlässlichen Finanzierung der Hochschulen oder, wie die CDU, von zusätzlichem finanziellem Spielraum, wenn auch auf sehr unterschiedlichen Wegen.
Knackpunkte: Am deutlichsten trennt die Gebührenfrage. Die CDU will begrenzte Studienbeiträge, die Grünen lehnen jede Form ab, die SPD sagt dazu nichts. Auch beim Geld für den laufenden Betrieb gehen die Wege auseinander: Die Grünen wollen die Finanzierung über neue Hochschulverträge erhöhen, die SPD sie analog zum Pakt für Forschung und Innovation absichern, die CDU nennt Studienbeiträge als zusätzliche Quelle. Der Unterschied liegt zwischen Beitrag, Verzicht und Schweigen.
Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).