Wahlkompass Berlin

Wie sollen marode Sporthallen, Bäder und Trainingsflächen saniert werden?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 6. Oktober 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Mit dem Rückzug der Olympia-Bewerbung ist eine Frage vom Tisch, eine andere bleibt: der Zustand der Sporthallen, Plätze und Bäder, in denen Schulen und Vereine jeden Tag trainieren. Die Programme beschreiben ihn ohne Beschönigung — gesperrte Hallen, Bäder als Dauerbaustellen, ein Sanierungsbedarf, den die CDU allein für die Sportstätten der Bezirke auf über 400 Millionen Euro in vier Jahren beziffert. Dass saniert werden muss, bestreitet keine Partei. Die Antworten gehen an zwei Stellen auseinander: wer künftig baut — die Bezirke wie bisher oder eine zentrale Stelle des Landes — und wie viel Geld dafür bereitstehen soll.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU nennt als einzige Partei eine Zahl. Allein bei den Sportstätten der Bezirke sieht sie in den kommenden vier Jahren einen Sanierungsbedarf von »über 400 Millionen Euro« und will das Sportstättensanierungsprogramm deshalb »konsequent ausbauen und langfristig finanziell absichern«. Dazu kommt die ganzjährige Nutzbarkeit: Moderne Beleuchtung und witterungsbeständige Beläge sollen mehr Trainingszeit möglich machen. Bei den großen Anlagen unterstützt sie die Modernisierung von Olympiapark und Sportforum Hohenschönhausen. Wer die Sanierungen planen und bauen soll, lässt das Programm offen.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

SPD

Die SPD setzt bei der Organisation an. Eine »zentrale Planungs- und Baueinheit« soll die Bezirke entlasten und Bau und Sanierung beschleunigen; ein Typenbauprogramm für Sportfunktionsgebäude — Umkleiden und Sanitärbauten nach einheitlichem Muster — soll das Bauen vereinfachen. Bei den Bädern will sie Typenschwimmhallen bauen und Bestandsbäder »klimagerecht« sanieren. Dazu kommt eine Reihe großer Vorhaben: der Neubau des Jahn-Sportparks, weitere Maßnahmen im Olympiapark, neue Hallen und Sportplätze in Tegel. Eine Summe nennt das Programm nicht.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen beginnen beim Zustand. Jahrelange Dauerbaustellen wie am Paracelsus-Bad in Reinickendorf sind für sie »nicht hinnehmbar«, und selbst der Vereinssport kann wegen des »desaströsen Zustands« und gesperrter Hallen nicht zuverlässig stattfinden. Ihr Ziel: jeder Bezirk mit sanierten, barrierefreien und ökologisch nachhaltigen Schwimmbädern, dazu endlich ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf, dem einzigen Bezirk ohne Sommerbad. Für das Bauen setzen sie Standards — Kunstrasen ohne Mikroplastik, klimaneutral betriebene Eisflächen. Eine Summe oder eine neue Bau-Struktur nennt das Programm nicht.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗ Beleg 4 ↗

Die Linke

Die Linke kündigt ein »Jahrzehnt der Investitionen« in den Breitensport an, ausdrücklich für Schulsporthallen und Bezirkssportanlagen. Bauen soll eine neue »zentrale Baudienststelle für den Sportstättenbau«; das bestehende Sportanlagensanierungsprogramm will sie beschleunigen und seinen Etat erhöhen. Sportflächen an Schulen sollen über die Schulbauoffensive gleich mitgeplant werden. Auch bei den großen Anlagen sieht sie Handlungsbedarf: Sportforum Hohenschönhausen und Olympiapark leiden nach ihrer Darstellung unter einem »massiven Sanierungsstau«. Um wie viel der Etat steigen soll, sagt das Programm nicht.

Im Programm: Beleg 1 ↗ Beleg 2 ↗ Beleg 3 ↗

AfD

Die AfD will den Sanierungsstau bei Sportflächen »durch massive Investitionen und ein Sofortprogramm« beheben. Bei Neubauvorhaben soll der Bedarf an zusätzlichen Sportflächen gleich mitberücksichtigt werden. Für die Einzelheiten verweist sie auf den Landessportbund: Dessen 14-Punkte-Katalog für mehr und bessere Sportflächen unterstützt sie ausdrücklich. Eine eigene Summe nennt das Programm nicht, und wer das Sofortprogramm umsetzen soll, bleibt offen.

Im Programm: Beleg 1 ↗

Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: In der Organisation liegen SPD und Linke nah beieinander: Beide wollen eine zentrale Stelle des Landes schaffen, die Sanierung und Neubau von Sportstätten bündelt und die Bezirke entlastet — die SPD nennt sie Planungs- und Baueinheit, die Linke Baudienststelle. Die Grünen teilen das Ziel sanierter Hallen und Bäder und bringen ökologische Baustandards mit.

Knackpunkte: Offen ist das Geld. Die Linke will den Etat des Sanierungsprogramms erhöhen und spricht von einem Jahrzehnt der Investitionen; SPD und Grüne nennen weder Summe noch Aufwuchs, und keines der drei Programme sagt, woraus die Sanierung bezahlt werden soll. Zur zentralen Bau-Stelle äußern sich die Grünen nicht — ob sie den Bezirken diese Aufgabe abnehmen wollen, ist aus ihrem Programm nicht abzulesen.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Alle drei wollen mehr sanieren, und ihre Instrumente schließen einander nicht aus: Die CDU hat mit über 400 Millionen Euro die einzige Bedarfszahl und will das Sanierungsprogramm ausbauen und langfristig absichern, die SPD bringt die zentrale Bau-Einheit mit, die Grünen sanierte Bäder in jedem Bezirk.

Knackpunkte: Einen offenen Gegensatz zeigen die Programme hier nicht. Unterschiedlich ist die Verbindlichkeit: Die CDU bindet ihre Zusage an eine Zahl, SPD und Grüne bleiben ohne Summe. Und die zentrale Bau-Einheit der SPD berührt eine Frage, zu der sich weder CDU noch Grüne äußern: ob das Land den Bezirken den Bau ihrer Sportstätten abnehmen soll.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).