Wahlkompass Berlin

Wie wollen die Parteien Unternehmen nach Berlin holen und Gründungen fördern?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 30. September 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Ein Deep-Tech-Start-up, ein Gemüseladen, eine Fahrradwerkstatt — so zählt eines der Programme auf, wen Berlin beim Gründen unterstützen soll. Wirtschaftsförderung heißt für eine Landesregierung vor allem zweierlei: Ansiedlung, also Unternehmen dazu zu bringen, sich mit Werk, Labor oder Büro in Berlin niederzulassen, und Gründungsförderung, also jungen Firmen über die ersten, teuren Jahre zu helfen. Die Werkzeuge dafür sind Beratung, Zuschüsse, Bürgschaften und Wagniskapital — Geld von Investoren, die auf späteres Wachstum setzen. Dazu kommt die Frage, welche Branchen ein Land gezielt anlocken will und wer das organisiert. Anders als bei Mieten oder Enteignung liegen die Parteien hier nicht weit auseinander. Und die Programme? Alle fünf wollen fördern — der Unterschied liegt darin, wen, womit und in wessen Hand.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU setzt auf Technologie und Kapital. Berlin soll ein führender Standort für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien werden; dafür will sie ein »DefTech-Ökosystem« aufbauen, also ein Netz aus Firmen, Forschung und Investoren rund um diese Branche. Gründungen sollen leichter an Geld kommen: mit Landeszuschüssen für Bürgschaften in späteren Finanzierungsrunden, einem Berlin-Fonds gemeinsam mit der landeseigenen Förderbank IBB und einem Start-up-Stipendium, bei dem sich die Zahl der geförderten Teams verdoppeln soll. Die bestehenden Wagniskapital-Strukturen will sie auf Deep Tech und Kreativwirtschaft ausrichten. Für den Papierkram verspricht sie einen One-Stop-Shop — eine Plattform, auf der von der Gewerbeanmeldung bis zur Sozialversicherung alles an einer Stelle erledigt wird.

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SPD

Die SPD denkt in Standorten. Sie nennt eine lange Liste von Zukunftsbranchen — von Lebenswissenschaften und Künstlicher Intelligenz über Bahntechnik bis zu Drohnen, Luft- und Raumfahrt — und bindet sie an konkrete Orte: die Urban Tech Republic auf dem früheren Flughafen Tegel, Siemensstadt Square in Spandau, CleanTech Marzahn. Auch der frühere Flughafen Tempelhof soll nutzbar werden. Für Gründungen will sie die bestehende Startup Agenda des Landes fortschreiben, mit mehr Gewicht auf der Zeit vor der Gründung und der Wachstumsphase danach, und die Gründungsberatung mehrsprachig und digital ausbauen.

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Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen wollen die Förderung neu ordnen. Sie prüfen eine landeseigene Innovationsagentur nach dem Vorbild der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), die Forschungsideen schneller in die Anwendung bringen soll. Eine oder ein Start-up-Beauftragter des Landes soll die Gründungsaktivitäten koordinieren und ihre Wirkung für »nachhaltige Wertschöpfung und gute Arbeit« erhöhen. Bei der Ansiedlung setzen sie auf Produktionsstandorte wie den CleanTech Business Park in Marzahn, wo Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenkommen sollen. Ein eigenes Förderinstrument nach dem Vorbild von Hamburg und Bremen soll soziale Unternehmen stärken, also Firmen, die mit ihrem Geschäft ein gesellschaftliches Ziel verfolgen.

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Die Linke

Die Linke will, dass das Land auch selbst einsteigt. Ihr auffälligstes Instrument ist eine Berliner Industrie-Holding: Sie soll Industrieunternehmen, die in die Krise geraten, stützen, indem das Land Anteile an ihnen erwirbt — so sollen Wertschöpfungsketten in Berlin erhalten bleiben. Beim Gründen denkt sie ausdrücklich auch an das Kleine. Den von der bisherigen Koalition eingestellten Coaching-Bonus will sie wieder einführen und den Zugang zu Krediten fördern, für Deep-Tech-Start-ups ebenso wie für den Gemüseladen oder die Fahrradwerkstatt. Die Digitalprämie, mit der nach ihren Angaben fast 900 überwiegend kleine Unternehmen erreicht wurden, soll zurückkommen; dazu Innovationsnetzwerke aus Hochschulen, Industrie und IT-Dienstleistern.

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AfD

Die AfD setzt auf eine zentrale Anlaufstelle. Der bestehende Dienstleister »Partner für Berlin« soll zu einem digitalen Service für Gründer und Investoren ausgebaut werden, mit Mentoringprogramm und »Komplettservice aus einer Hand«. Gezielt anlocken will sie Unternehmen aus Luft- und Raumfahrt, Gesundheitswirtschaft, Halbleitern und KI, Robotik, Quantencomputing und IT-Sicherheit; ein öffentliches Gewerbeflächenkataster, also ein Verzeichnis verfügbarer Flächen, und aktives Standortmarketing sollen dabei helfen. Für das Handwerk schlägt sie eine Meistergründungsprämie vor, für die Start-up-Szene einen zentralen Ort nach dem Vorbild der Station F in Paris.

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Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Einig sind sich die drei im Grundsatz: Das Land soll Gründungen und Ansiedlungen aktiv fördern, und alle drei wollen Hochschulen, Forschung und Unternehmen enger zusammenbringen — die SPD über ihre Startup Agenda, die Grünen über eine Innovationsagentur, die Linke über Innovationsnetzwerke. Auch einen gemeinsamen Ort gibt es: In Marzahn wollen SPD und Grüne einen Standort für saubere Technologien ausbauen.

Knackpunkte: Der Unterschied liegt in der Rolle des Staates. Die Linke will mit einer Industrie-Holding Anteile an Unternehmen in der Krise erwerben — das Land würde Miteigentümer. Ein vergleichbares Instrument nennen SPD und Grüne nicht. Die SPD denkt in großen Standortprojekten und einer langen Liste von Zukunftsbranchen, die Linke betont Kleingewerbe und Kleinstunternehmen, die Grünen den sozialen und nachhaltigen Zuschnitt. Zwischen Standortpolitik und Staatsbeteiligung verläuft hier die Linie.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Gemeinsam ist den dreien der Blick auf Technologie und Innovation. Die CDU will Wagniskapital für Deep Tech stärken, die SPD nennt Künstliche Intelligenz und DeepTech als Zukunftsbranchen, die Grünen wollen mit einer Innovationsagentur den Weg von der Idee zum Produkt verkürzen. Verteidigung und Sicherheit führen CDU und SPD beide als Förderfeld.

Knackpunkte: Unterschiede gibt es bei Schwerpunkt und Ton. Die CDU stellt Sicherheits- und Verteidigungstechnologie an die Spitze und setzt auf Kapitalinstrumente wie Bürgschaften und einen Berlin-Fonds; die Grünen binden ihre Förderung an nachhaltige Wertschöpfung und gute Arbeit und wollen soziale Unternehmen eigens unterstützen. Die SPD liegt mit ihrer Branchenliste dazwischen. Ein grundsätzlicher Streit ist das nicht — eher eine Frage der Gewichte.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).