Wahlkompass Berlin

Wie sollen in Berlin schneller und günstiger neue Wohnungen entstehen?

Eine Frage aus der öffentlichen Debatte um die Koalitionsverhandlungen (Stand 25. September 2026). Wir beantworten sie dokumentarisch aus den Wahlprogrammen — jede Aussage führt auf die belegten Sachfragen des Wahlkompass zurück.

Wer in Berlin eine Wohnung sucht, weiß, wie knapp sie sind. Seit Tagen wird über die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gestritten — und immer öfter kommt dabei der Einwand, dass sie keine neue Wohnung schaffe. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie überhaupt mehr Wohnungen entstehen. Neubau scheitert oft an zwei Dingen: an Kosten und Dauer des Bauens selbst und am fehlenden Bauland. Für das erste gibt es das serielle oder modulare Bauen — Häuser nach einheitlichem Muster, deren Teile in der Fabrik vorgefertigt werden — und schlankere Regeln in der Bauordnung. Für das zweite gibt es die Bodenpolitik: etwa eine höhere Grundsteuer auf baureife, aber brachliegende Grundstücke, ein Vorkaufsrecht der Stadt oder das Erbbaurecht, bei dem das Land Grundstücke nur verpachtet statt verkauft. Und die Programme? Sie teilen dieselben Werkzeuge — und streiten darüber, wie viel Markt dabei sein darf.

Die Grundlage im Wahlkompass

Die Positionen der Parteien

CDU

Die CDU setzt auf das Haus aus dem Baukasten. Ihr zentraler Baustein ist ein standardisiertes Berliner Mehrfamilienhaus, das »Berlin-MFH«: Durch »klare Typenbauweisen und serielle Fertigung« sollen Baukosten sinken und Genehmigungen schneller gehen. Dazu will sie Umwelt-, Arten- und Denkmalschutz auf das Maß zurückführen, das Bundes- und Europarecht zwingend vorschreiben. Gegen das Horten von Bauland nennt sie zwei Hebel: eine Grundsteuer C, die nur baureife, aber unbebaute Grundstücke besonders hoch belastet, und das Baugebot, mit dem die Stadt Eigentümer zum Bauen verpflichten kann. Das Erbbaurecht will sie für Bauherren günstiger gestalten.

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SPD

Die SPD will einfacher bauen. Das Einfach-Bauen-Gesetz soll »konsequent« umgesetzt werden, dazu mehr Projekte in Modulbauweise und nach dem »Gebäudetyp E« — einem Standard, der beim Bauen von kostentreibenden, nicht sicherheitsrelevanten Normen abweichen darf. Beim Bauland greift sie zu denselben Mitteln wie die CDU, Grundsteuer C und Baugebot, und ergänzt sie: Landeseigene Flächen soll es vor allem im Erbbaurecht geben, das kommunale Vorkaufsrecht bleibt im Einsatz. Das kooperative Baulandmodell, bei dem private Bauherren einen Teil geförderter Wohnungen übernehmen, soll künftig auch ohne Bebauungsplan gelten. Wie viele Wohnungen so entstehen sollen, steht an dieser Stelle nicht.

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Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen verbinden schnelleres Bauen mit einem festen Zugriff auf den Boden. Eine moderne Bauordnung soll serielles und klimagerechtes Bauen fördern und die Kosten senken, Typengenehmigungen und eine digitale Plattform für Bauanträge sollen die Verfahren beschleunigen. Öffentliche Grundstücke wollen sie nicht mehr nach Höchstpreis vergeben, sondern nach dem besten Konzept — mit mindestens 30 Prozent für gemeinwohlorientierte Träger wie Genossenschaften. Für einst landeseigene Grundstücke, die gehortet werden, soll es ein Rückkaufsrecht geben, dazu eine »Privatisierungsbremse« in der Landesverfassung und ein Bodensicherungsgesetz, das den Verkauf öffentlicher Flächen erschwert.

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Die Linke

Die Linke setzt vor allem beim Boden an. Öffentliches Land soll grundsätzlich nicht mehr verkauft werden; ein Bodensicherungsgesetz mit Veräußerungsverbot und einem öffentlichen Kataster, also einem Verzeichnis aller Flächen, soll das sichern. Das Vorkaufsrecht der Stadt will sie wieder einführen und über den Bundesrat stärken. Wer auf neuem Bauland baut, soll mindestens zwei Drittel der Fläche mit Wohnungen bebauen, deren Miete und Belegung gebunden sind. Zum Bauen selbst nennt sie ein Instrument: gemeinsame Ausschreibungen und lange Kooperationen mit Herstellern seriell gefertigter Bauteile, um Kosten zu senken. Zu Bauordnung und Genehmigungsdauer schweigt das Programm.

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AfD

Die AfD will Regeln abbauen. Damit »Bauen in Berlin wieder schneller geht«, soll die Bauordnung entschlackt werden — etwa soll bei einem genehmigten Neubau keine eigene Abrissgenehmigung für das alte Gebäude mehr nötig sein. Die Standards für Gebäudedämmung will sie auf das Niveau der frühen 2000er-Jahre zurücksetzen, weil Kosten und Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden. Enteignungen und »planwirtschaftliche Instrumente« lehnt sie ab, weil sie Investoren vom Neubau abschreckten. Statt neuer Sozialwohnungen will sie Mietzuschüsse für den freien Markt. Zu serieller Bauweise, Bauland, Grundsteuer oder Vorkaufsrecht — dazu schweigt das Programm.

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Was heißt das für die Koalitionsgespräche?

Linke + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Beim Boden ziehen die drei an einem Strang. Alle wollen, dass das Land seine Flächen behält oder zurückholt — über Erbbaurecht, Vorkaufsrecht, Bodensicherung oder ein Veräußerungsverbot — und dass beim Bauen auf neuem Bauland ein fester Anteil gebundener oder gemeinwohlorientierter Wohnungen entsteht. Auch serielles Bauen taucht bei allen dreien auf.

Knackpunkte: Der Unterschied liegt in der Gewichtung. SPD und Grüne setzen stark auf schnellere Verfahren — Einfach-Bauen-Gesetz, Gebäudetyp E, Typengenehmigungen, digitale Bauanträge; die Linke sagt zu Bauordnung und Genehmigungen nichts und legt den Schwerpunkt auf Bodensicherung und Bindungen. Beim Verkauf öffentlicher Flächen gehen Grüne und Linke am weitesten, mit Privatisierungsbremse und grundsätzlichem Verkaufsverbot; die SPD bleibt beim Erbbaurecht als Regelfall. Einig im Ziel, verschieden im Hebel: Tempo bei den einen, Boden bei den anderen.

CDU + Grüne + SPD

Übereinstimmungen: Hier ist die Übereinstimmung größer, als man vermuten könnte. Alle drei wollen Bauen durch Typenbau und serielle Fertigung billiger und schneller machen — das »Berlin-MFH« der CDU, Modulbau und Gebäudetyp E der SPD, Typengenehmigungen der Grünen. CDU und SPD teilen dazu die Grundsteuer C und das Baugebot gegen brachliegendes Bauland.

Knackpunkte: Streit gibt es darüber, wie viel der Staat beim Boden festhält. Die Grünen wollen öffentliche Flächen nur noch nach Konzept vergeben, mit Mindestquote für gemeinwohlorientierte Träger, und die Privatisierung per Verfassung bremsen; bei der CDU findet sich nichts davon, sie setzt auf günstigere Erbbaurechte und Anreize. Dazu will die CDU Umwelt-, Arten- und Denkmalschutz auf das rechtlich zwingende Maß zurückführen — dazu schweigen SPD und Grüne. Gleiche Werkzeuge beim Bauen, verschiedene Haltung zum Boden.

Redaktionell verdichtet aus den verlinkten Sachfragen und Programm-Belegen (Vorgehensweise).