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Was wollen die Parteien tun, um Alleinerziehende vor Armut zu schützen?

Sachfrage: Unterstützung Alleinerziehender

Alleinerziehende sind trotz hoher Erwerbstätigenquote (71 Prozent der Mütter, 87 Prozent der Väter) die am stärksten armutsgefährdete Familienform in Deutschland — rund 41 Prozent gelten als einkommensarm. Berlin weist mit 28 Prozent den bundesweit höchsten Anteil alleinerziehender Familien auf (gegenüber 17 Prozent in Bayern). Empirisch belastbar sind Befunde zu struktureller Mehrfachbelastung (Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, geringere Haushaltseinkommen); politisch strittig ist, mit welchen zielgruppenspezifischen Instrumenten (haushaltsnahe Hilfen, Nachqualifizierung, Unterhaltsvorschuss-Ausgestaltung) gegengesteuert werden soll.

Forschungsstand & Quellen

Antje Funcke, Sarah Menne (Bertelsmann Stiftung), »Factsheet Alleinerziehende in Deutschland« (2024), auf Basis von Mikrozensus 2023 (Statistisches Bundesamt) und Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Das Programm der CDU nennt keine eigenen Instrumente für Alleinerziehende — etwa Unterhaltsvorschuss, haushaltsnahe Hilfen oder Nachqualifizierung; die allgemeine Aussage zur Armutsbekämpfung benennt keine bestimmte Zielgruppe.

SPD

substanziell

»Landesprogramm zur anteiligen Unterstützung durch haushaltsnahe Hilfen für Alleinerziehende ein, das niedrigschwelligen Zugang zu zeitlich flexibler Haushaltshilfe und Alltagsunterstützung ermöglicht« Beleg ↗
»Den Unterhaltsvorschuss etwa passen wir an die heutige Lebensrealität an« Beleg ↗

Das Programm benennt zwei zielgruppenspezifische Instrumente für Alleinerziehende: ein neues Landesprogramm für haushaltsnahe Hilfen sowie eine Anpassung des Unterhaltsvorschusses. Damit wird die strukturelle Mehrfachbelastung dieser Gruppe konkret adressiert, wenn auch ohne explizite Nennung der Armutsquote.

Bündnis 90/Die Grünen

teilweise

»Wir wollen ... die Angebote der ergänzenden Betreuung außerhalb von Kita- und Hortöffnungszeiten ... insbesondere für Alleinerziehende und Eltern in Schichtarbeit ausweiten.« Beleg ↗

Das Programm nennt mit der Ausweitung ergänzender Betreuung außerhalb der Kita-/Hortöffnungszeiten für Alleinerziehende ein Instrument, das die strukturelle Mehrfachbelastung durch Erwerbs- und Sorgearbeit mindert. Zu den in der Achse benannten armutsbezogenen Instrumenten — haushaltsnahe Hilfen, Nachqualifizierung, Unterhaltsvorschuss — trifft es keine Aussage; eine gezielte finanzielle Absicherung Alleinerziehender vor Armut wird nicht adressiert.

Die Linke

substanziell

»Die Linke will bestehende Landesprogramme für Alleinerziehende fortführen und ausbauen: durch bessere Möglichkeiten, Schul- und Berufsabschlüsse nachzuholen, mehr Teilzeitausbildungsplätze sowie eine verlässliche, langfristige Begleitung und Beratung.« Beleg ↗
»Für geflüchtete Alleinerziehende sollen zielgruppenorientierte Angebote erweitert und neue geschaffen werden« Beleg ↗

Das Programm benennt konkrete zielgruppenspezifische Instrumente für Alleinerziehende (Nachholen von Abschlüssen, Teilzeitausbildung, Beratung, spezielle Angebote für geflüchtete Alleinerziehende) und geht damit über eine bloße Erwähnung hinaus. Eine explizite Auseinandersetzung mit der Armutsgefährdungsquote oder dem Unterhaltsvorschuss fehlt; geprüft wurden 'Unterhaltsvorschuss', 'Armutsgefährdung' ohne weiteren Treffer.

AfD

substanziell

»Den Familienpflegedienst und die flexible Kinderbetreuung, auf die Alleinerziehende in besonderem Maße angewiesen sind, werden wir stärken.« Beleg ↗
»Das gilt insbesondere für alleinerziehende Mütter und Väter sowie deren Kinder... Auch für diese Gruppen sieht das familienpolitische Programm der AfD eine umfassende Unterstützung vor.« Beleg ↗
»Sollte ein Elternteil bei der Erziehungsarbeit ausfallen, muss dem alleinerziehenden Elternteil die notwendige Unterstützung zukommen.« Beleg ↗

Das Programm adressiert Alleinerziehende als eigene Zielgruppe mit konkretem Instrument (Ausbau von Familienpflegedienst und flexibler Kinderbetreuung) sowie mit einer allgemeinen Unterstützungszusage und einer Regelung für Trennungsfolgen. Zu Unterhaltsvorschuss-Ausgestaltung oder gezielter Nachqualifizierung äußert sich das Programm nicht.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Beim Schutz Alleinerziehender vor Armut trennt die Parteien weniger das Ob als die Art des Instruments. Die SPD kombiniert ein Landesprogramm für haushaltsnahe Hilfen mit einer Anpassung des Unterhaltsvorschusses. Die Grünen setzen mit der Ausweitung ergänzender Betreuung außerhalb der Kita- und Hortöffnungszeiten an der zeitlichen Mehrfachbelastung an. Die Linke benennt Instrumente zur beruflichen Nachqualifizierung — Nachholen von Abschlüssen, Teilzeitausbildung, Beratung — sowie ergänzend Angebote für geflüchtete Alleinerziehende. Die AfD stärkt Familienpflegedienst und flexible Betreuung und regelt zusätzlich Unterstützung bei Ausfall eines Elternteils. Die CDU enthält hierzu keine Aussage. Die im Forschungsstand belegte hohe Armutsgefährdungsquote sowie Berlins bundesweiter Spitzenwert beim Anteil Alleinerziehender werden in keinem der fünf Programme aufgegriffen.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Unterstützung Alleinerziehender ausbauen — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle vier Parteien benennen konkrete Instrumente – Landesprogramme, Betreuungsausbau, Nachqualifizierung oder Familienpflegedienst –, aber keine beziffert oder terminiert ihre Zusage.Ohne Aussage: CDUDie SPD kombiniert ein Landesprogramm für haushaltsnahe Hilfen mit einer Anpassung des Unterhaltsvorschusses, die Grünen setzen an der zeitlichen Mehrfachbelastung an, die Linke an beruflicher Nachqualifizierung, die AfD an Familienpflegedienst und flexibler Betreuung.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Beim Schutz Alleinerziehender vor Armut trennt die Parteien weniger das Ob als die Art des Instruments.«

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