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Was wollen die Parteien gegen den Mangel an Kitaplätzen tun? — Wer soll die Kitas betreiben?

Sachfrage: Ausbau, Zugang und Organisationsform der Kinderbetreuung

Trotz des seit 2013 bestehenden Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr fehlen bundesweit und in Berlin weiterhin Kitaplätze; Berlin verzeichnet nach Angaben des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme rund 17.000 bis 20.000 fehlende Plätze, überwiegend im U3-Bereich. Strittig ist, mit welchen Instrumenten der Ausbau finanziert und organisiert werden soll — Kapazitätsausbau in öffentlicher versus freier/privater Trägerschaft, Gutschein- versus Direktvergabe, Öffnungszeiten sowie die finanzielle Gleichstellung von Fremd- und Selbstbetreuung. Der Fachkräftemangel begrenzt zusätzlich, wie schnell zusätzliche Plätze real geschaffen werden können.

Forschungsstand & Quellen

Bertelsmann Stiftung, »Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme« (Länderreport, jährlich, zuletzt Dezember 2024) — datenbankgestützte Auswertung von Kinder- und Jugendhilfestatistik zu Platzlücken, Personal und Qualität je Bundesland.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

teilweise

»Ausbau von sogenannten 24-Stunden-Kitas ein, die auch eine Betreuung zu Rand- und Nachtzeiten möglich machen« Beleg ↗

Das Programm nennt mit dem Ausbau von 24-Stunden-Kitas ein konkretes, aber auf Schichtberufe begrenztes Instrument für den Betreuungszugang; zur allgemeinen Platzknappheit sowie zur strittigen Trägerschaftsfrage (öffentlich vs. frei/privat, Gutschein- vs. Direktvergabe) äußert sich das Programm nicht.

SPD

substanziell

»Der Kita-Gutschein soll für den ohnehin geltenden Rechtsanspruch (5-7 Stunden) zum 1. Geburtstag des Kindes antragslos automatisch zugestellt werden« Beleg ↗
»Wir stabilisieren ihre Finanzierung durch zusätzliche Investitionsmittel, berücksichtigen dabei schwankende Geburtenrate und ermöglichen mit den Eigenbetrieben ein wohnortnahes Kita-Angebot« Beleg ↗
»Wir setzen alles daran, dass das verpflichtende letzte Kita-Jahr endlich berlinweit ohne Wenn und Aber umgesetzt wird« Beleg ↗

Das Programm bezieht substanziell Position mit mehreren konkreten Zugangs- und Kapazitätsinstrumenten: automatisierte Gutscheinvergabe, stabile Investitionsfinanzierung für wohnortnahe Plätze über die Eigenbetriebe sowie verbindliche Umsetzung des letzten Kita-Jahres. Die Trägerschaftsfrage (öffentlich/frei/privat) wird dagegen nicht explizit adressiert.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Wir wollen Arbeitgeber*innen unterstützen, wenn sie Betriebskitas eröffnen, und Eltern besser über die Angebote der ergänzenden Betreuung außerhalb von Kita- und Hortöffnungszeiten informieren; diese wollen wir insbesondere für Alleinerziehende und Eltern in Schichtarbeit ausweiten.« Beleg ↗
»Alle Familien in Berlin sollen zum ersten Geburtstag ihrer Kinder automatisch einen Kitagutschein mit einem erklärenden Begleitheft in mehreren Sprachen erhalten.« Beleg ↗
»In Zukunft sollen alle Familien zum ersten Geburtstag ihres Kindes automatisch einen Kitagutschein mit mehrsprachigem Begleitbrief erhalten.« Beleg ↗

Die Grünen nennen konkrete Instrumente für Zugang und Ausbau der Kinderbetreuung: einen automatischen Kitagutschein zum ersten Geburtstag mit mehrsprachigem Begleitheft, Unterstützung für Betriebskitas sowie den Ausbau ergänzender Betreuung außerhalb der regulären Kita- und Schulzeiten. Zur Frage der Trägerschaft bezieht das Programm keine Position.

Die Linke

substanziell

»Um den destruktiven Wettbewerb um Plätze zu beenden, führen wir ein berlinweites, transparentes Belegungsmanagement ein.« Beleg ↗
»Jeder Berliner Familie muss zum ersten Geburtstag ihres Kindes der gut verständliche, auch in Leichter Sprache und mehrsprachig verfasste Kita-Gutschein zugehen.« Beleg ↗
»Mit einer Stärkung aufsuchender Sozialarbeit im Kiez werden wir Hürden beim Kitazugang senken« Beleg ↗
»Der sozialen Abgrenzung privilegierter Gruppen durch Zusatzzahlungen ... treten wir entschieden entgegen.« Beleg ↗
»Die Linke spricht sich gegen Bußgelder für vermeintlich unkooperative Eltern aus und setzt sich für eine vertrauensbasierte Sozialarbeit in den Kiezen ein.« Beleg ↗
»die Eigenbetriebe des Landes Berlin stärken und ihren Anteil am gesamten Berliner Kitaplatzangebot auf ein Drittel erhöhen« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position gegen Wahlfreiheit/privatwirtschaftliche Steuerung des Kitazugangs und für öffentlich gesteuerten, diskriminierungsfreien Ausbau: konkrete Instrumente sind Belegungsmanagement, automatischer Kita-Gutschein, aufsuchende Sozialarbeit, Verbot von Zusatzzahlungen durch Fördervereine und Verzicht auf Bußgelder gegenüber Eltern im Zugangsverfahren. Damit werden sowohl Zugang als auch Organisationsform substanziell adressiert.

AfD

substanziell

»Wir werden das Angebot an Kita-Plätzen erhalten und bedarfsgerecht ausbauen. Dabei wollen wir den Betreuungsschlüssel erhöhen und für Eltern mit besonderen Arbeitszeiten längere Öffnungszeiten ermöglichen.« Beleg ↗
»Für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste werden wir eine „Blaulicht“-Kita schaffen. Wir werden kleine und mittelgroße Kita-Träger sowie Betriebskindergärten fördern.« Beleg ↗
»Zur Stärkung der Wahlfreiheit zwischen Selbst- und Fremdbetreuung für U3-Kinder wollen wir ein Landeserziehungsgeld in Höhe der vergleichbaren Kosten für einen Kita-Platz einführen.« Beleg ↗
»Wir halten an der Kostenfreiheit für die Kita fest. Beiträge für zusätzliche Angebote sollen möglich bleiben, dadurch darf in einer Kita aber keine Zweiklassengesellschaft entstehen.« Beleg ↗
»Idealerweise sollte der Vater oder die Mutter zumindest in der Kleinkindphase auf Wunsch die Möglichkeit haben, ohne finanzielle Einbußen zu Hause zu bleiben oder nur Teilzeit zu arbeiten.« Beleg ↗

Das Programm bezieht substanziell Position zu Plätzen (bedarfsgerechter Ausbau, Blaulicht-Kita, Förderung kleiner/mittlerer Träger und Betriebskindergärten), Öffnungszeiten und der Wahlfreiheits-/Gleichstellungsfrage Selbst- versus Fremdbetreuung (beziffertes Landeserziehungsgeld, Verzicht auf finanzielle Einbußen bei häuslicher Betreuung) sowie zur Kostenfreiheit als Zugangsfrage. Die im selben Zitat mitgeführte Betreuungsschlüssel-Erhöhung zählt zur Personalausstattung, nicht zu dieser Sachfrage.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Beim Kitaausbau trennt die Parteien vor allem die Steuerungsphilosophie: Die Linke setzt auf öffentlich gesteuerten Zugang und wachsende öffentliche Trägerschaft — Belegungsmanagement, automatischer Gutschein, Ausbau der Eigenbetriebe auf ein Drittel des Angebots, Verzicht auf Zusatzzahlungen und Bußgelder. SPD und Grüne kombinieren automatische Gutscheinvergabe mit Kapazitätsförderung (Investitionsmittel, Eigenbetriebe beziehungsweise Betriebskitas), ohne zur Trägerschaftsfrage selbst Position zu beziehen. Die AfD kündigt ebenfalls einen bedarfsgerechten Ausbau an, stellt ihn aber als einzige Partei in ein Paket, das den Zuschnitt des Systems verändert: Förderung kleiner und privater Träger, ein Landeserziehungsgeld als finanzierte Alternative zur Fremdbetreuung sowie — in der benachbarten Sachfrage zur Kita-Qualität — die Rückverlagerung der Vorschule an die Grundschulen und eine verpflichtende Kita-Sprache. Die CDU benennt mit dem Ausbau von 24-Stunden-Kitas nur ein auf Schichtberufe begrenztes Instrument und äußert sich weder zur allgemeinen Platzknappheit noch zur Trägerschaftsfrage.

Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen

öffentlich gesteuerte Kapazität und Zugang
private Träger und Alternative zur Fremdbetreuung

Die Linke geht beim Kitaausbau mit öffentlicher Trägerschaft und dem Verzicht auf Zusatzzahlungen am weitesten, SPD und Grüne setzen auf automatische Gutscheine und Kapazitätsförderung ohne eigene Position zur Trägerschaft, und die AfD will private und kleine Träger stärken. CDU: äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage — Die CDU benennt mit dem Ausbau von 24-Stunden-Kitas nur ein auf Schichtberufe begrenztes Instrument und äußert sich weder zur allgemeinen Platzknappheit noch zur Trägerschaftsfrage.Die Linke geht mit öffentlicher Trägerschaft und Verzicht auf Zusatzzahlungen am weitesten; SPD und Grüne kombinieren Gutschein und Kapazitätsförderung, ohne selbst zur Trägerschaftsfrage Position zu beziehen; die CDU benennt nur ein auf Schichtberufe begrenztes Instrument.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die AfD kündigt ebenfalls einen bedarfsgerechten Ausbau an, stellt ihn aber als einzige Partei in ein Paket, das den Zuschnitt des Systems verändert: Förderung kleiner und privater Träger, ein Landeserziehungsgeld als finanzierte Alternative zur Fremdbetreuung.«

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