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Was wollen die Parteien gegen die Abhängigkeit des Schulerfolgs von der Herkunft der Familie tun?

Sachfrage: Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg als zentraler Befund der Schulleistungsforschung

PISA-Studien und der nationale IQB-Bildungstrend zeigen seit über zwei Jahrzehnten durchgängig, dass der Bildungserfolg in Deutschland überdurchschnittlich stark von der sozialen Herkunft der Schüler abhängt – stärker als in vielen anderen OECD-Ländern. Diese Kopplung gilt als eines der zentralen, gut belegten Gerechtigkeitsprobleme des deutschen Schulsystems und wird in der bildungspolitischen Debatte regelmäßig als Ansatzpunkt für Reformen diskutiert.

Forschungsstand & Quellen

IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Humboldt-Universität zu Berlin), IQB-Bildungstrend 2024 (Befragung von rund 48.000 Neuntklässlern an 1.556 Schulen in allen 16 Bundesländern): der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzständen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften hat sich gegenüber früheren Erhebungen weiter verstärkt; ergänzend Wübben Stiftung Bildung, »Woher und Wohin 2024 – Soziale Herkunft und Bildungserfolg«.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Bildungserfolg darf nicht von der Herkunft abhängen, sondern muss durch klare Standards, gute Rahmenbedingungen und individuelle Förderung sowohl für leistungsschwache als auch für leistungsstarke Schüler gesichert werden.« Beleg ↗
»Kinder mit Lernrückständen brauchen gezielte Unterstützung, leistungsstarke und begabte Schülerinnen und Schüler ebenso passende Angebote...« Beleg ↗

Das Programm greift die Kopplung von Herkunft und Bildungserfolg explizit auf (fs-0082, unmittelbar gefolgt von fs-0018 auf derselben Seite) und benennt als Gegeninstrument das Prinzip Fördern und Fordern für Kinder mit Lernrückständen. Damit wird der zentrale Befund der Schulleistungsforschung als Ausgangspunkt einer eigenen politischen Antwort behandelt.

SPD

substanziell

»Wir bekennen uns zur Verteilung von Pädagog*innen anhand sozialer Indikatoren.« Beleg ↗
»transparent erhobenen Bildungs- und Entwicklungsdaten ... von sprachlichen und mathematischen Grundkompetenzen über soziale Entwicklung bis hin zu Abschlussquoten, Teilhabechancen« Beleg ↗

Das Programm der SPD nennt mit der Verteilung von Pädagog*innen nach sozialen Indikatoren ein direktes Instrument gegen die Kopplung von Schulerfolg und Herkunft und ergänzt dies um ein datenbasiertes Monitoring von sprachlichen, mathematischen und sozialen Entwicklungsdaten bis hin zu Abschlussquoten.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»die soziale Ungleichheit verschärft sich« Beleg ↗
»Privatschulen mit einer schlechten, sich nicht verbessernden sozialen Durchmischung, sollen künftig weniger öffentliche Mittel als bisher erhalten.« Beleg ↗
»Alle Familien zum ersten Geburtstag ihres Kindes automatisch einen Kitagutschein mit mehrsprachigem Begleitbrief.« Beleg ↗
»Wir unterstützen Gemeinschaftsschulen besser und verdoppeln ihre Zahl.« Beleg ↗

Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg wird als Problem anerkannt ('soziale Ungleichheit verschärft sich') und mit mehreren konkreten Instrumenten adressiert: Mittelkürzung für sozial schlecht durchmischte Privatschulen, ein automatischer, gezielt mehrsprachig beworbener Kitagutschein (adressiert Zugangsbarrieren nach Herkunft) sowie der Ausbau der Gemeinschaftsschulen als Instrument gegen schulformbedingte soziale Sortierung. PISA/IQB werden nicht namentlich zitiert, die politische Konsequenz der Befundlage ist aber substanziell ausformuliert.

Die Linke

substanziell

»dafür kämpfen, dass der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung nicht von der finanziellen Situation der Eltern oder dem Stadtteil ... abhängt« Beleg ↗
»Hausaufgaben übersetzen soziale Ungleichheit direkt in ungleichen Schulerfolg. ... Deshalb wollen wir Hausaufgaben abbauen« Beleg ↗
»Die Linke steht fest zum Prinzip der gebührenfreien Bildung von der Kita bis zur Hochschule« Beleg ↗

Das Programm macht die Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zum Ausgangspunkt (Hausaufgaben als Verstärker sozialer Ungleichheit) und benennt Gegeninstrumente: durchgängige Gebührenfreiheit und den offenen Zugangsanspruch unabhängig von Elterneinkommen oder Stadtteil. Damit wird die Sachfrage substanziell mit Position und Instrument beantwortet.

AfD

nur erwähnt

»Statt teurer Symbolpolitik wird die AfD an Brennpunktschulen nur solche Maßnahmen umsetzen, deren positive Effekte auf den Bildungserfolg wissenschaftlich nachgewiesen sind.« Beleg ↗

Das Programm der AfD berührt die Herkunftsabhängigkeit des Schulerfolgs nur am Rande: Es will an Brennpunktschulen ausschließlich Maßnahmen mit wissenschaftlich nachgewiesener Wirkung umsetzen, ohne die soziale Herkunft der Familien oder die Befundlage etwa aus PISA- und IQB-Studien näher zu benennen.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Abhängigkeit des Schulerfolgs von der Herkunft sind sich CDU, SPD, Grüne und Linke im Ziel einig, die Kopplung zu verringern, setzen dafür aber an unterschiedlichen Instrumenten an: Die SPD verteilt Pädagog*innen nach Sozialindikatoren und führt ein Teilhabe-Monitoring ein, die CDU setzt auf individuelle Förderung nach dem Prinzip Fördern und Fordern, die Linke auf durchgängige Gebührenfreiheit und den Abbau von Hausaufgaben als Ungleichheitsverstärker, die Grünen auf Mittelkürzung für sozial schlecht durchmischte Privatschulen, einen automatischen Kitagutschein und den Ausbau der Gemeinschaftsschulen. Die AfD berührt die Frage nur am Rand mit einer methodischen Randbemerkung zu wissenschaftlich nachgewiesenen Maßnahmen an Brennpunktschulen, ohne die Herkunftskopplung selbst zu benennen. Keine der fünf Parteien zitiert PISA oder den IQB-Bildungstrend namentlich; bei vier Parteien wird die politische Konsequenz dennoch mit konkreten Instrumenten ausformuliert.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Kopplung von Herkunft und Schulerfolg verringern — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Die Grünen nennen mit der Verdopplung der Gemeinschaftsschulen ein beziffertes Ziel, SPD und Linke benennen je konkrete Instrumente ohne Zahl oder Termin, die CDU bleibt bei einem allgemeinen Förderversprechen ohne benanntes Instrument.Ohne Aussage: AfDStufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Abhängigkeit des Schulerfolgs von der Herkunft sind sich CDU, SPD, Grüne und Linke im Ziel einig, die Kopplung zu verringern, setzen dafür aber an unterschiedlichen Instrumenten an:«

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