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Was sagen die Parteien zur Gliederung der Schulen nach der Grundschule? — Wie stützen sie sich auf die Schulforschung?

Sachfrage: Empirische Bildungsforschung zu Schulstruktur: Effekte von Gliederung auf Leistung und Bildungsgerechtigkeit

Empirische Schulforschung untersucht, ob die Aufteilung von Schülern auf verschiedene Schulformen nach der Grundschule (mehrgliedriges System) gegenüber längerem gemeinsamem Lernen (integrierte/Gemeinschaftsschulsysteme) messbare Leistungsvorteile bringt. Internationale Metaanalysen und Schulleistungsvergleiche prüfen dabei sowohl den durchschnittlichen Lernerfolg als auch die Verteilung der Bildungschancen nach sozialer Herkunft zwischen den Schulformen.

Forschungsstand & Quellen

John Hattie, Visible-Learning-Metaanalysen (Auswertung von über 1.700 Metaanalysen zu Einflussfaktoren auf Lernerfolg, laufend aktualisiert, deutschsprachige Rezeption u. a. durch Klaus Zierer/Konrad-Adenauer-Stiftung): dauerhafte leistungsbezogene Gruppierung von Schülern (Tracking/Streaming, wie im mehrgliedrigen System) zeigt im Mittel einen Effekt nahe null auf den Lernerfolg (d ≈ 0,12, weit unter Hatties Schwelle für einen bildungspolitisch bedeutsamen Effekt); zugleich wird die Verteilungsfrage – wer in welche Schulform gelangt – als eigenständiges Gerechtigkeitsproblem benannt, das von der reinen Leistungsfrage zu trennen ist.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Experimente mit einzelnen Schulformen oder Schulträgern gehen zulasten der Kinder - deshalb lehnen wir sie ab.« Beleg ↗
»Das Gymnasium werden wir erhalten und stärken. Es ist eine unverzichtbare Schulform für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler...« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position für das gegliederte System: Es lehnt Experimente mit anderen Schulformen/Schulträgern ausdrücklich ab und benennt als Instrument die Stärkung des Gymnasiums (Begabtenförderung, mehr grundständige Plätze). Eine explizite Auseinandersetzung mit der empirischen Forschungslage (Metaanalysen, Chancengleichheit) fehlt, die Sachfrage selbst wird aber mit Instrumenten beantwortet.

SPD

teilweise

Wortlaut: Festlegung

»Die Gemeinschaftsschule ist unser Schulmodell der Zukunft. Daher verdoppeln wir die Zahl der Gemeinschaftsschulen. Eine Ausweitung grundständiger Gymnasien lehnen wir ab.« Beleg ↗
»An jedem Standort sollen alle Abschlüsse ohne Schulwechsel möglich sein – bis hin zum Abitur.« Beleg ↗

Das Programm bezieht mit dem Ausbau der Gemeinschaftsschulen und der Ablehnung weiterer grundständiger Gymnasien eine klare strukturpolitische Position, stützt diese aber an keiner Stelle auf Schulleistungsvergleiche oder Metaanalysen zu Leistungs- oder Gerechtigkeitseffekten der Gliederung. Die Sachfrage wird damit nur über die politische Konsequenz berührt, der Evidenzbezug fehlt.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

Wortlaut: Ziel

»Gemeinschaftsschulen sind die Schulen der Zukunft.« Beleg ↗
»Wir unterstützen Gemeinschaftsschulen besser und verdoppeln ihre Zahl, um mehr Raum für gemeinsames, inklusives Lernen zu ermöglichen und Kindern und Familien den Stress rund um den Übergang von Grund- zu Oberschule zu ersparen.« Beleg ↗
»Alle Gemeinschaftsschulen erhalten dafür eine gymnasiale Oberstufe und zusätzliche Unterstützungsmittel.« Beleg ↗
»Gemeinschaftsschulen werden alleingelassen« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position für längeres gemeinsames Lernen: Gemeinschaftsschulen werden als 'Schulen der Zukunft' bezeichnet, ihre Zahl soll verdoppelt und um eine eigene gymnasiale Oberstufe ergänzt werden, der Ist-Zustand ('alleingelassen') wird kritisiert. Die Forschungsargumentation (Metaanalysen zu Leistungseffekten) selbst wird nirgends zitiert, aber die politische Konsequenz ist mit Instrumenten (Verdopplung, Oberstufenausbau) substanziell adressiert.

Die Linke

substanziell

Wortlaut: Ziel

»die Bezirke verpflichten, bis 2031 jeweils mindestens zwei neue Gemeinschaftsschulen auf den Weg zu bringen« Beleg ↗
»qualitative Mindeststandards etablieren, u. a. das Recht auf eine eigene Oberstufe und zur Zügigkeit« Beleg ↗
»Der Ausbau der Gemeinschaftsschulen soll durch eine Längsschnittstudie von Jahrgangsstufe 1 bis 13 wissenschaftlich begleitet werden« Beleg ↗

Das Programm verpflichtet die Bezirke auf einen bezifferten, terminierten Ausbau der Gemeinschaftsschulen und ergänzt qualitative Mindeststandards wie eigene Oberstufe und Zügigkeit. Der Ausbau soll zusätzlich durch eine Längsschnittstudie wissenschaftlich begleitet werden – eine erkennbare Anbindung an die Evidenzfrage, auch ohne Zitat bestehender Forschungsbefunde.

AfD

teilweise

Wortlaut: Festlegung

»Die AfD will hochbegabte Kinder bereits ab der Kindertagesstätte ihrem Potenzial entsprechend fördern. Für die gezielte Förderung von Hochbegabten (2 % der Bevölkerung) wollen wir sieben bestehende Gymnasien zu Eliteschulen für hochbegabte Kinder weiterentwickeln.« Beleg ↗
»Wir halten an den freiwilligen Aufnahmetests zum Gymnasium fest.« Beleg ↗

Das Programm bekennt sich implizit zum Erhalt bzw. Ausbau des mehrgliedrigen, leistungsselektiven Schulsystems (Gymnasial-Aufnahmetests, Elite-Gymnasien für Hochbegabte), ohne die Schulleistungsforschung zur Wirksamkeit von Gliederung (Leistungs- und Verteilungseffekte) an irgendeiner Stelle aufzugreifen.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode

Bei der Schulgliederung trennt die Parteien der Systemzuschnitt: CDU und AfD erhalten das gegliederte System und bauen selektive Angebote aus (CDU: Stärkung des Gymnasiums, Ablehnung von Schulform-Experimenten; AfD: Elite-Gymnasien für Hochbegabte, Aufnahmetests), während SPD, Grüne und Linke die Gemeinschaftsschule ausbauen — SPD und Grüne verdoppeln ihre Zahl ohne Zeitpunkt, die Linke bindet den Ausbau an eine bezifferte Frist (bis 2031) und an qualitative Mindeststandards. Keine der fünf Parteien führt die Schulleistungsforschung zu Leistungs- oder Verteilungseffekten der Gliederung selbst als Beleg an; die Linke koppelt ihren Ausbau jedoch als einzige Partei an eine wissenschaftliche Begleitstudie über den gesamten Bildungsweg. Der Unterschied liegt damit primär in der Systemrichtung, nicht im Evidenzbezug.

Muster der Positionen: Zwei Richtungen

gegliedertes Schulsystem mit selektiven Angeboten erhalten
Gemeinschaftsschulen ausbauen

SPD und Grüne verdoppeln die Zahl der Gemeinschaftsschulen ohne Zeitpunkt, die Linke bindet den Ausbau an eine bezifferte Frist bis 2031 und an qualitative Mindeststandards.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Schulgliederung trennt die Parteien der Systemzuschnitt: CDU und AfD erhalten das gegliederte System und bauen selektive Angebote aus (CDU: Stärkung des Gymnasiums, Ablehnung von Schulform-Experimenten; AfD: Elite-Gymnasien für Hochbegabte, Aufnahmetests), während SPD, Grüne und Linke die Gemeinschaftsschule ausbauen — SPD und Grüne verdoppeln ihre Zahl ohne Zeitpunkt, die Linke bindet den Ausbau an eine bezifferte Frist (bis 2031) und an qualitative Mindeststandards.«

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Wie sich die Positionen entwickelt haben

Frühere Wahlprogramme (2016, 2021, 2023), Parteitagsbeschlüsse seit 2021 und Koalitionsverträge im Vergleich mit dem Programm 2026 — jede frühere Stelle wörtlich und mit Fundort. Koalitionsverträge sind gemeinsame Festlegungen mehrerer Parteien. Alle Befunde im Überblick

CDU Linie gehalten

Seit 2016 bekennt sich die CDU zum Erhalt und zur Stärkung des Gymnasiums als eigenständige Schulform im gegliederten Schulsystem, was sie 2023 im Koalitionsvertrag mit der SPD bekräftigte; 2026 hält sie unverändert daran fest und lehnt Experimente mit anderen Schulformen ab.

  • 2016 »Die CDU bleibt die einzige politische Kraft, die den Bestand der Gymnasien garantiert. Das Gymnasium ist eine erfolgreiche und unverzichtbare Schulform insbesondere für Schüler mit hoher Sprachkompetenz und abstraktem Denkvermögen, die Leistungsbewertungen befürworten und leicht und schnell und zumeist im Klassenverband lernen.« — Wahlprogramm: Starkes Berlin – Das Regierungsprogramm der CDU Berlin 2016-2021, S. 7
  • 2023 »Wir stehen zum mehrgliedrigen Schulsystem mit seinen unterschiedlichen Schulformen. Die Vielfalt der Schulformen wollen wir erhalten, damit alle Kinder gemäß ihren Bedürfnissen und Begabungen individuell bestmöglich gefördert werden können. Wir bekennen uns zu starken Gymnasien und entwickeln grundständige Gymnasien qualitativ weiter.« — Koalitionsvertrag (gemeinsame Festlegung): Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU Berlin und SPD Berlin, S. 39

SPD Linie gehalten

Seit 2016 baut die SPD die Gemeinschaftsschulen als eigene, gesetzlich verankerte Schulart aus; 2021 kam das Ziel hinzu, an jedem Standort auch das Abitur zu ermöglichen, und 2026 will die SPD ihre Zahl verdoppeln und lehnt eine Ausweitung grundständiger Gymnasien ab.

  • 2016 »Wir wollen die Erfolgsgeschichte der Berliner Gemeinschaftsschulen fortschreiben und es mehr Kindern ermöglichen, eine bruchlose, inklusive und gerechte Bildung zu erhalten. … wir werden die Gemeinschaftsschulen als Schulart im Schulgesetz verankern.« — Wahlprogramm: Unser Programm: Berlin. Sozial. Frei. Erfolgreich., S. 43
  • 2021 »Wir sorgen dafür, dass jede Integrierte Sekundarschule und Gemeinschaftsschule einen Weg zum Abitur bietet. … Ferner unterstützen wir den Weg von Gemeinschaftsschulen mit eigener gymnasialer Oberstufe. Das Mindestziel ist eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe pro Bezirk.« — Wahlprogramm: Ganz sicher Berlin, S. 58

Grüne Linie gehalten

Seit 2016 wirbt die Partei für den Ausbau von Gemeinschaftsschulen als „Schule für alle“; 2026 hält sie mit der angekündigten Verdopplung ihrer Zahl an dieser Linie fest.

Linke Linie gehalten

Seit 2016 setzt die Linke auf den Ausbau der Gemeinschaftsschulen als Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit, seit 2021 unter Berufung auf Studien zu deren besseren Lernerfolgen; 2026 verbindet sie den weiteren Ausbau mit einer eigenen wissenschaftlichen Begleitstudie.

AfD Linie gehalten

Seit 2016 tritt die AfD durchgängig für den Erhalt des gegliederten Schulsystems mit Gymnasien anstelle von Gemeinschaftsschulen ein; 2026 ergänzt sie das um Elite-Gymnasien für Hochbegabte.