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Was wollen die Parteien beim gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf? — Wie beziehen sie sich auf die Forschung zur Inklusion?

Sachfrage: Wirksamkeitsforschung zu inklusiver Beschulung im Vergleich zu Förderschulen

Empirische Bildungsforschung vergleicht Lernentwicklung, Schulabschlüsse und soziale Teilhabe von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht (Inklusion) gegenüber separater Beschulung an Förderschulen. Untersucht werden sowohl fachliche Lernzuwächse als auch Effekte auf Mitschüler ohne Förderbedarf sowie strukturelle Gelingensbedingungen (Ausstattung, Doppelbesetzung, Fortbildung).

Forschungsstand & Quellen

INSIDE-Studie (»Inklusion in und nach der Sekundarstufe I in Deutschland«, 2019–2024), gemeinsames Forschungsprojekt von Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) Bamberg, IQB Berlin, Universität Potsdam und Bergische Universität Wuppertal, bundesweite Längsschnittstudie mit über 4.000 Jugendlichen an 246 Schulen; ergänzend die BiLieF-Studie zu Lernentwicklung im gemeinsamen Unterricht: Schüler mit Förderbedarf lernen im inklusiven Unterricht im Durchschnitt mehr und erreichen häufiger einen Hauptschulabschluss als vergleichbare Schüler an Förderschulen, ohne dass für Mitschüler ohne Förderbedarf ein fachlicher Nachteil nachweisbar ist.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Der Ausbau inklusiver Beschulung an den Regelschulen muss daher ebenso wie an den Förderschulen erfolgen. Förderzentren bleiben für uns unverzichtbar.« Beleg ↗
»Eltern müssen selbst entscheiden können, ob für ihr Kind ein Förderzentrum oder eine inklusive Schule der richtige Weg ist.« Beleg ↗
»die sonderpädagogische Förderung an Grundschulen gezielt auszubauen« Beleg ↗

Das Programm bezieht eine klare Position im Parallelmodell: Ausbau der Inklusion an Regelschulen UND Erhalt der Förderzentren, mit Elternwahlrecht als Instrument sowie konkretem Ausbau sonderpädagogischer Förderung an Grundschulen. Eine Bezugnahme auf Wirksamkeitsforschung/Lernentwicklungsvergleiche fehlt, die politische Sachfrage des gemeinsamen Lernens wird aber mit Instrumenten beantwortet.

SPD

substanziell

»So verhindern wir den Beginn lebenslanger Exklusionsketten in Sondersystemen.« Beleg ↗
»Die Zahl der sonderpädagogischen Förderzentren wird nicht erweitert, vielmehr erfahren sie eine systematische Transformation zugunsten inklusiver Lösungen. Dafür erarbeiten wir einen verbindlichen 10-Jahres-Plan.« Beleg ↗
»An anderen Standorten bringen wir Inklusion voran, indem wir multiprofessionelle Teams, insbesondere pädagogische Unterrichtshilfen stärken und temporäre Kleinklassen ermöglichen.« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich klar zugunsten von Inklusion gegenüber separater Förderschulbeschulung und benennt konkrete Gelingensbedingungen: einen verbindlichen 10-Jahres-Transformationsplan für Förderzentren sowie multiprofessionelle Teams und temporäre Kleinklassen. Eine Auseinandersetzung mit vergleichender Wirksamkeitsforschung fehlt zwar, die politische Sachfrage selbst wird aber substanziell mit Instrument beantwortet.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Um das Recht auf inklusive Bildung nach Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention zu garantieren, erstellen wir einen verbindlichen Umsetzungsplan, der gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen entwickelt wird.« Beleg ↗
»Statt neuer Förderschulen schaffen wir inklusive Schwerpunktschulen, um die steigenden Bedarfe, insbesondere von neurodivergenten Schüler*innen, zu decken.« Beleg ↗
»Es ist nicht hinnehmbar, dass derzeit circa 2.800 Kinder aufgrund von Behinderungen nicht ordentlich oder gar nicht beschult werden.« Beleg ↗
»Landesprogramm „Ausbildung inklusiv“ ... Stärkung der Jugendberufsagentur und der inklusive Umbau der Oberstufenzentren.« Beleg ↗
»Inklusion wird zurückgedreht.« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich eindeutig für den Ausbau der Inklusion statt separater Förderschulen ('statt neuer Förderschulen ... inklusive Schwerpunktschulen') und benennt konkrete Instrumente: einen verbindlichen UN-BRK-Umsetzungsplan, inklusive Schwerpunktschulen sowie ein Landesprogramm 'Ausbildung inklusiv'. Die empirische Wirksamkeitsforschung selbst wird nicht referenziert, die politische Sachfrage (Inklusion vs. Förderschule) ist aber mit klarer Instrumentierung beantwortet.

Die Linke

substanziell

»ein Landeskonzept schulische Inklusion auf den Weg bringen, das ... darlegt, wie mittelfristig verlässlich der wohnortnahe inklusive Schulbesuch aller Kinder gewährleistet werden kann« Beleg ↗
»Die Zuweisung der Lehrkräftestunden für (Sprach-)Förderung und Inklusion muss entsprechend dem tatsächlichen Bedarf ohne Deckelung erfolgen« Beleg ↗
»ein flexibles Personalkostenbudget für multiprofessionelle Kollegien ... zusätzliches Personal ... fest einzustellen« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich für den wohnortnahen inklusiven Schulbesuch aller Kinder statt Deckelung der Förderstunden und benennt strukturelle Gelingensbedingungen: bedarfsgerechte Lehrkräftestunden-Zuweisung, ein flexibles Personalbudget für multiprofessionelle Teams sowie ein mittelfristiges Landeskonzept. Eine explizite Bezugnahme auf vergleichende Wirksamkeitsforschung fehlt, die Instrumentierung deckt aber den praktischen Kern der Sachfrage ab.

AfD

nur ablehnend

»Dem Elternwillen entsprechend wird die AfD den Fortbestand der Förderschulen sichern.« Beleg ↗
»Allgemeine Schulen sind nur dann zur Inklusion zu verpflichten, wenn begründete Aussicht besteht, dass der Schüler das Bildungsziel der betreffenden Schulform erreichen kann und die Klasse durch den Schüler nicht über Gebühr beeinträchtigt wird.« Beleg ↗

Das Programm der AfD behandelt Inklusion nur einschränkend: Es will Förderschulen erhalten und Regelschulen nur dann zur Inklusion verpflichten, wenn begründete Aussicht auf das Erreichen des Bildungsziels besteht. Zur Forschung über Lernentwicklung und Teilhabe im gemeinsamen Unterricht äußert es sich nicht.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Beim gemeinsamen Lernen mit und ohne Förderbedarf sind sich CDU, SPD, Grüne und Linke im Ziel einig, den Anteil inklusiver Beschulung auszubauen; sie unterscheiden sich aber im Instrumententyp. SPD und Grüne koppeln den Ausbau an einen Rückbau oder Verzicht auf neue Förderschulen (SPD: Transformationsplan für Förderzentren, Grüne: „statt neuer Förderschulen“ Schwerpunktschulen), die Linke setzt stattdessen auf eine bedarfsgerechte statt gedeckelte Ressourcenzuweisung (Lehrkräftestunden, Personalbudget) für den wohnortnahen inklusiven Schulbesuch, während die CDU ein Parallelmodell verfolgt — Ausbau der Inklusion an Regelschulen bei gleichzeitigem Erhalt der Förderzentren und Elternwahlrecht. Die AfD sichert den Fortbestand der Förderschulen und verpflichtet Regelschulen nur bedingt zur Inklusion. Keine der fünf Parteien bezieht sich auf die INSIDE- oder BiLieF-Studien zur vergleichenden Wirksamkeit.

Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen

Anteil inklusiver Beschulung ausbauen
Förderschulen erhalten, Inklusionspflicht begrenzen

SPD und Grüne treiben den Ausbau der inklusiven Beschulung am stärksten voran, indem sie auf neue Förderschulen verzichten, die Linke setzt auf eine bedarfsgerechtere Ressourcenverteilung ohne diesen Verzicht, die CDU hält an einem Nebeneinander von Förderzentren und Inklusion mit Elternwahlrecht fest, und die AfD sichert die Förderschulen ausdrücklich ab.SPD und Grüne koppeln den Ausbau an einen Rückbau oder Verzicht auf neue Förderschulen, die Linke setzt auf bedarfsgerechte statt gedeckelte Ressourcenzuweisung, die CDU verfolgt ein Parallelmodell mit Erhalt der Förderzentren und Elternwahlrecht.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die AfD sichert den Fortbestand der Förderschulen und verpflichtet Regelschulen nur bedingt zur Inklusion.«

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