Wahlkompass Berlin

Themenfelder › Verkehr ›

Was planen die Parteien bei den Preisen für Bus und Bahn? — Wie sollen Menschen mit wenig Geld günstiger fahren können?

Sachfrage: ÖPNV-Tarifgestaltung und soziale Staffelung

Frage, wie hoch die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr sind und ob bzw. wie sie für Menschen mit geringem Einkommen vergünstigt werden (Sozialtarif zum Deutschlandticket, Ausgestaltung des Berliner »Berlin-Ticket S«). Eine bundesweite Untersuchung zeigt, dass der Zugang zu einem vergünstigten Deutschlandticket stark vom Wohnort abhängt: nur ein Teil der Länder und Kommunen bietet überhaupt einen Sozialtarif an, Preise und Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich erheblich. In Berlin richtet sich das Berlin-Ticket S an einkommensschwache Haushalte und erreichte 2024 rechnerisch rund 539.000 potenziell Anspruchsberechtigte. Politisch strittig sind Zielpreis und Finanzierung eines bundesweit einheitlichen Sozialtarifs sowie die Frage, ob Berlin über die eigene Regelung hinausgehen sollte. Woran sich Programme messen lassen: konkrete Zielpreise, Ausgestaltung des Sozialtarifs, Positionierung zu bundesweiten Ticketmodellen.

Forschungsstand & Quellen

Christoph Aberle (Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik) im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands, »Sozialticket-Atlas: Mobilität als Wohnort-Lotterie« (2025).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Zu ÖPNV-Fahrpreisen, Sozialtarifen, dem Deutschlandticket oder dem Berlin-Ticket S äußert sich das Programm der CDU nicht. Beim ÖPNV behandelt es Ausbau, Sicherheit und Barrierefreiheit, aber keine Preisgestaltung.

SPD

teilweise

Wortlaut: Ziel

»Deshalb fordern wir von Bund und Ländern, den Preis wieder auf 49 Euro zu senken« Beleg ↗

Das Programm fordert eine allgemeine Preissenkung des Deutschlandtickets auf 49 Euro und adressiert damit die Fahrpreishöhe generell, benennt aber weder einen Sozialtarif noch das Berlin-Ticket S oder eine gezielte soziale Staffelung für einkommensschwache Haushalte.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»eine dauerhafte Rückkehr zum Ursprungspreis von neun Euro im Monat einsetzen« Beleg ↗
»Menschen mit wenig Geld, die heute noch über 27 Euro für das Sozialticket zahlen müssen, bieten wir bezahlbare und klimafreundliche Mobilität für neun Euro im Monat an« Beleg ↗
»ein einkommensabhängiges, ermäßigtes Deutschlandticket« Beleg ↗

Das Programm nennt einen konkreten bundesweiten Zielpreis (neun Euro), ein eigenes Berliner Sozialtarif-Instrument (Klimaticket, 27 auf 9 Euro) sowie ein einkommensabhängiges Modell. Zielpreis, Sozialtarif-Ausgestaltung und Positionierung zu bundesweiten Ticketmodellen sind damit konkret beantwortet.

Die Linke

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Den Preis des Sozialtickets (Berlin S) werden wir wieder auf 9 Euro senken« Beleg ↗
»Sozialrabatt nach Hamburger Vorbild für das Deutschlandticket … Preis für Berechtigte auf 19 Euro abzusenken« Beleg ↗
»Wir stoppen den Preisanstieg bei BVG und S-Bahn, erhalten das kostenlose Schüler*innenticket und holen das 9-Euro-Sozialticket zurück« Beleg ↗

Das Programm nennt bezifferte Zielpreise (9 Euro Sozialticket, 19 Euro Sozialrabatt nach Hamburger Vorbild) sowie flankierend einen Preisstopp und ein kostenloses Schüler*innenticket. Höhe und soziale Staffelung der Fahrpreise sind damit mit konkreten Instrumenten beantwortet.

AfD

teilweise

Wortlaut: Ziel

»Tarifliche Angebote, die Pendler schon in Brandenburg auf den ÖPNV umsteigen lassen. […] Zugangsbeschränkungen für Personen ohne Fahrschein.« Beleg ↗

Das Programm berührt Tarifgestaltung nur als Pendler-Anreiz aus Brandenburg und über Zugangsbeschränkungen für Schwarzfahrer, ohne Bezug auf soziale Staffelung nach Einkommen. Ein Sozialtarif, ein Zielpreis oder eine Positionierung zum Berlin-Ticket S bzw. zu bundesweiten Sozialtarif-Modellen fehlt.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode

Die Parteien trennt der Grad der Festlegung auf einen Zielpreis für den Sozialtarif. Grüne und Linke nennen bezifferte Preise — beide senken das Berliner Sozialticket auf 9 Euro, die Linke zusätzlich einen Sozialrabatt von 19 Euro nach Hamburger Vorbild, die Grünen ein einkommensabhängiges Deutschlandticket. Die SPD fordert eine allgemeine Preissenkung des Deutschlandtickets auf 49 Euro, ohne einen gesonderten Sozialtarif zu beziffern. Die AfD adressiert Tarife nur als Pendler-Anreiz aus Brandenburg und über Zugangsbeschränkungen für Fahrscheinlose, ohne Bezug auf soziale Staffelung. Das Programm der CDU enthält zur Fahrpreisgestaltung keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Sozialtarif für Bus und Bahn senken — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle drei Parteien beziffern ihren Zielpreis für den Sozialtarif – SPD 49 Euro, Grüne 9 Euro, Linke 9 bzw. 19 Euro –, nennen dafür aber keinen Termin. AfD: äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage — Die AfD adressiert Tarife nur als Pendler-Anreiz aus Brandenburg und über Zugangsbeschränkungen für Fahrscheinlose, ohne Bezug auf soziale Staffelung.Ohne Aussage: CDUGrüne und Linke beziffern Zielpreise (9 Euro bzw. zusätzlicher 19-Euro-Sozialrabatt), die SPD senkt nur den allgemeinen Ticketpreis auf 49 Euro ohne gesonderten Sozialtarif. Die AfD ist positioniert, adressiert Tarife aber nicht als soziale Staffelung, sondern nur als Pendler-Anreiz und über Zugangsbeschränkungen für Fahrscheinlose — sie teilt die Richtung der drei Parteien nicht, schweigt aber auch nicht wie die CDU.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: im Programm festgelegt.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die Parteien trennt der Grad der Festlegung auf einen Zielpreis für den Sozialtarif.«

Verwandte Fragen, deren Antworten hier hineinspielen:

Wie sich die Positionen entwickelt haben

Frühere Wahlprogramme (2016, 2021, 2023), Parteitagsbeschlüsse seit 2021 und Koalitionsverträge im Vergleich mit dem Programm 2026 — jede frühere Stelle wörtlich und mit Fundort. Koalitionsverträge sind gemeinsame Festlegungen mehrerer Parteien. Alle Befunde im Überblick

CDU 2026 nicht mehr im Programm

2016 wollte die CDU Fahrpreiserhöhungen stärker bei Einzel- und Tagestickets ansetzen, 2023 verständigte sie sich im Koalitionsvertrag mit der SPD auf ein unbefristetes 29-Euro-Ticket und ein 9-Euro-Sozialticket; im Programm 2026 fehlt eine eigene Aussage zu ÖPNV-Preisen.

SPD Position verändert

2016 sagte die rot-rot-grüne Koalition eine Absenkung des Sozialtickets zu, 2023 versprach die Koalition mit der CDU ein 9-Euro-Sozialticket und ein 29-Euro-Ticket für alle – das Programm 2026 fordert dagegen nur noch eine allgemeine Preissenkung des Deutschlandtickets auf 49 Euro ohne eigenen Sozialtarif.

Grüne Linie gehalten

Seit 2016 will die Grünen den Sozialtarif für Bus und Bahn senken; mit dem 9-Euro-Sozialticket gelang das laut ihrem Programm 2023, seither ist der Preis unter der schwarz-roten Regierung wieder gestiegen, und die Partei fordert 2026 erneut eine Absenkung auf 9 Euro.

Linke Position verändert

Die Linke wollte 2016 den Kreis der Sozialticket-Berechtigten erweitern und 2021 den Preis des Berlin-Tickets S weiter prüfen und senken; 2026 legt sie sich auf einen festen Zielpreis von 9 Euro sowie einen Sozialrabatt von 19 Euro beim Deutschlandticket fest.

AfD erstmals 2026

Zu einem Sozialtarif oder einem Zielpreis für Bus und Bahn äußerten sich frühere Programme nicht; 2021 ging es nur um bessere Park-and-Ride-Angebote für Pendler aus dem Umland. 2026 positioniert sich die AfD erstmals zu Fahrpreisen, allerdings nur als Pendler-Anreiz und über Zugangsbeschränkungen für Fahrscheinlose.