Wahlkompass Berlin

Themenfelder › Wohnen & Mieten ›

Was wollen die Parteien tun, damit Neubau schneller und günstiger wird? — Wie stehen sie zu seriellem/modularem Bauen?

Sachfrage: Serielles/modulares Bauen und Neubaukosten

Standardisierte, serielle und modulare Bauweisen gelten in der Bauforschung als zentraler Hebel zur Senkung von Baukosten und Bauzeiten im Wohnungsneubau. Ihr Potenzial wird nach Forschungsbefunden jedoch durch komplexe Bauordnungen, lange Genehmigungsverfahren und kleinteilige kommunale Vorgaben gebremst, weshalb die Rahmenvereinbarung »Serielles und modulares Bauen« wissenschaftlich begleitet evaluiert wird.

Forschungsstand & Quellen

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), »Serielles und modulares Bauen in der Praxis« (Sonderveröffentlichung, 2022); BBSR, Evaluierung der Umsetzung der Rahmenvereinbarung Serielles und Modulares Bauen (Ressortforschung).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Ein zentraler Baustein ist dabei die Einführung eines standardisierten Berliner Mehrfamilienhauses („Berlin-MFH“). Durch klare Typenbauweisen und serielle Fertigung werden wir Baukosten senken und Planungs- und Genehmigungsprozesse erheblich beschleunigen.« Beleg ↗
»Auch angrenzende Rechtsbereiche wie Umwelt-, Arten- und Denkmalschutz werden wir konsequent auf das zwingend erforderliche Maß nach Bundes- und Europarecht zurückführen.« Beleg ↗

Mit dem standardisierten »Berlin-MFH« (Typenbauweise, serielle Fertigung, Anerkennung von Typengenehmigungen anderer Länder) benennt die CDU ein konkretes Instrument zur Senkung von Baukosten und Genehmigungsdauer. Ergänzend will sie angrenzende Rechtsbereiche wie Umwelt-, Arten- und Denkmalschutz auf das bundes-/europarechtlich zwingend erforderliche Maß zurückführen, um Verfahren weiter zu beschleunigen. Die Sachfrage ist damit substanziell mit einem eigenen Bauinstrument und einem Verfahrensbeschleunigungsansatz beantwortet.

SPD

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Dazu setzen wir das Einfach-Bauen-Gesetz konsequent um... werden wir verstärkt Projekte in Modulbauweise und nach dem neuen Standard „Gebäudetyp E” anschieben« Beleg ↗

Konkrete Instrumente werden benannt: konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung des Einfach-Bauen-Gesetzes sowie verstärkter Einsatz von Modulbauweise und dem Standard Gebäudetyp E zur Senkung von Neubaukosten.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Mit einer modernen und zeitgemäßen Bauordnung fördern wir das serielle und klimagerechte Bauen … und senken damit zugleich die Baukosten« Beleg ↗
»Durch Typengenehmigungen und eine digitalisierte Genehmigungsplattform für Bauanträge beschleunigen wir zugleich die Genehmigungsverfahren« Beleg ↗

Das Programm benennt serielles/modulares Bauen explizit als kostensenkendes Instrument und verknüpft es mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen (Bauordnungsreform, Typengenehmigungen, digitalisierte Genehmigungsplattform) zur Verfahrensbeschleunigung.

Die Linke

teilweise

Wortlaut: Ziel

»Durch gemeinsame Ausschreibungen und langfristige Kooperationen mit Anbietern von seriell gefertigten Bauteilen wollen wir die Baukosten senken und das Bauen effizienter machen« Beleg ↗

Das Programm der Linken nennt als Instrument die Kooperation mit Anbietern seriell gefertigter Bauteile durch gemeinsame Ausschreibungen und langfristige Zusammenarbeit, um Baukosten zu senken und das Bauen effizienter zu machen. Mit nur diesem einen, nicht näher ausgeführten Instrument bleiben die im Fachdiskurs zentralen Bremsfaktoren – Bauordnung, Genehmigungsverfahren – unbehandelt.

AfD

fehlt

Serielles oder modulares Bauen als Instrument zur Kostensenkung im Neubau kommt im Programm der AfD nicht vor. Bürokratieabbau wird nur allgemein über Bauordnung und Genehmigungsvorbehalt adressiert, ohne standardisierte Bauverfahren zu benennen.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode

Beim seriellen/modularen Bauen positionieren sich CDU, SPD und Grüne substanziell mit jeweils eigenem Typenbau-Instrument: die CDU mit dem standardisierten „Berlin-MFH" und einer Rückführung angrenzender Rechtsbereiche auf das bundesrechtlich zwingende Maß, die SPD mit dem Einfach-Bauen-Gesetz sowie Modulbauweise und Gebäudetyp E, die Grünen mit einer reformierten Bauordnung, Typengenehmigungen und einer digitalen Genehmigungsplattform. Die Linke benennt lediglich eine Kooperation mit Anbietern seriell gefertigter Bauteile, ohne die im Forschungsstand zentralen Bremsfaktoren – komplexe Bauordnung, lange Genehmigungsverfahren – aufzugreifen. Das Programm der AfD enthält zu seriellem oder modularem Bauen keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Neubau durch serielles/modulares Bauen beschleunigen — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle vier Parteien benennen eigene Instrumente für serielles Bauen, aber keine nennt eine Zahl oder einen Termin.Ohne Aussage: AfDCDU, SPD und Grüne legen jeweils eigene Typenbau-Instrumente vor (Berlin-MFH, Einfach-Bauen-Gesetz, Bauordnungs-Reform); die Linke benennt nur eine Kooperation mit Anbietern serieller Bauteile, ohne zentrale Bremsfaktoren wie Bauordnung und Genehmigungsverfahren aufzugreifen.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: im Programm festgelegt.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Beim seriellen/modularen Bauen positionieren sich CDU, SPD und Grüne substanziell mit jeweils eigenem Typenbau-Instrument.«

Verwandte Fragen, deren Antworten hier hineinspielen: