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Was wollen die Parteien für Kriminalprävention tun? — Setzen sie eher auf Vorbeugung als auf härteres Durchgreifen?

Sachfrage: Prävention als wirksamerer/kostengünstigerer Hebel als Repression

Kriminalpräventionsforschung sieht in gut ausgestatteten, evidenzbasierten Präventionsprogrammen (Jugendsozialarbeit, Frühintervention, Schulsozialarbeit) einen nachweislich wirksameren und kosteneffizienteren Hebel gegen Kriminalität als nachträgliche Repression bzw. härtere Strafen — ein eigenständiger fiskalischer und kriminalpolitischer Kosten-Nutzen-Abgleich zwischen präventiven und repressiven Investitionen.

Forschungsstand & Quellen

Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK) — Kernauftrag ist laut Satzung die strukturelle Stärkung und evidenzbasierte Umsetzung von Präventionsmaßnahmen (Entwicklungsförderung, Gewaltprävention bei Jugendlichen) als Alternative zu rein repressiven Ansätzen; Landespräventionsräte der Länder mit gleicher Ausrichtung. Eine Studie der Universität Passau (2026) weist quantitativ nach, dass zusätzliche sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen Jugendkriminalität senken und sich Schulsozialarbeit auch fiskalisch rechnet (geringere Folgekosten von Straf- und Justizverfahren).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

teilweise

»Darauf aufbauend werden wir eine klare Strategie entwickeln, die Prävention, Intervention und Repression konsequent miteinander verbindet.« Beleg ↗
»Um die Präventionsarbeit zu stärken, wollen wir die kostenlosen Beratungsangebote für die Berlinerinnen und Berliner weiter ausbauen« Beleg ↗
»den flächendeckenden Ausbau der Schuldistanz- und Jugenddelinquenz-Teams in allen Berliner Jugendämtern« Beleg ↗
»Beratungsangebote und Frühe Hilfen für Familien werden wir so aufstellen, dass Familien schnell die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.« Beleg ↗

Das Programm der CDU nennt Prävention mehrfach als Baustein neben Repression — etwa eine Strategie, die Prävention, Intervention und Repression verbindet, den Ausbau kostenloser Beratungsangebote, Schuldistanz- und Jugenddelinquenz-Teams in den Jugendämtern sowie Frühe Hilfen für Familien. Diese Instrumente stehen aber additiv neben repressiven Maßnahmen, ohne dass das Programm einen eigenständigen Kosten-Nutzen-Vergleich zwischen Prävention und härterem Durchgreifen zieht.

SPD

substanziell

»Ein Gewaltpräventionsgesetz soll Prävention, bezirkliche Strukturen und ressortübergreifende Zusammenarbeit verbindlich regeln und dauerhaft finanzieren.« Beleg ↗
»Die bezirklichen Präventionsräte stärken wir personell.« Beleg ↗
»Neben Prävention stärken wir deshalb die Strafverfolgung.« Beleg ↗

Mit dem geplanten, dauerhaft finanzierten Gewaltpräventionsgesetz und der personellen Stärkung der Präventionsräte nennt das Programm der SPD konkrete Präventionsinstrumente. Ein ausdrücklicher Vergleich von Nutzen und Kosten gegenüber härterem Durchgreifen fehlt jedoch; Prävention wird eher ergänzend neben, nicht klar vorrangig vor die Strafverfolgung gestellt.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Dreiklang aus sozialen Maßnahmen, Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums und polizeilichen Präsenzmaßnahmen (›SicherheitPlus‹)« Beleg ↗
»›Community Policing‹ mit Kontaktbereichsbeamt*innen, Fahrradstreifen, mobilen Wachen und Kiezläufer*innen« Beleg ↗
»Kurswechsel weg von Repression hin zu Deeskalation« Beleg ↗

Das Programm baut seine Sicherheitsstrategie explizit auf soziale Prävention und niedrigschwellige Präsenz statt auf Repression und benennt dafür mehrere konkrete Instrumente (SicherheitPlus, Community Policing, Kiezläufer*innen). Ein expliziter fiskalischer Kosten-Nutzen-Vergleich Prävention vs. Repression fehlt, die inhaltliche Positionierung ist aber eindeutig und instrumentell unterlegt.

Die Linke

substanziell

»Wir reduzieren die Ausgaben für Überwachungskameras und investieren stattdessen in soziale Angebote.« Beleg ↗
»der Ausweitung der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention auf Bezirksebene« Beleg ↗
»teure Symbolpolitik in Form von Zäunen und Kameras Bürgerrechte einschränkt, aber keinen Mehrwert bringt« Beleg ↗

Die Linke stellt den Kosten-Nutzen-Vergleich zwischen Überwachung und Prävention explizit her: Mittel für Kameras und Symbolpolitik sollen in soziale und kiezorientierte Präventionsangebote auf Bezirksebene umgeschichtet werden – ein klares Bekenntnis zur Vorbeugung vor härterem Durchgreifen.

AfD

nur ablehnend

»Messerverbotszonen lehnen wir als reine Symbolpolitik ab.« Beleg ↗

Das Programm der AfD lehnt Messerverbotszonen als ›Symbolpolitik‹ ab, äußert sich aber nicht zu vorbeugenden Maßnahmen wie Jugendsozialarbeit, Frühintervention oder Schulsozialarbeit. Ein Abwägen zwischen Prävention und härterem Durchgreifen findet im Programm nicht statt.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Kriminalprävention trennt die Parteien der Instrumenten-Typ und ihr Verhältnis zur Repression. Die Linke benennt einen expliziten Kosten-Nutzen-Vergleich und will Mittel von Überwachungskameras in soziale und kiezorientierte Angebote umschichten; die Grünen bauen ihre Sicherheitsstrategie durchgängig auf soziale Prävention und niedrigschwellige Präsenz statt auf Repression (SicherheitPlus, Community Policing). SPD und CDU nennen ebenfalls konkrete Präventionsinstrumente – ein dauerhaft finanziertes Gewaltpräventionsgesetz bzw. Beratungsangebote und Frühe Hilfen –, stellen sie aber additiv neben Strafverfolgung und Repression, ohne eine Vorrangentscheidung zu treffen. Die AfD äußert sich zu evidenzbasierter, sozialpädagogischer Prävention nicht substanziell und lehnt mit Messerverbotszonen ein einzelnes Präventionsinstrument als Symbolpolitik ab.

Muster der Positionen: Verschiedene Ansätze

Die Programme weisen weder in eine gemeinsame noch in zwei entgegengesetzte Richtungen — sie setzen an verschiedenen Stellen an.

Grüne und Linke erklären Prävention ausdrücklich zum Vorrang vor Repression, SPD und CDU stellen Präventionsinstrumente additiv neben Repression ohne Vorrangentscheidung, die AfD lehnt nur ein einzelnes Instrument ab, ohne sich zu evidenzbasierter Prävention grundsätzlich zu äußern — keine klare Zweier-Gruppierung.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Kriminalprävention trennt die Parteien der Instrumenten-Typ und ihr Verhältnis zur Repression.«

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