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Themenfelder › Klima & Energie ›

Wie wollen die Parteien die Stromversorgung sichern, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist?

Sachfrage: Versorgungssicherheit bei hohem Anteil erneuerbarer Energien: Netzstabilisierungsmechanismen

Fachliche und energiewirtschaftliche Frage, mit welchen technischen und marktlichen Mechanismen ein Stromsystem mit hohem Anteil volatiler erneuerbarer Erzeugung (Wind, Photovoltaik) stabil und versorgungssicher betrieben werden kann — insbesondere Speicher (Batterie-, Pumpspeicher, Wasserstoff), Lastmanagement/Demand Response, Netzausbau (Übertragungs- und Verteilnetz), Sektorenkopplung, Systemdienstleistungen netzbildender Wechselrichter sowie flexible Backup-Kapazitäten. Die Fachdiskussion behandelt Dunkelflauten und schwankende Einspeisung als planbares, durch ein Bündel von Maßnahmen lösbares Ingenieurproblem, nicht als grundsätzlichen Beleg gegen den Ausbau erneuerbarer Energien.

Forschungsstand & Quellen

Die Übertragungsnetzbetreiber untersuchen im Auftrag und unter Aufsicht der Bundesnetzagentur im 'Systemstabilitätsbericht 2025', wie das deutsche Stromsystem bei weiter steigendem Anteil erneuerbarer Energien im Zeitraum 2027–2037 stabil betrieben werden kann, und benennen dafür ein Bündel notwendiger Maßnahmen (u. a. Netzausbau, Systemdienstleistungen, Redispatch); der Monitoringbericht 2025 der Bundesnetzagentur dokumentiert einen bereits auf 54 Prozent gestiegenen Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch 2024 bei fortbestehender Versorgungssicherheit. Agora Energiewende kommt in ihrer Speicherstudie sowie in der Analyse 'Fundament der Klimaneutralität' zu dem Ergebnis, dass die notwendige Flexibilität zum Ausgleich wetterabhängiger Erzeugung bis auf einen Erneuerbaren-Anteil von rund 90 Prozent primär durch flexiblen Kraftwerksbetrieb, aktives Lastmanagement in der Industrie und Stromhandel mit Nachbarländern bereitgestellt werden kann, ergänzt um wachsenden Speicherbedarf in späteren Ausbaustufen. Fraunhofer IEE untersucht im Projekt 'Verteilnetz 2030+', wie Verteilnetze mit hohem Anteil dezentraler erneuerbarer Erzeugung und netzbildender Umrichter sicher und stabil betrieben werden können, und weist darauf hin, dass Erneuerbaren-Anlagen selbst die für die Netzstabilität nötigen Systemdienstleistungen erbringen können.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

teilweise

Wortlaut: Ziel

»Mit dem Klimapakt stellt der Senat bereits rund eine halbe Milliarde Euro für die Ertüchtigung und Erweiterung des Stromnetzes bereit.« Beleg ↗
»Wir wollen den Ausbau der dezentralen Energieerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung im Berliner Stadtgebiet ermöglichen. […] Gleichzeitig stärken dezentrale und inselfähige Anlagen die Krisenvorsorge, weil sie auch bei einem Ausfall des Stromnetzes weiter betrieben werden können.« Beleg ↗

Die Achse fragt nach technischen/marktlichen Mechanismen zur Stabilisierung eines Stromsystems mit hohem Anteil volatiler Erzeugung (Speicher, Lastmanagement, Netzausbau, Sektorenkopplung, Systemdienstleistungen, Backup). Das Programm benennt konkret nur Netzausbau (beziffert) und dezentrale/inselfähige Backup-Kapazität – zwei von sechs Mechanismenfeldern, ohne Speicher, Lastmanagement, Sektorenkopplung oder Systemdienstleistungen zu erwähnen; das rechtfertigt nur eine teilweise, keine substanzielle Positionierung.

SPD

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Speicher ermöglichen es, die Versorgungssicherheit der Stadt Berlin langfristig zu erhöhen ... Berlin soll die Nutzung von Speichertechnologien für Strom und Wärme konsequent in die Planung und Umsetzung der Energiewende miteinbeziehen.« Beleg ↗
»Beim Ausbau des Stromnetzes berücksichtigen wir besonders die künftigen Bedarfe der Wärmeversorgung großer Verbraucher. Dezentrale Lösungen stärken wir zusätzlich durch bidirektionales Laden ... Den Ausbau des Mittelspannungsnetzes gehen wir forciert an.« Beleg ↗
»... fördern wir den Ausbau von Photovoltaik und netzdienlichen Stromspeichern, u.a. durch das Programm SolarPlus.« Beleg ↗

Das Programm nennt konkrete Mechanismen zur Systemstabilität bei wachsendem EE-Anteil: Speichertechnologien für Strom und Wärme als Mittel zur Versorgungssicherheit, forcierten Netzausbau (Mittelspannungsnetz, Bedarfe der Wärmegroßverbraucher) sowie netzdienliche Speicher als Teil des Solarausbaus. Damit ist die Sachfrage substanziell mit Instrumenten beantwortet, wenn auch ohne vollständiges Bündel (Lastmanagement/Demand Response fehlt explizit).

Bündnis 90/Die Grünen

teilweise

Wortlaut: Festlegung

»Über die landeseigene Stromnetz Berlin werden wir den Smart-Meter-Rollout beschleunigen.« Beleg ↗

Der Smart-Meter-Rollout berührt als Voraussetzung für Lastmanagement/Demand Response nur einen Teilaspekt der Netzstabilisierung; Speicher, Netzausbau, Sektorenkopplung und Backup-Kapazitäten für einen hohen Anteil volatiler Erzeugung bleiben unbenannt.

Die Linke

teilweise

Wortlaut: Festlegung

»müssen zusätzliche Wärmespeicher installiert werden. Das gilt auch für die Kraft-Wärme-Kopplung, sodass wir den Wärmeverlust bei der konventionellen Stromerzeugung speichern können« Beleg ↗
»Stärkung der Notstromversorgung und von Inselnetzen sowie die Nachrüstung von durch die Berliner Stadtwerke betriebenen PV-Anlagen mit notstromfähigen Batteriespeichern« Beleg ↗
»Der auch für die Wärmewende notwendige Ausbau des Berliner Stromnetzes muss in der Kommunalen Wärmeplanung berücksichtigt und durch das Land Berlin konsequent umgesetzt werden« Beleg ↗

Die Linke nennt Wärmespeicher, Batteriespeicher für die Notstromversorgung und den Ausbau des Stromnetzes als Einzelmaßnahmen, aber kein zusammenhängendes Konzept zur Netzstabilisierung – etwa zu Lastmanagement, Sektorenkopplung oder Dunkelflauten. Die Sachfrage wird damit nur in Teilen beantwortet.

AfD

nur ablehnend

Wortlaut: Ziel

»Wetterabhängige Energiequellen können Versorgungssicherheit und Netzstabilität nicht garantieren. In Dunkelflauten sind sie außerstande, den Bedarf einer Millionenstadt zu decken.« Beleg ↗
»Denn der Wiedereinstieg in die Kernenergie ist unverzichtbar, wenn Versorgungssicherheit, Netzstabilität und bezahlbare Preise gewährleistet werden sollen.« Beleg ↗

Netzstabilität wird nur erwähnt, um wetterabhängigen Quellen die Systemfähigkeit grundsätzlich abzusprechen und daraus den Vorrang für Kohle-/Gaskraftwerke bzw. Kernenergie abzuleiten; mit keinem der fachlichen Stabilisierungsmechanismen (Speicher, Lastmanagement, Netzausbau, Sektorenkopplung) setzt sich das Programm auseinander.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode

Bei den Mechanismen zur Netzstabilisierung bei hohem Erneuerbaren-Anteil unterscheiden sich die Parteien im Grad, in dem sie ein Instrumenten-Bündel benennen. Die SPD führt mehrere Mechanismen zusammen (Speichertechnologien für Strom und Wärme, forcierter Netzausbau, netzdienliche Speicher); CDU, Grüne und Linke benennen jeweils nur einzelne Bausteine – CDU Netzausbau und dezentrale Backup-Kapazität, Grüne den Smart-Meter-Rollout als Voraussetzung für Lastmanagement, Linke Wärme- und Batteriespeicher sowie Netzausbau. Die AfD bestreitet stattdessen die grundsätzliche Systemfähigkeit wetterabhängiger Quellen, ohne einen der fachlichen Stabilisierungsmechanismen zu benennen, und koppelt diese Position mit der Forderung nach Wiedereinstieg in Kernenergie sowie fortgesetztem Kohle-/Gaskraftwerksbetrieb. Die übrigen vier Parteien gehen dagegen von einem prinzipiell stabilisierbaren System mit hohem Erneuerbaren-Anteil aus und unterscheiden sich nur in der Vollständigkeit der benannten Instrumente.

Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen

Netzstabilisierung durch Instrumenten-Bündel bei hohem Erneuerbaren-Anteil
Bestreiten der Systemfähigkeit, Rückkehr zu Kernenergie/Kohle/Gas

Die SPD bündelt mehrere Mechanismen zur Netzstabilisierung, während CDU, Grüne und Linke jeweils nur einzelne Bausteine benennen und die AfD die grundsätzliche Systemfähigkeit von Wind- und Solarstrom bestreitet.Innerhalb der Gruppe unterscheidet sich die Vollständigkeit der benannten Instrumente (SPD mehrere Mechanismen, CDU/Grüne/Linke jeweils einzelne Bausteine).Die Reihenfolge folgt den Programmtexten; die Abstände zwischen den Plätzen sind gleich.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die AfD bestreitet stattdessen die grundsätzliche Systemfähigkeit wetterabhängiger Quellen, ohne einen der fachlichen Stabilisierungsmechanismen zu benennen, und koppelt diese Position mit der Forderung nach Wiedereinstieg in Kernenergie sowie fortgesetztem Kohle-/Gaskraftwerksbetrieb.«

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