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Was wollen die Parteien tun, damit Menschen mit Behinderung Sport treiben können?

Sachfrage: Inklusion & Barrierefreiheit im Sport

Wie Sportstätten und -angebote für Menschen mit Behinderungen barrierefrei gestaltet und Integrations- bzw. Inklusionssport strukturell gefördert werden (Standards, Quoten, Modellprojekte), betrifft die Zugänglichkeit des Sports selbst — unabhängig von der allgemeinen Bau- oder Preisfrage. Nach aktuellen Erhebungen sind mehr als die Hälfte der Menschen mit Behinderungen in Deutschland nicht sportlich aktiv; als Hauptursachen gelten fehlende bauliche Zugänglichkeit von Sportstätten, mangelnde Qualifikation von Übungsleitungen im Bereich Behindertensport und organisatorische Berührungsängste. Der Deutsche Behindertensportverband hat dazu ein bundesweites Grundsatzpapier mit Standards zur Barrierefreiheit von Sportstätten vorgelegt.

Forschungsstand & Quellen

Deutscher Behindertensportverband (DBS), »Grundsatzpapier zur Barrierefreiheit von Sportstätten«.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Barrierefreiheit konsequent bei allen Sanierungen sowie Neubauten von Sportstätten berücksichtigen und Sportangebote so gestalten, dass sie allen Berlinerinnen und Berlinern offenstehen« Beleg ↗
»Sanierung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks: inklusive und barrierefreie Sportstätten am Cantian-Stadion, die von möglichst vielen Mitgliedern umliegender Sportvereine genutzt werden können« Beleg ↗

Das Programm formuliert eine verbindliche Regel (Barrierefreiheit konsequent bei allen Sanierungen/Neubauten, Sportangebote sollen allen offenstehen) und belegt sie an einem konkreten Projekt (Cantian-Stadion), dessen Zusage ausdrücklich auf die Nutzbarkeit durch möglichst viele Vereinsmitglieder – also Teilhabe – zielt. Standards des Behindertensports, Qualifikation von Übungsleitungen oder Quoten werden nicht genannt, der Instrumentgehalt reicht aber für substanziell_positioniert.

SPD

substanziell

»Wir verbessern zudem die strukturellen Bedingungen für Menschen mit Behinderungen im Sport.« Beleg ↗
»Wir setzen uns für den Neubau des Jahn-Sportparks als inklusiven Sportpark für alle ein.« Beleg ↗

Das Programm kündigt strukturelle Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen im Sport sowie mit dem Jahn-Sportpark ein konkretes, ausdrücklich als inklusiv angelegtes Neubauprojekt an. Konkrete Standards, Quoten oder Modellprojekte im Sinne der Sachfrage werden nicht beziffert.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Sportstätten möchten wir sukzessive inklusiv ertüchtigen, dazu gehören auch ungedeckte Typensporthallen und Schwimmbäder.« Beleg ↗
»Als baufachliche Leitlinie wollen wir den „Kriterienkatalog Inklusive Sportstätten“ verbindlich festlegen.« Beleg ↗
»Mindestens drei inklusive Sportstätten pro Bezirk sollen entstehen, und frei zugängliche Sportflächen wie Basketballkörbe, Calisthenics-Anlagen und Tischtennisplatten werden ausgebaut.« Beleg ↗

Das Programm benennt ein verbindliches, ausdrücklich auf Teilhabe zielendes bauliches Instrument (Kriterienkatalog Inklusive Sportstätten), eine sukzessive Ertüchtigung bestehender Sportstätten und einen bezifferten Zielwert (mind. drei inklusive Sportstätten je Bezirk) – Position und konkrete Instrumente zur Barrierefreiheit im Sport liegen vor.

Die Linke

substanziell

»Das Erbe der Special Olympics muss nachhaltig verstetigt werden. Wir brauchen verbindliche Inklusion und echte Teilhabe, damit die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen im Sport endlich aufgelöst wird.« Beleg ↗
»Wir wollen Inklusion in jeder Form von Sport voranbringen, also explizit auch im Wasser- und Eissport, im Klettersport und im selbstorganisierten Sport in Parks.« Beleg ↗
»Sportämter sollten künftig gezielt auf Behindertensportvereine und inklusive Gruppen zugehen, um ihnen Zeiten in neu fertiggestellten, barrierefreien Hallen anzubieten« Beleg ↗

Das Programm der Linken fordert verbindliche Inklusion gegen die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderung im Sport und will das Erbe der Special Olympics nachhaltig verstetigen. Es konkretisiert dies über mehrere Sportbereiche hinweg – ausdrücklich auch im Wasser- und Eissport, im Klettersport und im selbstorganisierten Sport in Parks – und will, dass Bezirkssportämter gezielt auf Behindertensportvereine und inklusive Gruppen zugehen, um ihnen Zeiten in neu fertiggestellten, barrierefreien Hallen anzubieten. Die Vorgabe zu All-Gender-Umkleiden zielt nicht ausdrücklich auf Teilhabe von Menschen mit Behinderung, sondern ist eine bauliche Vorgabe bei Sanierung und Neubau, und gehört zur Nachbar-Sachfrage ›Was planen die Parteien für marode Sporthallen und -plätze? — Wie viel Geld soll in Sanierung und Neubau fließen?‹.

AfD

substanziell

»Beim Neubau und bei der Sanierung von Sportstätten muss stärker auf eine behindertengerechte Eignung geachtet werden. Integrationssport von Behinderten und Nicht-Behinderten fördert die soziale und gesellschaftliche Akzeptanz. Beim inklusiven Neubau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks darf es keine Abstriche zu Lasten des Behindertensports geben« Beleg ↗

Das Programm der AfD fordert, bei Neubau und Sanierung von Sportstätten stärker auf behindertengerechte Standards zu achten, und begründet dies mit der sozialen Teilhabe durch Integrationssport von Menschen mit und ohne Behinderung.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Barrierefreiheit im Sport sind alle fünf Parteien positioniert; unterschieden werden Verbindlichkeit und Instrumententyp. Die Grünen legen die weitestgehende Bindung vor: einen verbindlichen Kriterienkatalog Inklusive Sportstätten und einen bezifferten Zielwert von mindestens drei inklusiven Sportstätten je Bezirk. CDU und AfD verknüpfen Barrierefreiheit mit einem konkreten Bauprojekt, dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Cantian-Stadion, ohne eigenen Kriterienkatalog; die SPD kündigt strukturelle Verbesserungen an, ebenfalls verbunden mit dem Neubau des Jahn-Sportparks, ohne eigene Standards zu benennen. Die Linke setzt organisatorisch an, mit gezielter Zugangsvermittlung der Bezirkssportämter an Behindertensportvereine für Zeiten in neu fertiggestellten Hallen.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: mehr Barrierefreiheit im Sport schaffen — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Nur die Grünen beziffern ihr Ziel mit mindestens drei inklusiven Sportstätten je Bezirk, die übrigen vier Parteien benennen Instrumente ohne Zahl oder Termin.Die Grünen legen mit einem verbindlichen Kriterienkatalog und beziffertem Zielwert die weitestgehende Bindung vor; CDU, AfD und SPD verknüpfen das Thema mit dem Jahn-Sportpark-Neubau ohne eigene Standards, die Linke setzt organisatorisch bei den Bezirkssportämtern an.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Barrierefreiheit im Sport sind alle fünf Parteien positioniert; unterschieden werden Verbindlichkeit und Instrumententyp.«

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