Wahlkompass Berlin

ThemenfelderMigration & Integration

Was wollen die Parteien tun, um über Zuwanderung fehlende Fachkräfte zu gewinnen?

Sachfrage: Fachkräfteversorgung und Arbeitsmarkt

Beitrag von Zuwanderung zur Deckung des Fachkräftebedarfs angesichts demografisch bedingt schrumpfender inländischer Erwerbsbevölkerung — bis 2035 gehen laut IAB rund 7 Millionen Fachkräfte durch den Ruhestand der Babyboomer verloren; fast 40 % des Beschäftigungswachstums seit 2015 entfällt auf ausländische Beschäftigte.

Forschungsstand & Quellen

IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), Kurzbericht zu Zuwanderung und Fachkräftesicherung; Bertelsmann Stiftung, Prognose zum jährlichen Nettozuwanderungsbedarf (November 2024, 288.000–368.000/Jahr bis 2040); Mediendienst Integration, »Wie groß ist der Fachkräftemangel in Deutschland?«.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Wir unterstützen Unternehmen beim internationalen Recruiting sowie dem Onboarding ihrer Arbeitskräfte und schaffen bessere Rahmenbedingungen für internationale Fachkräfte ...« Beleg ↗
»Das Berliner Willkommenszentrum werden wir weiterentwickeln und durch Willkommensmanager ergänzen ...« Beleg ↗
»beschleunigte Visa-Verfahren, mehrsprachige Services und zentrale Ansprechpartner ... Den Zugang zur EU Blue Card wollen wir erweitern« Beleg ↗
»Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse werden wir beschleunigen und Verfahren vereinfachen.« Beleg ↗

Das Programm benennt mehrere konkrete Instrumente zur Fachkräftegewinnung (Recruiting-Unterstützung, Willkommensmanager, beschleunigte Visa-/Blue-Card-Verfahren, Anerkennung ausländischer Abschlüsse) und beantwortet damit die Frage nach den Mitteln zur Fachkräftezuwanderung substanziell, wenn auch ohne Bezug auf demografische Zahlen.

SPD

substanziell

»Jetzt wächst erneut der Fachkräftemangel und unsere Gesellschaft wird immer älter. Deshalb brauchen wir auch künftig Arbeitsmigration« Beleg ↗
»Wir werben internationale Fachkräfte, insbesondere für die Pflegeberufe, gezielt an. Außerdem erleichtern wir den Zuzug von Selbstständigen und bauen Beschäftigungsverbote für Geflüchtete ab.« Beleg ↗
»Für die Fachkräftezuwanderung ist auch ein zügiger Familiennachzug zu gewähren, wenn der Lebensunterhalt der Familie gesichert werden kann.« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position: Arbeitsmigration wird ausdrücklich als Antwort auf den Fachkräftemangel benannt. Konkrete Instrumente folgen — gezielte Anwerbung (v. a. Pflegeberufe), Abbau von Beschäftigungsverboten für Geflüchtete, erleichterter Zuzug für Selbstständige und Familiennachzug für Fachkräfte.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Ausbau des Beratungsangebotes des Berliner Willkommenszentrums, auch für internationale Fachkräfte … vereinfachten und transparenten Anerkennungsverfahren … echten ›One-Stop-Shop‹« Beleg ↗
»Taskforce ›Anerkennung‹ die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse … Schwerpunkt auf die Fachkräftestrategie« Beleg ↗
»dass Asylbewerber*innen ab Tag eins arbeiten dürfen« Beleg ↗
»dass die Zustimmungspflichten der Bundesagentur für Arbeit für Menschen im laufenden Asylverfahren entfallen« Beleg ↗

Anerkennungsverfahren (Taskforce, One-Stop-Shop) koppeln Migration explizit an Fachkräftesicherung; die Arbeitsmarktzugangs-Erleichterungen für Asylbewerber*innen (Tag-eins-Arbeit, Wegfall BA-Zustimmung) adressieren den im Facettenlabel eingeschlossenen Arbeitsmarkt-Aspekt, auch ohne gezielte Fachkräfte-Anwerbung.

Die Linke

nur ablehnend

»Wir verfolgen dabei einen menschenrechtsorientierten Ansatz gegen jeden Nützlichkeitsrassismus, der Menschen nach ihrem Nutzen für die deutsche Wirtschaft einteilt.« Beleg ↗

Die Fundstelle beantwortet nicht, wie über Zuwanderung Fachkräfte gewonnen werden sollen, sondern weist die zugrundeliegende Nützlichkeits-Logik als Rassismus zurück. Der Frage wird damit nur ablehnend begegnet, keine eigene Position zur Fachkräftedeckung erkennbar.

AfD

teilweise

»Eine klare Unterscheidung zwischen Einwanderung einerseits (nach Qualifikation und Bedarf) und Asyl andererseits (Schutz auf Zeit).« Beleg ↗

Das Programm erkennt Fachkräfteeinwanderung 'nach Qualifikation und Bedarf' als eigene, legitime Kategorie neben Asyl an, bleibt dabei aber auf eine kurze kategoriale Abgrenzung beschränkt. Die quantitative Dimension der Forschung (IAB-Prognose zum Fachkräfteverlust, Anteil ausländischer Beschäftigter am Beschäftigungswachstum) wird nicht aufgegriffen, eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem demografischen Bedarf findet nicht statt.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Fachkräftegewinnung trennt die Parteien vor allem der Instrumententyp: CDU, SPD und Grüne benennen konkrete Verfahrensinstrumente — die CDU beschleunigte Visa- und Blue-Card-Verfahren sowie Anerkennungshilfen, die SPD gezielte Anwerbung vor allem für Pflegeberufe samt Abbau von Beschäftigungsverboten und erleichtertem Familiennachzug, die Grünen Anerkennungsverfahren (Taskforce, One-Stop-Shop) gekoppelt mit Arbeitsmarktzugang ab dem ersten Asyltag und Wegfall der BA-Zustimmungspflicht. Die AfD spricht die Frage nur kategorial an (Einwanderung »nach Qualifikation und Bedarf« versus Asyl), ohne eigene Verfahrensinstrumente oder Bezug auf den demografisch bedingten Fachkräfteverlust. Die Linke positioniert sich nicht zur Fachkräftegewinnung selbst, sondern weist die zugrundeliegende Nützlichkeits-Logik als Rassismus zurück. Bei SPD und Grünen zeigt sich zudem ein Kopplungsmuster: Beide binden Fachkräftegewinnung an erleichterten Arbeitsmarktzugang für Menschen im Asylverfahren, während die CDU ihre Instrumente auf bereits qualifiziert Einreisende beschränkt.

Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen

Steuerung nach Qualifikation und Bedarf
Ablehnung der Nützlichkeits-Logik

CDU, SPD und Grüne benennen konkrete Verfahrensinstrumente für die Fachkräftegewinnung, die AfD nennt dagegen nur eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Einwanderung und Asyl ohne eigenes Verfahren; die Linke weist die zugrundeliegende Nützlichkeits-Logik insgesamt zurück.CDU, SPD und Grüne unterscheiden sich vor allem im Instrumententyp (beschleunigte Visa/Blue Card vs. gezielte Anwerbung für Pflegeberufe vs. Anerkennungsverfahren plus früherem Arbeitsmarktzugang), nicht in der Richtung; die AfD spricht die Frage nur kategorial an (Qualifikation/Bedarf statt Asyl), ohne eigene Verfahrensinstrumente zu benennen.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Die Linke positioniert sich nicht zur Fachkräftegewinnung selbst, sondern weist die zugrundeliegende Nützlichkeits-Logik als Rassismus zurück.«

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