Wie wollen die Parteien ehrenamtliches Engagement außerhalb des Sports praktisch erleichtern und institutionell verankern?
Sachfrage: Allgemeine Ehrenamtsförderung jenseits des Sports
Rund ein Drittel der Bevölkerung ab 14 Jahren engagiert sich in Deutschland freiwillig — der 6. Deutsche Freiwilligensurvey zählte 2024 rund 27 Millionen Engagierte, ein Rückgang gegenüber 2019. Der Rückgang betrifft laut dem Bericht der Bundesregierung vor allem Menschen mit höherer Schulbildung, während die Engagementquote bei Menschen mit Migrationshintergrund stabil blieb oder stieg. Praktische Hürden wie fehlende Anerkennung, bürokratischer Aufwand bei Förderanträgen oder erschwerter Zugang zu Räumen und Mobilität gelten als ein Grund, warum sich freiwilliges Engagement schwerer institutionell verankern lässt. Für Berlin stellt sich die Frage, mit welchen konkreten Instrumenten — Anerkennungskarten, vergünstigter Nahverkehr, zentrale Ansprechstellen, kostenfreie Räume oder abgebaute Bürokratie — ehrenamtliches Engagement außerhalb des organisierten Sports gestärkt werden soll.
Forschungsstand & Quellen
Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, Kurzbericht zum 6. Deutschen Freiwilligensurvey 2024 (veröffentlicht 14.11.2025); Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Themenseite ›Der Deutsche Freiwilligensurvey‹.
Bericht zur Lage von Engagement und Ehrenamt veröffentlicht https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/bericht-zur-lage-von-engagement-und-ehrenamt-veroeffentlicht-2393064
Der Deutsche Freiwilligensurvey - BMBFSFJ https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/engagement-staerken/freiwilligensurveys/der-deutsche-freiwilligensurvey-100090
»Wir werden prüfen, wie künftig Ehrenamtliche einen erleichterten Zugang zum öffentlichen Nahverkehr erhalten können.« Beleg ↗
»Eine Zusammenführung mit dem Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement soll geprüft werden, um so einen zentralen Ansprechpartner für das Ehrenamt zu etablieren.« Beleg ↗
»Die Nutzung von bezirklichen und landeseigenen Flächen soll kostenfrei möglich sein. Eine gesetzliche Anpassung soll dazu erfolgen.« Beleg ↗
»Daher werden wir bestehende Altersgrenzen für öffentliche Ehrenämter überprüfen und dort anheben, wo es sinnvoll ist – beispielsweise für Schöffen oder Schiedsleute.« Beleg ↗
Das Programm der CDU bündelt mehrere Maßnahmen für Ehrenamtliche: einen erleichterten Nahverkehrszugang, der geprüft werden soll, eine Zusammenführung mit dem Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement, kostenfreie Nutzung öffentlicher Flächen sowie angehobene Altersgrenzen für Ehrenämter wie Schöffen.
SPD
substanziell
Wortlaut: Ziel
»Wir setzen uns für die Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit durch die Weiterentwicklung der Ehrenamtskarte, vergünstigte BVG-Tickets und eine weitere Entbürokratisierung ehrenamtlicher Strukturen ein.« Beleg ↗
»Wir wollen ermöglichen, dass weitere Qualifizierungsangebote für ehrenamtliche Tätigkeiten als Bildungsurlaub in Berlin anerkannt werden« Beleg ↗
Das Programm der SPD will die Ehrenamtskarte weiterentwickeln, vergünstigte BVG-Tickets für Ehrenamtliche einführen und ehrenamtliche Strukturen weiter entbürokratisieren; hinzu kommt die Anerkennung von Qualifizierungsangeboten für Ehrenamtliche als Bildungsurlaub.
Bündnis 90/Die Grünen
teilweise
Wortlaut: Festlegung
»Die Berliner Ehrenamtskarte bauen wir als zentrales Anerkennungsinstrument weiter aus.« Beleg ↗
Das Programm der Grünen kündigt an, die Berliner Ehrenamtskarte als zentrales Anerkennungsinstrument weiter auszubauen, ohne weitere Instrumente zu benennen.
Die Linke
teilweise
Wortlaut: Ziel
»Wir werden gemeinsam mit den Aktiven die Förderung bürgerschaftlichen Engagements weiterentwickeln und setzen uns beim Schulneubau dafür ein, dass Gebäude auch offene Kultur- und Engagementorte für die Bewohner*innen der Stadtteile und Kieze sind.« Beleg ↗
Das Programm der Linken kündigt an, die Förderung bürgerschaftlichen Engagements gemeinsam mit den Aktiven weiterzuentwickeln, unter anderem durch offene Kultur- und Engagementorte bei neu gebauten Schulen.
AfD
teilweise
Wortlaut: Ziel
»Wir setzen uns für die faire und ideologiefreie Anerkennung und Förderung des Ehrenamts ein.« Beleg ↗
Das Programm der AfD bekennt sich allgemein zu einer ›fairen und ideologiefreien‹ Anerkennung und Förderung des Ehrenamts, ohne ein konkretes Instrument zu nennen.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode
Bei der allgemeinen Ehrenamtsförderung jenseits des Sports unterscheiden sich die Parteien vor allem im Umfang des Instrumentenbündels. Die CDU verbindet mehrere Maßnahmen — die Prüfung eines erleichterten Nahverkehrszugangs für Ehrenamtliche, die Zusammenführung mit dem Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement zu einem zentralen Ansprechpartner, kostenfreie Flächennutzung und angehobene Altersgrenzen für öffentliche Ehrenämter wie Schöffen. Die SPD setzt auf die Weiterentwicklung der Ehrenamtskarte, vergünstigte BVG-Tickets und weitere Entbürokratisierung; die Grünen kündigen an, dieselbe Ehrenamtskarte als zentrales Anerkennungsinstrument weiter auszubauen, ohne weitere Maßnahmen zu benennen. Die Linke will die Förderung bürgerschaftlichen Engagements gemeinsam mit den Aktiven weiterentwickeln und beim Schulneubau eigene Engagementorte in den Kiezen schaffen. Die AfD bleibt bei einem allgemeinen Bekenntnis zur ›fairen und ideologiefreien‹ Anerkennung und Förderung des Ehrenamts, ohne ein konkretes Instrument zu benennen.
Muster der Positionen: Gleiche Richtung
Gemeinsame Richtung: Stärkung und institutionelle Verankerung ehrenamtlichen Engagements außerhalb des Sports — wie verbindlich legen sich die Programme fest?
Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin
CDU, SPD, Grüne und Linke nennen jeweils konkrete Instrumente ohne Zahl oder Termin, die AfD bleibt bei einem allgemeinen Bekenntnis ohne benanntes Mittel.CDU, SPD, Grüne und Linke nennen jeweils Instrumente ohne Zahl oder Termin — die CDU mit dem größten Bündel —, die AfD bleibt bei einem allgemeinen Bekenntnis ohne benanntes Mittel.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: im Programm festgelegt.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Bei der allgemeinen Ehrenamtsförderung jenseits des Sports unterscheiden sich die Parteien vor allem im Umfang des Instrumentenbündels.«