Wahlkompass Berlin

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Wie wollen die Parteien Auszubildende materiell und rechtlich absichern? — Azubi-Ticket, Wohnkosten, Schutz vor Ausbeutung?

Sachfrage: Materielle und rechtliche Absicherung von Auszubildenden

Sachfrage ist die materielle und rechtliche Absicherung von Auszubildenden während der Ausbildung: Instrumente wie ein Azubi-Ticket, Unterstützung bei Wohnkosten, eigene Beratungs- und Unterstützungsstellen sowie Schutz vor Ausbeutung im Ausbildungsverhältnis. Bundesweit erreichte die Quote vorzeitiger Vertragslösungen 2022 mit 29,5 Prozent einen neuen Höchststand; rund die Hälfte der Lösungen mündet laut BIBB in einen Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs statt in einen endgültigen Abbruch, sodass die Quote »echter« Ausbildungsabbrüche bei etwa 13 Prozent liegt.

Forschungsstand & Quellen

Uhly/Neises, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), »Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung — Aktuelle empirische Befunde der Berufsbildungsstatistik und Maßnahmen« (2023).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Die Aussagen der CDU zu diesem Thema betreffen die Sicherung des Ausbildungsplatzangebots und die Ausgestaltung der beruflichen Bildung — sie gehören zur Nachbar-Sachfrage ›Was planen die Parteien für die duale Ausbildung? — Wie wollen sie genug Ausbildungsplätze sichern?‹. Zur materiellen oder rechtlichen Absicherung von Auszubildenden selbst — Azubi-Ticket, Wohnkosten, Schutz vor Ausbeutung — sagt das Programm nichts.

SPD

substanziell

»Deshalb schaffen wir ein Azubi-Werk … Es soll die Auszubildenden in Berlin beraten, vernetzen und unterstützen und vor allem bezahlbaren Wohnraum für sie schaffen.« Beleg ↗
»Außerdem finanzieren wir das Azubi-Ticket weiter …« Beleg ↗
»Das Beratungszentrum für Gute Arbeit und Ausbildung (BEMA) wird ausgebaut und vernetzt. Um die Ausbeutung von Auszubildenden aus Drittstaaten zu stoppen, schaffen wir eine neue Anlaufstelle, die Beratung, Kontrolle und Strafverfolgung bündelt.« Beleg ↗

Das Programm der SPD nennt mehrere Instrumente für Auszubildende: ein neues Azubi-Werk für Beratung, Vernetzung und bezahlbaren Wohnraum, die fortgeführte Finanzierung des Azubi-Tickets sowie den Ausbau der Beratungsstelle BEMA und eine neue Anlaufstelle gegen die Ausbeutung von Auszubildenden aus Drittstaaten. Die Sicherung des Ausbildungsplatzangebots selbst behandelt das Programm bei der Nachbar-Sachfrage ›Was planen die Parteien für die duale Ausbildung? — Wie wollen sie genug Ausbildungsplätze sichern?‹.

Bündnis 90/Die Grünen

teilweise

»… wollen gute Arbeitsbedingungen und faire Vergütung während der Ausbildung gewährleisten.« Beleg ↗

Das Programm der Grünen verspricht Auszubildenden allgemein gute Arbeitsbedingungen und faire Vergütung, benennt aber kein konkretes Instrument wie ein Azubi-Ticket, Wohnkostenhilfe oder Schutz vor Ausbeutung.

Die Linke

teilweise

»Die Praxisstunden im Rahmen einer Ausbildung müssen grundsätzlich vergütet werden.« Beleg ↗

Das Programm der Linken sieht für Auszubildende vor, dass Praxisstunden grundsätzlich vergütet werden müssen. Zu weiteren Instrumenten wie einem Azubi-Ticket, Wohnkostenhilfe oder eigenen Beratungsstellen für Auszubildende äußert sich das Programm nicht.

AfD

teilweise

»Nach dem Vorbild von Studentenwohnheimen werden wir Azubi-Wohnheime schaffen.« Beleg ↗

Das Programm der AfD kündigt Azubi-Wohnheime nach dem Vorbild von Studentenwohnheimen an und trifft damit eine Aussage zu den Wohnkosten Auszubildender. Zu Azubi-Ticket, Beratungsstellen oder Schutz vor Ausbeutung äußert es sich nicht. Weitere Aussagen zur Ausbildung betreffen die Nachbar-Sachfrage ›Was planen die Parteien für die duale Ausbildung? — Wie wollen sie genug Ausbildungsplätze sichern?‹.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der materiellen und rechtlichen Absicherung von Auszubildenden trennt die Parteien vor allem die Instrumentendichte. Die SPD benennt das breiteste Bündel: ein neues Azubi-Werk für Beratung, Vernetzung und Wohnraum, die fortgeführte Finanzierung des Azubi-Tickets, den Ausbau der Beratungsstelle BEMA sowie eine neue Anlaufstelle gegen Ausbeutung von Auszubildenden aus Drittstaaten. Linke und AfD nennen je ein Einzelinstrument – die Linke eine verpflichtende Vergütung von Praxisstunden, die AfD Azubi-Wohnheime nach dem Vorbild von Studentenwohnheimen –, während die Grünen nur ein allgemeines Versprechen guter Arbeitsbedingungen und fairer Vergütung ohne benanntes Einzelinstrument formulieren. Das Programm der CDU enthält zur Absicherung während der Ausbildung keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: bessere materielle und rechtliche Absicherung von Auszubildenden — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

SPD, Linke und AfD benennen je konkrete Instrumente (Azubi-Werk, Pflichtvergütung von Praxisstunden, Azubi-Wohnheime) ohne Zahl oder Termin, während die Grünen nur ein allgemeines Ziel ohne Instrument formulieren.Ohne Aussage: CDUSPD benennt das breiteste Bündel (Azubi-Werk, Azubi-Ticket, BEMA-Ausbau, neue Anlaufstelle); Linke und AfD nennen je ein Einzelinstrument (Vergütung von Praxisstunden bzw. Azubi-Wohnheime); Grüne bleiben bei einem allgemeinen Versprechen ohne benanntes Einzelinstrument.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der materiellen und rechtlichen Absicherung von Auszubildenden trennt die Parteien vor allem die Instrumentendichte.«

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