Wahlkompass Berlin

ThemenfelderGleichstellung & Antidiskriminierung

Wie wollen die Parteien Berufe in Gesundheit, Pflege, Erziehung und Bildung besser bezahlen?

Sachfrage: Aufwertung frauendominierter Berufsfelder

Gesundheits-, Sozial- sowie Erziehungs- und Unterrichtsberufe sind mit Frauenanteilen von 80, 76 bzw. 72 Prozent die am stärksten frauendominierten Sektoren am deutschen Arbeitsmarkt; Untersuchungen finden dort trotz hoher fachlicher und psychischer Anforderungen ein systematisch niedrigeres Entgeltniveau als in vergleichbar qualifizierten, männerdominierten Berufen — etwa in der Altenpflege rund 14 Euro Stundenlohn gegenüber 26–28 Euro in Technik- und IT-Berufen. Forschung zur Entgeltlücke sieht in dieser systematischen Unterbewertung frauendominierter Berufe eines der zentralen Hindernisse auf dem Weg zu mehr Geschlechtergleichheit am Arbeitsmarkt.

Forschungsstand & Quellen

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, »Weibliche Arbeit weniger wert? Neue Forschungsergebnisse zum Gender Pay Gap« (Pressemitteilung/Studie).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Keine Fundstelle spricht die Aufwertung frauendominierter Berufsfelder (Pflege, Erziehung, Gesundheit) hinsichtlich Entgelt oder Personalbemessung an; geprüfte Begriffe (Aufwertung, Pflegeberufe, Erzieherinnen, Personalbemessung, Tarifbindung Pflege) ohne Treffer.

SPD

teilweise

»Träger, die soziale Arbeit im Rahmen von Leistungsverträgen und Zuwendungsprojekten erbringen, versetzen wir in die Lage, ihre Mitarbeitenden tarifgerecht zu bezahlen« Beleg ↗

Das Programm der SPD will Träger sozialer Arbeit über Leistungsverträge und Zuwendungen in die Lage versetzen, ihre Mitarbeitenden tarifgerecht zu bezahlen. Das betrifft nur einen Trägertyp; eine sektorübergreifende Strategie für Pflege oder Erziehung fehlt.

Bündnis 90/Die Grünen

fehlt

Zur gezielten Aufwertung frauendominierter Berufe in Pflege, Erziehung und Gesundheit — über Personalbemessung, Tarifbindung oder gezielte Entgeltaufwertung — sagt das Programm der Grünen nichts; die Aussage zu Frauen in MINT-Berufen und bei Unternehmensgründungen betrifft den Zugang zum Arbeitsmarkt, nicht die Aufwertung bestehender frauendominierter Berufsfelder.

Die Linke

substanziell

»Branchen mit hohem Frauenanteil, etwa Pflege, Reinigung, Sozial- und Erziehungsberufe, Hebammenwesen, Gastronomie und Einzelhandel, müssen endlich strukturell und finanziell aufgewertet werden.« Beleg ↗
»Wir setzen uns für bedarfsgerechte Personalbemessung und angemessene Entlohnung ein.« Beleg ↗
»die Stärkung der Tarifbindung, die Aufwertung von Berufen mit hohem Frauenanteil« Beleg ↗

Das Programm benennt frauendominierte Branchen namentlich (Pflege, Reinigung, Sozial-/Erziehungsberufe, Hebammenwesen, Gastronomie, Einzelhandel) und fordert deren strukturelle und finanzielle Aufwertung über konkrete Instrumente wie bedarfsgerechte Personalbemessung und gestärkte Tarifbindung. Die Sachfrage nach den Aufwertungsinstrumenten ist damit substanziell beantwortet.

AfD

fehlt

Das Programm der AfD äußert sich nicht zu Personalbemessung, Tarifbindung oder gezielter Entgeltaufwertung in Pflege-, Erziehungs- oder Sozialberufen. Die Sachfrage kommt im Programm nicht vor.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Aufwertung frauendominierter Berufsfelder trennt die Parteien Reichweite und Verbindlichkeit der genannten Instrumente. Die Linke positioniert sich am umfassendsten: Sie benennt mehrere Branchen namentlich (Pflege, Reinigung, Sozial- und Erziehungsberufe, Hebammenwesen, Gastronomie, Einzelhandel) und fordert deren Aufwertung über bedarfsgerechte Personalbemessung und gestärkte Tarifbindung. Die SPD benennt mit tarifgerechter Bezahlung über Leistungsverträge und Zuwendungen ein Instrument, beschränkt es aber auf einen einzelnen Trägertyp der sozialen Arbeit, ohne sektorübergreifende Strategie für Pflege oder Erziehung. Grüne, CDU und AfD enthalten zur gezielten Aufwertung frauendominierter Berufsfelder keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Bessere Bezahlung frauendominierter Berufsfelder über gestärkte Tarifmechanismen — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

SPD und Linke benennen je ein Instrument (tarifgerechte Bezahlung über Leistungsverträge bzw. Personalbemessung und Tarifbindung), aber keine Zahl oder Termin.Ohne Aussage: CDU, Grüne, AfDDie Linke benennt mehrere Branchen namentlich (Pflege, Reinigung, Sozial- und Erziehungsberufe, Hebammenwesen, Gastronomie, Einzelhandel) und setzt auf Personalbemessung plus gestärkte Tarifbindung; die SPD beschränkt tarifgerechte Bezahlung über Leistungsverträge auf einen einzelnen Trägertyp der sozialen Arbeit.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Aufwertung frauendominierter Berufsfelder trennt die Parteien Reichweite und Verbindlichkeit der genannten Instrumente.«