Wahlkompass Berlin

ThemenfelderFamilie

Was wollen die Parteien bei der Sexualaufklärung an Schulen?

Sachfrage: Wirksamkeit evidenzbasierter, altersgerechter Sexualaufklärung

Umfassende, altersgerecht gestufte Sexualaufklärung nach internationalen Standards (nicht auf Gefahrenabwehr beschränkt, sondern Wissen, Werte und soziale Kompetenzen vermittelnd) trägt nachweislich zu späterem Sexualdebüt, geringeren ungewollten Schwangerschaften und geringeren Infektionsraten bei; sie schließt altersgerechte Aufklärung über Vielfalt von Familien- und Lebensformen bereits im Kita-/Grundschulalter ein.

Forschungsstand & Quellen

WHO-Regionalbüro für Europa und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), »Standards für die Sexualaufklärung in Europa – Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger, Bildungs- und Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten« (2010/2011), erarbeitet mit einer 19-köpfigen internationalen Expertengruppe.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Weder im Kern- noch im Nachbarbestand findet sich eine Aussage zu Sexualaufklärung, ihrer Ausgestaltung oder Wirksamkeit.

SPD

fehlt

Zur Sexualaufklärung an Schulen oder zur Vermittlung der Vielfalt von Familien- und Lebensformen im Kita- und Grundschulalter findet sich im Programm der SPD keine Aussage.

Bündnis 90/Die Grünen

fehlt

Zur Sexualaufklärung an Schulen — auch zur Vermittlung von Familien- und Lebensformenvielfalt in Kita und Grundschule — findet sich im Programm der Grünen keine Aussage.

Die Linke

fehlt

Im Programm der Linken findet sich keine Aussage zur Sexualaufklärung an Schulen oder zur altersgerechten Aufklärung über Familien- und Lebensformen.

AfD

nur ablehnend

»Durch den Transgender-Hype, Frühsexualisierung und ein Ausspielen der Jugendlichen und Kinder gegen ihre Eltern wird der Zusammenhalt in den Familien gefährdet.« Beleg ↗

Das Programm der AfD erwähnt Sexualaufklärung an Schulen nur einmal und abwertend, als ›Frühsexualisierung‹, die den Zusammenhalt der Familien gefährde. Mit der Evidenz von WHO oder Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung setzt es sich nicht auseinander.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Sexualaufklärung an Schulen ist die Leerstelle selbst die Vergleichsinformation: CDU, SPD, Grüne und Linke enthalten hierzu keine Aussage. Einzig die AfD positioniert sich, und zwar ablehnend — sie rahmt schulische Sexualaufklärung als „Frühsexualisierung" und als Gefährdung des familiären Zusammenhalts. Eine Auseinandersetzung mit den internationalen Standards zu Umfang, Alterstufung oder Wirksamkeit findet in keinem der fünf Programme statt.

Muster der Positionen: Zu wenige Positionen für ein Muster

Ohne Aussage: CDU, SPD, Grüne, LinkeNur die AfD positioniert sich, und zwar ablehnend — sie rahmt schulische Sexualaufklärung als „Frühsexualisierung" und als Gefährdung des familiären Zusammenhalts; mit nur einer positionierten Partei bleibt die Sachfrage unbestimmt.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Sexualaufklärung an Schulen ist die Leerstelle selbst die Vergleichsinformation: CDU, SPD, Grüne und Linke enthalten hierzu keine Aussage.«