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Wie wollen die Parteien gefährliche Hunde regeln? — Rasseliste oder Sachkundenachweis?

Sachfrage: Hundehaltung: Rasseliste versus Sachkundenachweis

Es geht darum, ob die Gefährlichkeit von Hunden ordnungsrechtlich pauschal an der Zugehörigkeit zu bestimmten Rassen (Rasseliste) festgemacht wird oder individuell an der nachgewiesenen Sachkunde der Halterin bzw. des Halters (Hundeführerschein), einschließlich etwaiger Registrierungs- oder Herkunftsnachweispflichten. Kynologische Verhaltensstudien stützen die Kritik an Rasselisten: Eine Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Mittmann, 2002) wertete 415 Wesenstests von nach der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung gelisteten Rassen aus und fand keinen signifikanten Unterschied im Aggressionsverhalten zwischen den untersuchten Rassekategorien; rund 95 Prozent der getesteten Hunde zeigten kein gestörtes oder unangemessen aggressives Verhalten. Ein kynologisches Gutachten im Auftrag eines Tierschutzverbands (Schöning) kommt zu dem Schluss, dass sich das von jeder Hundehaltung ausgehende Gefährdungspotenzial nicht wirksam durch Stigmatisierung einzelner Rassen eindämmen lässt. Mehrere Länder und Kommunen – darunter Bremen mit einem ab Juli 2026 verpflichtenden Hundeführerschein – haben ihre Regelungen entsprechend von rassebezogenen zu personenbezogenen Nachweispflichten verschoben, während andere an Rasselisten mit Ausnahme durch Wesenstest festhalten.

Forschungsstand & Quellen

Tierärztliche Hochschule Hannover, Mittmann, A.: »Untersuchung des Verhaltens von 5 Hunderassen und einem Hundetypus im Wesenstest nach den Richtlinien der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung vom 05.07.2000« (Dissertation, 2002); Schöning, B., kynologisches Gutachten »Gibt es gefährliche Hunderassen?« im Auftrag von Hund und Halter e.V.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Deshalb setzen wir uns für die Abschaffung der Hunderasseliste und die Einführung eines verhaltensbasierten Gefährlichkeitskonzepts ein, das verhaltensauffällige Hunde nicht pauschal nach Rasse, sondern individuell nach ihrem tatsächlichen Verhalten bewertet. Objektive Kriterien, Sachkunde der Halter und eine behördliche Einzelfallprüfung sollen im Mittelpunkt stehen« Beleg ↗

Das Zitat beantwortet die Kernfrage direkt und mit konkretem Ersatzinstrument: Abschaffung der Rasseliste zugunsten eines verhaltensbasierten Konzepts, das Sachkunde der Halter und individuelle Einzelfallprüfung statt pauschaler Rassezuordnung ins Zentrum stellt — die Erstauswertung hatte nur den einleitenden Satz zitiert und den entscheidenden Folgesatz mit dem konkreten Instrument übersehen.

SPD

substanziell

»Der Hundeführerschein ersetzt die Rasseliste und schafft Sicherheit durch Wissen.« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position gegen die Rasseliste und für einen individuellen Sachkundenachweis und benennt mit dem Hundeführerschein ein konkretes Ersatzinstrument samt prüfbarer Begründung.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Für mehr Tierschutz und Sicherheit schaffen wir die ungerechte Rasseliste ab und führen einen verpflichtenden Hundeführerschein ein.« Beleg ↗

Die Grünen positionieren sich klar gegen die Rasseliste und für einen personenbezogenen Sachkundenachweis: Sie wollen die Rasseliste abschaffen und einen verpflichtenden Hundeführerschein einführen. Das im Programm ebenfalls genannte Herkunftsnachweis-Feld im Hunderegister betrifft den Kampf gegen illegalen Welpenhandel und gehört zur Sachfrage ›Was planen die Parteien für den Tierschutz? — Wie sollen Tierschutzstrukturen und die Finanzierung der Tierheime gesichert werden?‹.

Die Linke

substanziell

»Wir lehnen die Vorverurteilung von Hunden aufgrund ihrer Rasse ab und wollen deshalb auch in Berlin die Rasseliste abschaffen. [...] Stattdessen sollen Strategien zur Gefahrenabwehr bei den Hundehalter*innen ansetzen, die ihre Eignung zur Hundehaltung nachweisen müssen.« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position gegen die rassebezogene Gefährlichkeitsvermutung, fordert die Abschaffung der Rasseliste in Berlin und benennt explizit das Gegenmodell: eine personenbezogene Eignungsnachweispflicht der Halter*innen anstelle der Rassezuschreibung. Damit ist die Sachfrage — Rasseliste versus individuelle Sachkunde — mit erkennbarer Position und konkretem Instrument beantwortet.

AfD

fehlt

Das Programm der AfD äußert sich nicht zur Hundehaltung, zu Rasselisten oder zu einem Sachkunde- beziehungsweise Hundeführerschein-Nachweis.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Regulierung gefährlicher Hunde sind sich vier der fünf Parteien in der Richtung einig, unterscheiden sich aber im Instrument: CDU, SPD, Grüne und Linke wollen die Rasseliste abschaffen und die Gefährlichkeitsbeurteilung auf die Halterin bzw. den Halter verlagern. SPD und Grüne setzen dafür auf einen verpflichtenden Hundeführerschein, die CDU auf ein verhaltensbasiertes Konzept mit Sachkundenachweis und behördlicher Einzelfallprüfung, die Linke auf eine allgemein gefasste Eignungsnachweispflicht der Halter*innen. Die AfD äußert sich zu Rasseliste oder Sachkundenachweis nicht; das Programm enthält hierzu keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Rasseliste abschaffen, Beurteilung auf Halter verlagern — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

CDU, SPD, Grüne und Linke nennen je ein Instrument zur Ablösung der Rasseliste, keine der vier beziffert oder terminiert es.Ohne Aussage: AfDSPD und Grüne setzen auf einen verpflichtenden Hundeführerschein, die CDU auf ein verhaltensbasiertes Konzept mit Sachkundenachweis und behördlicher Einzelfallprüfung, die Linke auf eine allgemein gefasste Eignungsnachweispflicht der Halter*innen.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Regulierung gefährlicher Hunde sind sich vier der fünf Parteien in der Richtung einig, unterscheiden sich aber im Instrument: CDU, SPD, Grüne und Linke wollen die Rasseliste abschaffen und die Gefährlichkeitsbeurteilung auf die Halterin bzw. den Halter verlagern.«