Wahlkompass Berlin

ThemenfelderSoziales

Was planen die Parteien für soziale Treffpunkte im Kiez wie Stadtteilzentren und Nachbarschaftstreffs?

Sachfrage: Quartiersbezogene soziale Infrastruktur

Soziale Infrastruktur im Wohnumfeld – Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftstreffs, mobile Stadtteilarbeit – gilt in der Stadtentwicklungsforschung als zentraler Ansatzpunkt zur Stärkung lokalen Zusammenhalts; in Berlin fördert unter anderem der Investitionspakt »Soziale Integration im Quartier« entsprechende Angebote in besonders belasteten Nachbarschaften. Die Begleitevaluation des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus (im Auftrag des Bundesfamilienministeriums) untersucht anhand standardisierter Befragungen von Koordination, Kommunen, Engagierten und Nutzenden, wie diese Häuser zu Teilhabe und Zusammenhalt beitragen; die Forschung weist zugleich darauf hin, dass ambitionierte Vorhaben in der Umsetzung aus Kostengründen häufig reduziert werden. Strittig sind Ausbauumfang, dauerhafte Finanzierung (Regel- versus Projektförderung) und die Frage, ob eigene bezirkliche Budgets für belastete Nachbarschaften vorgesehen werden. Programme unterscheiden sich darin, ob sie konkrete Finanzierungs- oder Ausbauzusagen für diese Infrastruktur machen.

Forschungsstand & Quellen

Evaluation des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus (INTERVAL GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, laufende Begleitevaluation).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

nur erwähnt

»soziale Infrastruktur in unserer Stadt ganzheitlicher planen und besser miteinander verzahnen... Fortbestand sozialer Angebote langfristig absichern« Beleg ↗

Die einzige verfügbare Fundstelle ist ein sozialpolitischer Querschnittssatz, der Obdachlosen-/Suchthilfe, psychiatrische Versorgung, Eingliederungshilfen und Angebote für Ältere in einem Atemzug nennt, ohne die in der Sachfrage benannten quartiersbezogenen Instrumente (Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftstreffs, mobile Stadtteilarbeit) konkret zu adressieren. Auch die Ausbau- oder Finanzierungsfrage für kiezbezogene Treffpunkte im engeren Sinn bleibt unbeantwortet. Da das Thema damit nur allgemein gestreift, aber keine spezifische quartiersbezogene Maßnahme benannt wird, ist nur_erwaehnt die angemessene Stufe.

SPD

substanziell

»Hierfür stären wir Orte, an denen Menschen nicht nur Angebote erhalten, sondern selbst machen – wie Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser und Nachbarschaftsprojekte.« Beleg ↗

Das Programm bezieht explizit Position zugunsten des Ausbaus quartiersbezogener sozialer Infrastruktur und benennt konkrete Einrichtungstypen (Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftsprojekte). Angaben zu dauerhafter Finanzierung oder eigenen bezirklichen Budgets fehlen, die Konkretheit liegt auf Ebene der Ortstypen, nicht der Finanzierungszusage.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Um soziale Ungleichheiten vor Ort gezielt zu bekämpfen, wollen wir die Bezirke mit Flexibudgets für besonders belastete Nachbarschaften ausstatten.« Beleg ↗
»Mit mobiler Stadtteilarbeit wollen wir Menschen erreichen, denen der Weg in ein Nachbarschaftszentrum bislang zu hochschwellig ist.« Beleg ↗
»Wir Grüne wollen soziale Angebote nah an den Menschen schaffen, gemeinsam weiterentwickeln und gemeinnützige soziale Dienstleister*innen besser vernetzen und unterstützen.« Beleg ↗

Das Programm beantwortet die Finanzierungsfrage mit eigenen bezirklichen Flexibudgets für belastete Nachbarschaften und ergänzt mobile Stadtteilarbeit als niedrigschwelligen Zugangsweg sowie die Vernetzung gemeinnütziger sozialer Dienstleister. Damit sind Ausbau- und Finanzierungszusagen für quartiersbezogene soziale Infrastruktur konkret benannt.

Die Linke

substanziell

»Die Stadtteilsorgezentren sollen niedrigschwellige Angebote auch für Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung, Kinder- und Jugendclubs sowie Angebote für Alleinerziehende, Senior*innen und pflegende Angehörige wie auch Kiezkantinen und Cafés mit günstigen Preisen bereitstellen.« Beleg ↗
»Die aufsuchende Stadtteilarbeit, die der schwarz-rote Senat abgewickelt hat, wollen wir weiterführen.« Beleg ↗
»Den Aufbau und Betrieb von insgesamt 20 Kiezkantinen wollen wir mit jährlich 10 Millionen Euro finanzieren.« Beleg ↗

Das Programm entwirft mit den Stadtteilsorgezentren ein umfassendes Konzept quartiersbezogener sozialer Infrastruktur (Kiezkantinen, Jugendclubs, Beratung, Angebote für Alleinerziehende/Senior*innen), sichert die aufsuchende Stadtteilarbeit und beziffert eine konkrete Finanzierungszusage (20 Kiezkantinen, 10 Mio. €/Jahr) – damit klar über die reine Problembeschreibung hinaus.

AfD

fehlt

Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftstreffs oder ein Investitionspakt-Bezug fehlen vollständig; der bisher hier geführte Beleg betraf Familienzentren, eine institutionell andere Angebotsform (familienbezogene Einrichtung statt allgemeiner nachbarschaftlicher Treffpunkt) und wurde deshalb gestrichen.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei sozialer Infrastruktur im Kiez trennt die Parteien vor allem die Konkretheit der Finanzierungszusage. Die Linke beziffert sie am genauesten mit dem Aufbau von 20 Kiezkantinen für jährlich 10 Millionen Euro im Rahmen ihrer Stadtteilsorgezentren; die Grünen sagen eigene bezirkliche Flexibudgets für belastete Nachbarschaften sowie mobile Stadtteilarbeit zu. Die SPD benennt konkrete Einrichtungstypen (Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftsprojekte) ohne eigene Finanzierungszusage. Die CDU streift das Thema nur im Rahmen einer allgemeinen Aussage zu sozialer Infrastruktur, ohne quartiersbezogene Instrumente konkret zu benennen. Die AfD äußert sich zu dieser Sachfrage nicht.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Ausbau quartiersbezogener sozialer Infrastruktur — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Die Linke beziffert ihr Vorhaben mit 20 Kiezkantinen und 10 Millionen Euro jährlich, SPD und Grüne nennen ihre Instrumente ohne Zahl oder Termin.Ohne Aussage: CDU, AfDDie Linke beziffert die Finanzierung am genauesten (20 Kiezkantinen, 10 Mio. Euro jährlich), die Grüne sagt Flexibudgets zu, die SPD benennt Einrichtungstypen ohne eigene Finanzierungszusage.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei sozialer Infrastruktur im Kiez trennt die Parteien vor allem die Konkretheit der Finanzierungszusage.«

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