Wie wollen die Parteien den öffentlichen Dienst als Arbeitgeber attraktiver machen? — Bezahlung, Arbeitszeit, Ausbildung oder Übernahme?
Sachfrage: Personalgewinnung und Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst
Frage, mit welchen Instrumenten der öffentliche Dienst im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen soll — Besoldung/Tarifangleichung, flexible Arbeitszeitmodelle, Aus- und Fortbildung, Übernahmeperspektiven. Der öffentliche Sektor in Deutschland steht laut Prognosen bis 2030 einem Fehlbestand von mehreren Hunderttausend Fachkräften gegenüber, betroffen sind neben Lehr- und Pflegekräften auch Verwaltungsberufe. Auch Berlin weist in mehreren Verwaltungsbereichen (u. a. IT, Ingenieurwesen, Sozialarbeit) ausgewiesene Engpassberufe auf. Politisch strittig ist, ob primär über höhere Vergütung, über Arbeitszeitattraktivität oder über strukturelle Reformen (Aufgabenkritik, Digitalisierung als Entlastung) gegengesteuert werden soll.
Forschungsstand & Quellen
Senatsverwaltung für Finanzen Berlin / Statistikstelle Personal, »Bericht über Engpassberufe im Land Berlin« (2025); PricewaterhouseCoopers (PwC), Prognose zum Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor Deutschland bis 2030.
»ein zentrales, strategisch gesteuertes Talentmanagement für die Berliner Verwaltung« Beleg ↗
»Besoldung der Berliner Beamten neu strukturieren, auf dem Stand vergleichbarer Tarifbeschäftigter halten und Tariferhöhungen übertragen« Beleg ↗
»Personalpolitik aus einem Guss – Verwaltung für Landespersonal und Einstellungsbehörde unter einem Dach zusammenführen« Beleg ↗
Das Programm nennt mehrere konkrete Instrumente zur Personalgewinnung und -bindung: ein zentrales Talentmanagement, eine Neustrukturierung der Beamtenbesoldung mit Übertragung von Tariferhöhungen sowie die organisatorische Zusammenführung von Personalverwaltung und Einstellungsbehörde zu einer einheitlichen Personalpolitik.
SPD
teilweise
»Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden – unabhängig davon, ob sie im Bezirk oder auf Landesebene geleistet wird.« Beleg ↗
»Zur Förderung beruflicher Wechsel stellen wir ... sicher, dass erworbene Versorgungsansprüche erhalten bleiben wie Betriebsrenten (sogenanntes Altersgeld).« Beleg ↗
Das Programm berührt Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst über eine Lohngleichheits-Zusage zwischen Bezirk und Landesebene sowie über die Absicherung von Versorgungsansprüchen (Altersgeld) bei beruflichem Wechsel aus dem Beamtenverhältnis. Eine gezielte Aussage zur Fachkräftegewinnung selbst – Besoldungsniveau im Wettbewerb, Arbeitszeitmodelle, Aus- und Fortbildung oder Übernahmeperspektiven für neues Personal – fehlt.
Bündnis 90/Die Grünen
substanziell
»Stellenbesetzungsverfahren sind zu langwierig, eine zentrale behörden- und ebenenübergreifende Personalplanung findet nicht statt... Wir Bündnisgrüne wollen das ändern.« Beleg ↗
»eine stärkere Flexibilisierung durch mobiles Arbeiten, Jobsharing und Führen in Teilzeit zu ermöglichen« Beleg ↗
»Das Landesverwaltungsamt wollen wir zum zentralen Personaldienstleister für die gesamte Berliner Verwaltung weiterentwickeln.« Beleg ↗
»werden wir sprachliche Zugangshürden im Einstellungsprozess senken« Beleg ↗
Das Programm nennt konkrete Instrumente für Personalgewinnung und Arbeitsbedingungen: Bündelung der Rekrutierung beim Landesverwaltungsamt, flexible Arbeitszeitmodelle sowie gesenkte sprachliche Zugangshürden mit Sprachkursangeboten während der Probezeit.
Die Linke
substanziell
»Wir werden daher die bereits tarifierte Hauptstadtzulage für alle umsetzen, ein Besoldungsniveau im Mittel aller Länder anstreben und darüber hinaus Entfristungen und Aufstiegsmöglichkeiten ... schaffen.« Beleg ↗
»Vier-Tage- bzw. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich im öffentlichen Dienst für Modellprojekte geprüft wird.« Beleg ↗
»Wir wollen daher einen Fonds für Gute Arbeit einrichten ... Maßnahmen, die der Fachkräftesicherung oder -gewinnung dienen, refinanzieren.« Beleg ↗
»Wir brauchen darüber hinaus ein AusbildungsLAB, das die Potenziale für eine offensive Modernisierung der Verwaltung auslotet.« Beleg ↗
»Mit einer schrittweisen Angleichung der beiden Tarifverträge TVL und TvöD wollen wir zugleich auch die Ungleichbehandlung ... beenden.« Beleg ↗
Substanziell positioniert mit einem breiten Instrumentenbündel entlang aller vier Achsen: Besoldung/Tarif (Hauptstadtzulage, Besoldungsniveau, TVL/TVöD-Angleichung), Arbeitszeit (4-Tage-Woche als Modellprojekt), Übernahmeperspektiven (Entfristungen, Aufstiegsmöglichkeiten) sowie ein eigenes AusbildungsLAB und ein Fonds für Gute Arbeit zur Fachkräftegewinnung.
AfD
fehlt
Wie der öffentliche Dienst als Arbeitgeber attraktiver werden soll — über Bezahlung, Arbeitszeit, Ausbildung oder Übernahme —, sagt das Programm der AfD nicht. Die einzige personalnahe Stelle im Programm betrifft die Haushaltspriorisierung für Investitionen, nicht die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Bei der Attraktivität des öffentlichen Dienstes trennt die Parteien vor allem die Breite des Instrumentenbündels: Die Linke deckt mit Besoldungs-/Tarifangleichung (Hauptstadtzulage, TVL-TVöD-Angleichung), einem Arbeitszeit-Modellprojekt (Vier-Tage-Woche), Übernahmeperspektiven (Entfristungen) sowie einem eigenen Ausbildungslabor und Fonds für Gute Arbeit alle vier Achsen ab. CDU und Grüne setzen jeweils auf ein kleineres, aber konkretes Set: die CDU auf zentrales Talentmanagement und eine neu strukturierte Beamtenbesoldung, die Grünen auf eine gebündelte Personalgewinnung beim Landesverwaltungsamt, flexible Arbeitszeitmodelle und gesenkte sprachliche Zugangshürden. Die SPD berührt das Thema nur am Rand über eine Lohngleichheits-Zusage zwischen Bezirk und Landesebene und die Absicherung von Versorgungsansprüchen bei beruflichem Wechsel, ohne selbst Instrumente zur gezielten Fachkräftegewinnung zu benennen. Das Programm der AfD enthält hierzu keine Aussage.
Muster der Positionen: Gleiche Richtung
Gemeinsame Richtung: öffentlichen Dienst als Arbeitgeber attraktiver machen — wie verbindlich legen sich die Programme fest?
Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin
CDU, Grüne und Linke benennen jeweils Instrumente ohne Zahl oder Termin, die SPD bleibt beim bloßen Bekenntnis zu gleicher Bezahlung ohne benanntes Instrument.Ohne Aussage: AfDDie Linke deckt mit einem breiten Instrumentenbündel (Besoldung, Arbeitszeit, Übernahme, Ausbildung) alle vier Achsen ab, CDU und Grüne setzen jeweils auf ein kleineres konkretes Set, die SPD berührt das Thema nur am Rand.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Bei der Attraktivität des öffentlichen Dienstes trennt die Parteien vor allem die Breite des Instrumentenbündels«