Wahlkompass Berlin

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Was sagen die Parteien zu einer Olympia-Bewerbung Berlins?

Sachfrage: Olympiabewerbung Berlin

Ob sich Berlin um Olympische bzw. Paralympische Spiele bewirbt, unter welchen Bedingungen (Kostentransparenz, Nachhaltigkeit, Menschenrechtsstandards) und mit welcher Haltung dazu — auch eine ablehnende oder kritische Position zählt als Behandlung der Sachfrage. Der Deutsche Olympische Sportbund bewertet nationale Bewerberstädte nach fünf Kriterien: internationale Wettbewerbsfähigkeit, nationale Akzeptanz, sportfachlich-operative Eignung, Vision/Nachhaltigkeit und Kosten; frühere Kostenschätzungen für eine Berliner Ausrichtung lagen bei rund 2,4 Milliarden Euro. Eine repräsentative bundesweite Umfrage fand im Herbst 2025 eine klare Mehrheit der Befragten für eine erneute deutsche Olympiabewerbung, während die Zustimmung einzelner Bewerberstädte in Bürgerentscheiden unterschiedlich ausfiel (München 66,4 Prozent Zustimmung im Oktober 2025). Für Berlin gilt die nationale Akzeptanz im Städtevergleich als schwächer ausgeprägt.

Forschungsstand & Quellen

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Bewertungskriterien für die nationale Olympiabewerbung (2025) sowie repräsentative Meinungsumfrage zur Olympiabewerbung, zitiert nach Der Tagesspiegel (2025).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

Wortlaut: Ziel

»Wir unterstützen ausdrücklich eine deutsche Olympiabewerbung mit starker Beteiligung Berlins« Beleg ↗
»klare und entschlossene Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele ... Olympia verstehen wir als nachhaltiges Zukunftsprojekt, das Impulse für Stadtentwicklung, Infrastruktur, Wohnungsbau und den Sport setzt« Beleg ↗

Das Programm bezieht eindeutig befürwortende Position zur Olympiabewerbung und begründet sie inhaltlich über Impulse für Stadtentwicklung und Infrastruktur. Kostentransparenz, Menschenrechtsstandards oder ein konkretes Nachhaltigkeitskonzept werden nicht ausbuchstabiert, die Positionierung selbst ist aber klar und mehrfach belegt.

SPD

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele nach Berlin holen. Sie sollen nachhaltig sein und der Stadt langfristig nutzen und sind eine Chance, in Infrastruktur, Sportentwicklung, Stadtplanung und Barrierefreiheit zu investieren.« Beleg ↗
»Wir bieten dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Bundesregierung mit ›Berlin+‹ ein Konzept für Spiele ohne Gigantismus an, auf Basis bestehender Sportstätten und in einem breiten Bündnis mit anderen Bundesländern.« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar befürwortend Position zu einer Berliner Olympiabewerbung und unterlegt sie mit einem konkreten Konzept (›Berlin+‹: Verzicht auf Gigantismus, Nutzung bestehender Sportstätten, Länderbündnis) sowie einer Nachhaltigkeitsbedingung.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

Wortlaut: ohne Verpflichtungsform

»Der Bewerbungsprozess des Senats ist intransparent, kostenintensiv und ein unnötiger innerdeutscher Wettbewerb, der durch bessere Planung und Steuerung hätte vermieden werden können.« Beleg ↗
»Strukturelle Demokratiedefizite, mangelnde Transparenz, unzureichende Mitbestimmung von Athlet*innen sowie eine schwache menschenrechtliche Verantwortung prägen das System der Olympischen Spiele.« Beleg ↗

Die Grünen positionieren sich kritisch zum Berliner Olympia-Bewerbungsprozess: Er sei intransparent, kostenintensiv und ein unnötiger innerdeutscher Wettbewerb, der sich durch bessere Planung hätte vermeiden lassen. Untermauert wird dies mit strukturellen Einwänden gegen das Bewerbungssystem selbst — Demokratiedefizite, mangelnde Transparenz, unzureichende Mitbestimmung der Athletinnen und Athleten sowie eine schwache menschenrechtliche Verantwortung.

Die Linke

substanziell

Wortlaut: Festlegung

»Angesichts der dramatischen Unterfinanzierung des Breitensports, der Krise der Daseinsvorsorge und der sozialen Spaltung in unserer Stadt ist eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele unverantwortlich.« Beleg ↗
»Das Sportforum Hohenschönhausen entwickeln wir zum gelebten Gegenentwurf zu olympischer Gigantomanie: Statt Milliarden in temporären Bauten zu versenken, investieren wir hier nachhaltig in das ›Herz des Berliner Leistungssports‹.« Beleg ↗
»Unser Leitbild ist hier nicht die gigantische Event-Arena für das International Olympic Comittee (IOC), sondern ein ›Sportpark für alle Berliner*innen‹.« Beleg ↗

Das Programm der Linken lehnt eine Olympiabewerbung Berlins ausdrücklich als unverantwortlich ab und begründet dies mit der Unterfinanzierung des Breitensports – eine ablehnende Position beantwortet die Frage ebenso wie eine zustimmende. Die weiteren Aussagen führen dies aus: Das Sportforum Hohenschönhausen soll zum Gegenentwurf zu ›olympischer Gigantomanie‹ entwickelt werden, mit einem ›Sportpark für alle Berliner*innen‹ statt einer Event-Arena für das IOC als eigenem Leitbild.

AfD

substanziell

Wortlaut: Ziel

»Wir unterstützen eine Berliner Olympiabewerbung als wichtigen Impuls für den Spitzen- und Breitensport ... Als Voraussetzung für eine Bewerbung müssen eine vollkommene Kostentransparenz und die Nachnutzung der für Olympia geschaffenen Sportstätten sichergestellt sein« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar zustimmende Position und benennt zugleich Bedingungen (Kostentransparenz, Nachnutzung der Sportstätten) — beides von der Sachfrage ausdrücklich verlangte Kriterien.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der RedaktionGrundlage sind die oben belegten Antworten. Die Einordnung beschreibt, was die Parteien vorhaben. Mehr zur Methode

Bei der Olympiabewerbung teilt sich das Feld entlang einer grundsätzlichen Ja-Nein-Achse: SPD und CDU befürworten die Bewerbung offen, die SPD mit einem eigenen Konzept ohne Gigantismus (»Berlin+«, bestehende Sportstätten, Länderbündnis), die CDU mit Verweis auf Impulse für Stadtentwicklung und Infrastruktur. Die AfD befürwortet ebenfalls, bindet ihre Zustimmung aber an Bedingungen — vollständige Kostentransparenz und Nachnutzung der Sportstätten. Linke und Grüne lehnen die Bewerbung beziehungsweise den bisherigen Bewerbungsprozess ab: Die Linke begründet dies mit der Unterfinanzierung des Breitensports und setzt einen eigenen »Sportpark für alle« als Gegenentwurf, die Grünen kritisieren Intransparenz und strukturelle Demokratie- und Menschenrechtsdefizite des IOC-Systems.

Muster der Positionen: Zwei Richtungen

Befürwortung der Olympia-Bewerbung
Ablehnung der Olympia-Bewerbung

CDU und SPD befürworten die Olympiabewerbung ohne Vorbehalte, die AfD bindet ihre Zustimmung an Bedingungen wie Kostentransparenz und Nachnutzung, während Linke und Grüne die Bewerbung ablehnen.Die AfD bindet ihre Zustimmung an Bedingungen (Kostentransparenz, Nachnutzung der Sportstätten); SPD und CDU befürworten ohne solche Vorbehalte.Die Reihenfolge folgt den Programmtexten; die Abstände zwischen den Plätzen sind gleich.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Olympiabewerbung teilt sich das Feld entlang einer grundsätzlichen Ja-Nein-Achse: SPD und CDU befürworten die Bewerbung offen ... Linke und Grüne lehnen die Bewerbung beziehungsweise den bisherigen Bewerbungsprozess ab.«

Wie sich die Positionen entwickelt haben

Frühere Wahlprogramme (2016, 2021, 2023), Parteitagsbeschlüsse seit 2021 und Koalitionsverträge im Vergleich mit dem Programm 2026 — jede frühere Stelle wörtlich und mit Fundort. Koalitionsverträge sind gemeinsame Festlegungen mehrerer Parteien. Alle Befunde im Überblick

CDU Linie gehalten

2023 bekräftigte die CDU im Koalitionsvertrag mit der SPD die Bereitschaft Berlins zu einer Olympiabewerbung, im Dezember 2025 unterstützte sie ausdrücklich die gemeinsame Bewerbung mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen; 2026 befürwortet sie die Bewerbung weiterhin.

  • 2023 »Die Koalition bekräftigt die Bereitschaft, dass Berlin als ein Austragungsort im Rahmen einer möglichen nationalen Bewerbung mit einem nachhaltigen Konzept um die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Sommerspielen in Deutschland zur Verfügung steht.« — Koalitionsvertrag (gemeinsame Festlegung): Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU Berlin und SPD Berlin, S. 118
  • 2025 »Die CDU Berlin unterstützt ausdrücklich die Entscheidung des Senats, sich gemeinsam mit den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele zu bewerben.« — Parteitagsbeschluss: Ja zu Olympia, S. 1

SPD uneinheitlich

Der Koalitionsvertrag 2023 bekräftigte die Bereitschaft, Berlin als Austragungsort für eine nationale Olympia-Bewerbung anzubieten; ein Landesparteitagsbeschluss vom Mai 2024 forderte die sozialdemokratischen Mitglieder von Senat und Abgeordnetenhaus dagegen auf, sich gegen eine erneute Bewerbung für 2036 oder 2040 einzusetzen. 2026 tritt die SPD mit dem eigenen Konzept 'Berlin+' wieder für eine Bewerbung ein.

Grüne erstmals 2026

2016 diente eine gescheiterte Olympia-Bewerbung der Partei nur als Beispiel für mehr Bürgerbeteiligung, ohne eigene Position zu einer künftigen Bewerbung; 2026 lehnt sie eine erneute Bewerbung wegen Intransparenz und Demokratiedefiziten des Verfahrens ab.

Linke Linie gehalten

Die Linke lehnt eine Olympiabewerbung Berlins bereits seit 2016 ab, 2023 bekräftigte ein einstimmiger Parteitagsbeschluss diese Ablehnung; 2026 begründet sie ihre Position erneut mit der Unterfinanzierung des Breitensports.

AfD erstmals 2026

Zu einer Berliner Olympiabewerbung äußern sich die früheren AfD-Programme nicht; 2026 unterstützt die AfD erstmals eine Bewerbung, geknüpft an Kostentransparenz und Nachnutzung der Sportstätten.