Wahlkompass Berlin

ThemenfelderKultur

Wie wollen die Parteien kostengünstigen oder kostenfreien Zugang zu Kulturangeboten sichern? — Über Kulturguthaben, freie Eintrittstage oder andere Instrumente?

Sachfrage: Niedrigschwelliger und kostengünstiger Zugang zu Kulturangeboten

Sachfrage ist der preisliche Zugang zu Kulturangeboten für die Bürger:innen selbst – Kulturguthaben, kostenfreie oder ermäßigte Eintrittstage, kostenlose Raumnutzung – als Instrument gegen soziale Ungleichheit beim Kulturbesuch. Eine vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium beauftragte, nach eigenen Angaben bundesweit umfangreichste Evaluationsstudie zum freien Museumseintritt kommt zu einem ambivalenten Befund: Formal bildungsferne oder grundsätzlich kulturdistanzierte Bevölkerungsgruppen werden durch freien Eintritt allein kaum stärker erreicht, der Eintrittspreis ist für Nichtbesuchende meist nicht der Hauptgrund fürs Fernbleiben; wirksam wird freier Eintritt nur in Kombination mit gezielten Vermittlungsangeboten und besucherorientierten Öffnungszeiten. Der bundesweite KulturPass für 18-Jährige (2023–2025, rund 500.000 Nutzende) wurde nach einer Überprüfung zum Jahresende 2025 eingestellt. Strittig ist entsprechend, ob Preisinstrumente wie Kulturguthaben und freie Eintrittstage allein ausreichen oder ergänzender Vermittlungsarbeit beziehungsweise anderer Zugangsformen bedürfen.

Forschungsstand & Quellen

Kulturevaluation Wegner / Dr. Tom Schößler im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Evaluationsbericht »Freier Eintritt in die Dauerausstellungen der Landesmuseen« (2019), laut Ministerium die bundesweit umfangreichste Studie zu diesem Instrument; Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bilanz des bundesweiten KulturPasses für 18-Jährige (Laufzeit 2023–2025, rund 500.000 Nutzende, zum Jahresende 2025 eingestellt).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

nur erwähnt

»Mit Fairgnügen schafft Berlin deshalb Zugang zu mehr als 400 kostenlosen oder vergünstigten Angeboten für Menschen mit geringem Einkommen« Beleg ↗

Die CDU nennt das städtische Rabattprogramm ›Fairgnügen‹ mit über 400 kostenlosen oder vergünstigten Angeboten für Menschen mit geringem Einkommen als Beispiel bestehender Liegenschaftspolitik, ohne ein eigenes kulturspezifisches Zugangsinstrument vorzuschlagen.

SPD

substanziell

»Mit der ›Jugendkulturkarte‹ führen wir das 50-Euro-Kulturguthaben pro Jahr für alle Berliner*innen zwischen 18 und 23 Jahren wieder ein.« Beleg ↗
»Kostengünstige oder kostenlose Angebote wie den Museumssonntag führen wir deshalb wieder ein.« Beleg ↗
»Analog zum Sport sollen Räume kostenlos zur Verfügung gestellt werden.« Beleg ↗

Die SPD kündigt ein jährliches 50-Euro-Kulturguthaben (›Jugendkulturkarte‹) für 18- bis 23-Jährige an, will den kostenfreien Museumssonntag wieder einführen und Räume analog zum Sport kostenlos zur Verfügung stellen.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Deshalb wollen wir den kostenfreien Museumssonntag wieder einführen und schrittweise ausweiten: Langfristig sollten nicht nur Bezirksmuseen und kommunale Galerien keinen Eintritt kosten, sondern auch die Dauerausstellungen der Landesmuseen.« Beleg ↗

Die Grünen wollen den kostenfreien Museumssonntag wieder einführen und schrittweise ausweiten, langfristig bis zu freiem Eintritt in die Dauerausstellungen der Landesmuseen.

Die Linke

substanziell

»Wir setzen uns für die dauerhafte Einführung des Landes-KulturPasses für junge Menschen von 16 bis 21 Jahren ein; das Guthaben soll 100 Euro pro Person und Jahr betragen.« Beleg ↗
»Die kommunalen Bezirksgalerien werden für die Ausweitung ihrer kostenfreien Angebote besser ausgestattet, ebenso die kulturellen Angebote für Inhaber*innen der Ehrenamtskarte.« Beleg ↗

Die Linke fordert einen dauerhaften Landes-KulturPass mit 100 Euro Jahresguthaben für 16- bis 21-Jährige, eine bessere Ausstattung der Bezirksgalerien für kostenfreie Angebote sowie kulturelle Vergünstigungen für Inhaber*innen der Ehrenamtskarte.

AfD

teilweise

»Neben unseren kulturellen Leuchttürmen wie den Opernhäusern darf die Breitenkultur nicht aus dem Blick geraten. Insbesondere wollen wir die Kulturarbeit in den Außenbezirken verbessern. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Bereitstellung von Räumlichkeiten. Dabei soll kulturelle Teilhabe auf die gestalterische Selbständigkeit der Menschen zielen und nicht bloß den Kulturkonsum fördern.« Beleg ↗
»Denn Kunst und Kultur dürfen nicht zum Privileg einiger weniger werden.« Beleg ↗

Die AfD will kulturelle Teilhabe vor allem über kostenlose Räumlichkeiten in den Außenbezirken herstellen und grenzt dies ausdrücklich von einer bloßen Förderung des ›Kulturkonsums‹ ab; anders als SPD, Grüne und Linke schlägt sie kein Guthaben- oder Eintrittsmodell vor.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Beim niedrigschwelligen Kulturzugang einigen sich SPD, Grüne und Linke auf denselben Instrumententyp – die Absenkung des Eintrittspreises –, unterscheiden sich aber in Betrag und Zuschnitt. Die SPD kündigt ein jährliches 50-Euro-Kulturguthaben (›Jugendkulturkarte‹) für 18- bis 23-Jährige an und will den kostenfreien Museumssonntag wieder einführen; die Linke setzt auf einen dauerhaften Landes-KulturPass mit 100 Euro Jahresguthaben für 16- bis 21-Jährige sowie besser ausgestattete, kostenfreie Bezirksgalerien; die Grünen wollen den Museumssonntag wieder einführen und schrittweise bis zu den Dauerausstellungen der Landesmuseen ausweiten, ohne einen Betrag zu nennen. Die AfD setzt an einem anderen Punkt an: Sie will kulturelle Teilhabe vor allem über kostenlose Räumlichkeiten in den Außenbezirken herstellen und grenzt dies ausdrücklich von einer bloßen Förderung des ›Kulturkonsums‹ ab, ohne ein Guthaben- oder Eintrittsmodell vorzuschlagen. Die CDU nennt mit ›Fairgnügen‹ ein bestehendes städtisches Rabattprogramm für Menschen mit geringem Einkommen, ohne ein eigenes kulturspezifisches Instrument anzukündigen.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Einführung oder Ausweitung preislicher Zugangsinstrumente (Kulturguthaben, freier Eintritt) — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

SPD und Linke beziffern ihr Guthaben-Modell mit 50 beziehungsweise 100 Euro pro Jahr, die Grünen bleiben beim Instrument des Museumssonntags ohne Betragsangabe. AfD: äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage — Die AfD setzt stattdessen auf kostenlose Räumlichkeiten in den Außenbezirken und grenzt Teilhabe explizit von reinem ›Kulturkonsum‹ ab.Ohne Aussage: CDUSPD und Linke beziffern ihr Guthaben-Modell (50 bzw. 100 Euro pro Jahr), die Grünen bleiben beim Instrument des kostenfreien Museumssonntags ohne Betragsangabe.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Beim niedrigschwelligen Kulturzugang einigen sich SPD, Grüne und Linke auf denselben Instrumententyp – die Absenkung des Eintrittspreises –, unterscheiden sich aber in Betrag und Zuschnitt.«