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Wie erklären die Parteien den Lehrkräftemangel? — Sehen sie demografische oder andere Ursachen?

Sachfrage: Ursachenforschung zum Lehrkräftemangel: demografische und strukturelle statt allein motivationale Erklärungen

Bildungsforschung und Kultusministerkonferenz führen den akuten Lehrkräftemangel primär auf demografische Verwerfungen zurück: eine große Pensionierungswelle geburtenstarker Jahrgänge trifft auf kleine nachrückende Studierendenkohorten, verschärft durch gestiegene Schülerzahlen (u. a. Ganztag, Inklusion) und eine allgemeine Fachkräftekonkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Empfohlen werden strukturelle Gegenmaßnahmen, nicht in erster Linie eine Attraktivitätssteigerung des Berufsbilds allein.

Forschungsstand & Quellen

Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK), »Empfehlungen zum Umgang mit dem akuten Lehrkräftemangel« (Stellungnahme 2023, aktualisierte Fassung vom 05.04.2023): benennt Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation bei gleichzeitig kleinen nachrückenden Geburtskohorten und steigendem strukturellem Mehrbedarf (Ganztag, Inklusion) als Hauptursachen und empfiehlt vorrangig eine bessere Verteilung/Entlastung des vorhandenen Personals statt allein zusätzlicher Anwerbung.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Das Programm der CDU benennt keine Ursachen für den Lehrkräftemangel — weder demografische Gründe wie die Pensionierungswelle oder wachsende Schülerzahlen noch andere Erklärungen. Es beschreibt nur Abhilfemaßnahmen wie Verbeamtung und Quereinstieg, nicht die Ursachen selbst.

SPD

fehlt

Das Programm der SPD benennt keine Ursachen des Lehrkräftemangels — etwa eine Pensionierungswelle, demografische Verwerfungen oder Konkurrenz um Fachkräfte —, sondern geht direkt zu Gegenmaßnahmen über, ohne eine Diagnose zu formulieren.

Bündnis 90/Die Grünen

nur erwähnt

»Gleichzeitig rechnet der Senat den gravierenden Lehrkräftemangel schön.« Beleg ↗

Der Lehrkräftemangel wird nur als Faktum benannt und dem Senat als Beschönigung vorgeworfen — das ist eine bloße Erwähnung, keine Auseinandersetzung mit der Kernfrage nach den Ursachen. Weder demografische Erklärungen (Pensionierungswelle, kleine Studierendenkohorten) noch eine strukturelle statt motivationale Erklärung werden angesprochen; gesucht wurde nach 'demografisch', 'Pensionierung', 'geburtenstark', 'Ursache' ohne Treffer. Herabstufung gegenüber der Vorfassung, weil die Fundstelle die Ursachenfrage nicht berührt, sondern nur den Umgang des Senats mit dem Problem kommentiert.

Die Linke

teilweise

»nicht die Rückkehr zur Verbeamtung, sondern allein Rechentricks des Senats haben den Lehrkräftemangel in den letzten Jahren reduziert« Beleg ↗
»Die temporäre Aussetzung des Profilbedarfs II sowie die erhöhte Lehrverpflichtung für Referendar*innen – zusammen eine Streichung von 470 Vollzeitstellen – wollen wir rückgängig machen« Beleg ↗

Das Programm benennt eine Ursache des Lehrkräftemangels, rahmt sie aber politisch (Senatsentscheidungen, Stellenstreichungen) statt demografisch-strukturell im Sinne der Bildungsforschung. Die von der Sachfrage benannte demografische Ursachenanalyse (Pensionierungswelle, Studierendenkohorten) wird an keiner der geprüften Stellen aufgegriffen.

AfD

fehlt

Das Programm thematisiert den Lehrermangel wiederholt als Faktum und schlägt Gegenmaßnahmen vor, liefert aber an keiner Stelle eine Ursachenanalyse; eine Suche nach demografischen Begriffen (Pensionierung, geburtenschwach, Babyboomer) im Zusammenhang mit dem Lehrkräftemangel bleibt ergebnislos. Die von der SWK betonte demografische Erklärung fehlt vollständig.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Erklärung des Lehrkräftemangels liefern SPD, CDU und AfD keine Ursachenanalyse — ihre Programme benennen den Mangel als Faktum und gehen direkt zu Gegenmaßnahmen über, ohne demografische oder strukturelle Erklärungen wie die von der Kultusministerkonferenz benannte Pensionierungswelle zu thematisieren. Grüne und Linke berühren die Frage nur am Rand: Die Grünen werfen dem Senat vor, den Mangel „schönzurechnen“, ohne selbst Ursachen zu benennen; die Linke rahmt eine Ursache politisch als Folge von Senatsentscheidungen — konkret die Streichung von 470 Vollzeitstellen durch die Aussetzung des Profilbedarfs II und die erhöhte Lehrverpflichtung für Referendar*innen — statt demografisch-strukturell. Keine der fünf Parteien greift die demografische Erklärung der Bildungsforschung auf.

Muster der Positionen: Zu wenige Positionen für ein Muster

Ohne Aussage: CDU, SPD, Grüne, AfDNur die Linke ist teilweise positioniert und rahmt eine Ursache politisch als Folge von Senatsentscheidungen (Streichung von 470 Vollzeitstellen, erhöhte Lehrverpflichtung für Referendar*innen); die Grünen berühren die Frage nur am Rand ohne eigene Ursachenbenennung und gelten damit als ohne Aussage.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der Erklärung des Lehrkräftemangels liefern SPD, CDU und AfD keine Ursachenanalyse — ihre Programme benennen den Mangel als Faktum und gehen direkt zu Gegenmaßnahmen über, ohne demografische oder strukturelle Erklärungen wie die von der Kultusministerkonferenz benannte Pensionierungswelle zu thematisieren.«

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