Wahlkompass Berlin

ThemenfelderGesundheit

Was planen die Parteien für die Berliner Krankenhäuser? — Wie gehen sie mit der Krankenhausreform und dem Sanierungsstau um?

Sachfrage: Krankenhausreform, -finanzierung und stationäre Infrastruktur

Es geht um die Umsetzung der bundesweiten Krankenhausreform (Leistungsgruppen, Vorhaltevergütung jenseits reiner Fallpauschalen) sowie um die Investitionsmittel gegen den Sanierungs- und Modernisierungsstau der Berliner Kliniken. Bundesweit schrieben 2024 rund zwei Drittel der Krankenhäuser Verluste, und laut Krankenhausbarometer stellen neun von zehn Häuser Investitionen zurück, weil die Reformumsetzung Planungssicherheit fehlen lässt. Für Berlin haben die Klinikträger einen jährlichen Investitionsbedarf von rund 350 Millionen Euro bis 2030 angemeldet; die regulären Landesmittel für die stationäre Versorgung liegen für 2026/2027 bei 163 Millionen Euro jährlich, ergänzt um Landesanteile am Bundes-Transformationsfonds. Strittig ist vor allem, wer die Finanzierungslücke schließt (Land, Bund, Kliniken selbst) und wie wohnortnahe stationäre Kapazitäten bei gleichzeitiger Spezialisierung gesichert werden.

Forschungsstand & Quellen

Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), Krankenhaus Barometer 2025 (im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft, erschienen Dezember 2025); Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin, Pressemitteilung zum Landeshaushalt 2026/2027 und zur Krankenhausinvestitionsfinanzierung (2025).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»die Umsetzung der Krankenhausreform mit einem klaren, verlässlichen und gemeinsam mit allen Berliner Krankenhausträgern erarbeiteten Konzept vorantreiben. Durch gezielte Investitionen in Infrastruktur und Ausstattung« Beleg ↗
»Berlin als Standort der Spitzenmedizin stärken... auskömmliche Investitionsmittel in Infrastruktur, Digitalisierung, Spitzenforschung« Beleg ↗
»Aktionsbündnis ›Bürokratieabbau für Berliner Krankenhäuser‹... erfolgreich zu Ende führen« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position zur Reformumsetzung (gemeinsam mit den Trägern erarbeitetes Konzept, gezielte Investitionsmittel für Infrastruktur inklusive Charité, Bürokratieabbau-Bündnis), lässt aber offen, wer die konkrete Finanzierungslücke zwischen Land, Bund und Kliniken schließt.

SPD

substanziell

»Die SPD Berlin setzt sich vor diesem Hintergrund für eine auskömmliche Finanzierung ein. Gleichzeitig treiben wir die Krankenhausreform voran.« Beleg ↗
»Damit Berlin die für die Krankenhausreform bereitgestellten Bundesmittel voll nutzt, stellen wir die nötigen Landesmittel bereit.« Beleg ↗
»erhöhen wir den staatlichen Zuschuss an das Universitätsklinikum ... Mit dem Bund verhandeln wir über eine weitere Unterstützung im Rahmen der Hauptstadtaufgaben« Beleg ↗

Das Programm bezieht klar Position zur Krankenhausreform (Landesmittel zur Komplementierung der Bundesmittel, auskömmliche Finanzierung gegen Defizite und Investitionsstau) und benennt konkrete Instrumente: Landesmittel-Bereitstellung, erhöhter Zuschuss ans Universitätsklinikum, Verhandlungen mit dem Bund über Hauptstadtaufgaben-Mittel.

Bündnis 90/Die Grünen

teilweise

»Damit Menschen informierte Entscheidungen über die ihnen zur Verfügung stehenden Versorgungsangebote treffen können, nehmen wir die Berichterstattung der Transparenzdaten zur Krankenhausbehandlung wieder auf, bauen diese aus und ermöglichen öffentliche Berichte je Krankenhausstandort.« Beleg ↗
»Zudem sehen wir die Notwendigkeit der Schaffung Integrierter Notfallzentren (INZ).« Beleg ↗
»Wir Grüne werden den Runden Tisch ›Barrierefreie Stadt‹ ... reaktivieren, um Einrichtungen der Gesundheitsversorgung – einschließlich Krankenhäusern – sukzessive barrierefrei umzubauen.« Beleg ↗

Krankenhäuser werden mehrfach berührt — Wiederaufnahme und Ausbau öffentlicher Transparenzberichte je Klinikstandort, Schaffung Integrierter Notfallzentren sowie ein barrierefreier Umbau auch von Krankenhäusern —, doch die Kernsachfrage nach Umsetzung der bundesweiten Krankenhausreform (Leistungsgruppen, Vorhaltevergütung) und der konkreten Finanzierungslücke gegen den Sanierungsstau der Berliner Kliniken bleibt unbeantwortet.

Die Linke

substanziell

»Wir setzen uns daher im Bund weiter für eine echte Überwindung des Systems der Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, kurz: DRGs) ein und versuchen im Land, die Arbeit am Bett von deren Wirkung zu isolieren.« Beleg ↗
»Wir wollen, dass das Land seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Krankenhausfinanzierung im erforderlichen Umfang nachkommt.« Beleg ↗
»Wir sind für projektbezogene Finanzierung statt pauschaler Mittelvergabe.« Beleg ↗
»Wir streben die Rekommunalisierung an, wo Private sich aus der Verantwortung ziehen und Häuser oder Abteilungen aufgeben.« Beleg ↗
»Dafür wollen wir die in öffentlicher Trägerschaft befindlichen Krankenhäuser von Charité und Vivantes umstrukturieren: ... gemeinwohlorientierte Organisationsstrukturen mit klarer Verantwortlichkeit.« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich substanziell zur Krankenhausfinanzierung und -struktur: DRG-Überwindung auf Bundesebene, Verpflichtung des Landes zur Investitionsfinanzierung, projektbezogene statt pauschale Mittelvergabe, Rekommunalisierung und Neuorganisation von Charité/Vivantes. Die bundesreform-spezifischen Begriffe Leistungsgruppen/Vorhaltevergütung fehlen wörtlich, die zugrundeliegende Finanzierungslogik wird aber konkret adressiert.

AfD

substanziell

»Die Abrechnung nach Fallpauschalen ist durch ein leistungsgerechtes, bürokratiearmes System zu ersetzen.« Beleg ↗
»Wir fordern flächendeckende Klinikkapazitäten für die stationäre und ambulante Betreuung insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder.« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich zur Finanzierungslogik (Ersatz der Fallpauschalen durch ein »leistungsgerechtes, bürokratiearmes System«) und fordert flächendeckende, auch spezialisierte Klinikkapazitäten. Die bundesweite Leistungsgruppen-Reform im Detail sowie konkrete Investitionssummen gegen den Sanierungsstau werden nicht benannt, die grundsätzliche Positionierung zur Finanzierungsart ist aber erkennbar.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der Krankenhausfinanzierung setzen CDU, SPD und AfD an der laufenden Reform an, während die Linke sie mit einer weitergehenden Trägerschaftsfrage verbindet. CDU und SPD stellen zusätzliche Landesmittel bereit, um die vom Bund vorgesehenen Reformmittel zu komplementieren — die SPD erhöht den Zuschuss ans Universitätsklinikum und verhandelt mit dem Bund über Hauptstadtaufgaben-Mittel, die CDU verweist auf ein gemeinsam mit den Trägern erarbeitetes Investitionskonzept. Die AfD fordert den Ersatz der Fallpauschalen durch ein »leistungsgerechtes, bürokratiearmes System« sowie flächendeckende Klinikkapazitäten, ohne die Finanzierungslücke selbst zu beziffern. Die Linke verbindet ihre Forderung nach Überwindung der Fallpauschalen mit einer Rekommunalisierung dort, wo private Träger sich zurückziehen, und einer Neustrukturierung der öffentlichen Häuser Charité und Vivantes — sie verändert damit den Trägerschaftszuschnitt selbst, während die übrigen Parteien innerhalb der bestehenden Trägerstruktur zusätzliche Mittel fordern. Die Grünen berühren das Thema nur über Transparenzberichte, Notfallzentren und Barrierefreiheit, ohne zur Finanzierungslücke Stellung zu beziehen.

Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen

Zusatzmittel innerhalb bestehender Trägerstruktur
Umbau der Krankenhausträgerschaft

Grüne: äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage — Die Grünen berühren das Thema nur über Transparenzberichte, Notfallzentren und Barrierefreiheit, ohne zur Finanzierungslücke Stellung zu beziehen.Die AfD beziffert die Finanzierungslücke nicht; die Grünen beziehen laut Synthese zur Finanzierungslücke UND zur Trägerschaftsfrage gar keine Stellung und gehören daher nicht zur Zusatzmittel-Position.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »sie verändert damit den Trägerschaftszuschnitt selbst, während die übrigen Parteien innerhalb der bestehenden Trägerstruktur zusätzliche Mittel fordern.«