Was sagen die Parteien zu den Kosten von Klimaschäden im Vergleich zu den Kosten des Klimaschutzes?
Sachfrage: Ökonomische Kosten des Nicht-Handelns: Klimafolgekosten im Vergleich zu Transformationskosten
Ob und wie in der Klimadebatte die volkswirtschaftlichen Kosten unterlassenen Klimaschutzes (Schäden durch Extremwetter, Ernteausfälle, Infrastrukturschäden, Gesundheitsfolgen) den Kosten der Klimaschutzmaßnahmen selbst (Investitionen in erneuerbare Energien, CO2-Bepreisung, energetische Sanierung) gegenübergestellt werden — also ob eine eigenständige Kosten-Nutzen-Abwägung zwischen Handeln und Nicht-Handeln stattfindet oder nur eine Seite der Rechnung (die Transformationskosten) thematisiert wird.
Forschungsstand & Quellen
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz/Umweltbundesamt (Auftraggeber), Forschungsprojekt »Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland« (IÖW, GWS, Prognos): kumulierte volkswirtschaftliche Schäden 2022–2050 von 280 bis 900 Milliarden Euro, je nach Ausmaß des Klimawandels; bereits 2000–2021 mindestens 156 Milliarden Euro Schäden, davon 80 Milliarden seit 2018 (Ahrtal-Flut, Dürresommer). Investitionen in Anpassungsmaßnahmen können die Schadenskosten um bis zu 100 Prozent (schwacher Klimawandel) bzw. 60–80 Prozent (mittleres/starkes Szenario) senken. Netzwerk der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden für ein grüneres Finanzsystem (NGFS, unter Vorsitz der Deutschen Bundesbank), Erklärung zu den ökonomischen Kosten der Klima-Untätigkeit (12. November 2025, anlässlich COP30): bei Fortführung der aktuellen Politik könnte das globale BIP bis 2050 um 15 Prozent niedriger liegen als in einer Welt ohne Klimawandel; eine dreijährige Verzögerung der Transformation könnte die Transitionskosten von 0,5 auf 1,3 Prozent des globalen BIP bis 2030 erhöhen. Ergänzend, mit Einschränkung: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Studie »The economic commitment of climate change« (Kotz, Levermann, Wenz, Nature, April 2024) bezifferte den globalen Einkommensverlust bis 2050 auf 19 Prozent — die Studie wurde im Dezember 2025 nach methodischer Kritik von den Autoren zurückgezogen; eine revidierte Fassung mit einem Einkommensverlust von 17 Prozent und größerer Unsicherheitsspanne wurde als Preprint neu eingereicht. Der Kernbefund — Schadenskosten übersteigen Vermeidungskosten deutlich — gilt in der Fachdiskussion als nicht grundsätzlich widerlegt, nur die genaue Größenordnung als revisionsbedürftig.
»Statt teurer Symbolpolitik setzen wir auf wirksamen und bezahlbaren Klimaschutz dort, wo er tatsächlich große Wirkung entfaltet.« Beleg ↗
Die Achse sieht ausdrücklich vor, dass eine Fundstelle hierher gehört, wenn nur eine Seite der Rechnung – die Kosten der Transformationsmaßnahmen selbst – thematisiert wird; genau das tut die Fundstelle (Wirksamkeit/Bezahlbarkeit von Klimaschutzmaßnahmen). Eine eigenständige Gegenrechnung der volkswirtschaftlichen Folgekosten unterlassenen Klimaschutzes fehlt jedoch vollständig, weshalb es bei 'teilweise_angesprochen' bleibt.
SPD
fehlt
Es findet sich keine Gegenüberstellung von Kosten unterlassenen Klimaschutzes (Extremwetterschäden, Gesundheitsfolgen etc.) und den Kosten der Klimaschutzmaßnahmen selbst; das Programm benennt nur Instrumente und Kosten der Maßnahmen, ohne eigenständige Kosten-Nutzen-Abwägung mit der Unterlassungsalternative.
Bündnis 90/Die Grünen
fehlt
Eine Gegenüberstellung von Klimaschäden- und Transformationskosten fehlt; die vorliegenden Fundstellen benennen Instrumente und Förderungen, aber keine Unterlassungskosten-Bezifferung.
Die Linke
fehlt
Keine Fundstelle stellt volkswirtschaftliche Schäden durch unterlassenen Klimaschutz den Transformationskosten gegenüber. Das Programm nennt zahlreiche Transformationsmaßnahmen und deren Kosten, aber keine explizite Kosten-Nutzen-Abwägung mit dem Nicht-Handeln.
AfD
fehlt
Die Belege rechnen ausschließlich mit den Kosten der Klimapolitik selbst; eine Gegenüberstellung mit den volkswirtschaftlichen Kosten unterlassenen Klimaschutzes (Extremwetter, Ernteausfälle, Infrastrukturschäden) fehlt vollständig.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Entscheidend ist hier, ob die Programme eine Kosten-Nutzen-Abwägung zwischen unterlassenem und betriebenem Klimaschutz vornehmen oder nur eine Seite der Rechnung führen. SPD, Grüne, Linke und AfD nennen Instrumente und Kosten der Klimaschutzmaßnahmen selbst, ohne diese den volkswirtschaftlichen Folgekosten unterlassenen Handelns (Extremwetter, Ernteausfälle, Infrastrukturschäden) gegenüberzustellen. Die CDU benennt mit dem Bekenntnis zu 'wirksamem und bezahlbarem Klimaschutz […] statt teurer Symbolpolitik' zumindest die Kostenseite der Maßnahmen explizit, führt aber ebenfalls keine Gegenrechnung mit Unterlassungskosten. Eine eigenständige Abwägung beider Kostenseiten findet in keinem der fünf Programme statt.
Muster der Positionen: Zu wenige Positionen für ein Muster
Ohne Aussage: SPD, Grüne, Linke, AfDNur die CDU ist zu dieser Sachfrage positioniert (benennt die Kostenseite der Klimaschutzmaßnahmen), führt aber keine Gegenrechnung mit Unterlassungskosten; mit einer positionierten Partei bleibt die Schwelle von 3 unterschritten.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Eine eigenständige Abwägung beider Kostenseiten findet in keinem der fünf Programme statt.«