Was sagen die Parteien zu Jugendfreizeiteinrichtungen und offener Jugendarbeit? — Wie sollen sie ausgestattet und ausgebaut werden?
Sachfrage: Jugendarbeit und offene Jugendeinrichtungen
Offene Kinder- und Jugendarbeit umfasst Jugendfreizeiteinrichtungen, selbstverwaltete Jugendorte sowie politische Bildungs- und Empowerment-Angebote; in Berlin sind Ausbau und Ausstattung dieser Einrichtungen in bezirklichen Jugendförderplänen sowie, zur Qualitätssicherung, in einem einrichtungsübergreifenden Qualitätsmanagement-Handbuch geregelt. Eine bundesweite Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) unter rund 1.350 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zeigt erhebliche Unterschiede zwischen Kommunen bei Personal-, Raum- und Finanzausstattung sowie die Herausforderung, Angebote nicht nur finanziell, sondern auch fachlich-konzeptionell zu fördern. Strittig sind Ausbauumfang und inhaltliche Ausrichtung der Einrichtungen (u. a. politische Bildung, Schutz vor extremistischer Unterwanderung) sowie das Verhältnis von freier und öffentlicher Trägerschaft. Programme unterscheiden sich darin, ob sie konkrete Ausbauzahlen, Personalschlüssel oder Finanzierungszusagen benennen.
Forschungsstand & Quellen
Deutsches Jugendinstitut (DJI), bundesweite Befragung von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit (rund 1.350 teilnehmende Jugendzentren), Kurzzusammenfassung der Ergebnisse.
»Jugendfreizeiteinrichtungen weiter ausbauen und sie konsequent modernisieren. Dazu gehört auch eine zeitgemäße digitale Ausstattung« Beleg ↗
Das Programm positioniert sich klar für Ausbau und Modernisierung der Jugendfreizeiteinrichtungen inklusive zeitgemäßer digitaler Ausstattung — ein benennbares Instrument mit Bezug zur Einrichtungsebene. Zu Personalschlüsseln, Finanzierungszusagen oder dem Verhältnis freier/öffentlicher Trägerschaft finden sich keine Angaben. Wegen der konkreten Ausbau-/Modernisierungszusage ist substanziell_positioniert die richtige Stufe.
SPD
substanziell
»Wir setzen uns für den Ausbau der Kinder- und Jugendfreizeitangebote ein.« Beleg ↗
»Berlin braucht eine Jugendstrategie. Diese werden wir gemeinsam mit jungen Menschen erarbeiten und die Ergebnisse konsequent umsetzen.« Beleg ↗
Das Programm bezieht Position für den Ausbau der Kinder- und Jugendfreizeitangebote und kündigt mit der gemeinsam mit jungen Menschen erarbeiteten Jugendstrategie ein Umsetzungsinstrument an. Konkrete Ausbauzahlen oder Personalschlüssel werden jedoch nicht genannt, die Position bleibt instrumentenbezogen ohne quantitative Verbindlichkeit.
Bündnis 90/Die Grünen
teilweise
»Wir werden die Fehler der 1990er und 2000er Jahre nicht wiederholen. Das bedeutet, die Angebote für Kinder und Jugendliche zu sichern und organisierte rechte Kader aus Jugendclubs rauszuhalten.« Beleg ↗
Das Programm bezieht Position zu einer der genannten strittigen Fragen (Schutz vor extremistischer Unterwanderung) und kündigt an, bestehende Angebote zu sichern. Konkrete Ausbauzahlen, Personalschlüssel oder Finanzierungszusagen fehlen jedoch, sodass die Frage nach Ausstattung und Ausbau nur in einem Teilaspekt beantwortet ist.
Die Linke
substanziell
»Die Linke wird sich für mindestens einen selbstverwalteten Jugendort pro Bezirk einsetzen, denn diese sind unverzichtbare Orte der kritischen Auseinandersetzung, Solidarität und Entwicklung alternativer Lebensentwürfe.« Beleg ↗
»Jugendarbeit muss als eigenständiger Schwerpunkt stärker berücksichtigt werden, insbesondere durch Empowermentansätze, politische Bildung, digitale Gewaltprävention sowie Diversitätsmanagement in Jugendverbänden und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.« Beleg ↗
Das Programm benennt ein konkretes Ausbauziel (mindestens ein selbstverwalteter Jugendort je Bezirk) und legt inhaltliche Schwerpunkte für die offene Kinder- und Jugendarbeit fest (Empowerment, politische Bildung, Gewaltprävention, Diversitätsmanagement). Damit sind sowohl Ausbauumfang als auch inhaltliche Ausrichtung substanziell adressiert.
AfD
nur ablehnend
»Jugendzentren, die von Linksradikalen okkupiert wurden, brauchen einen konzeptionellen Neuanfang.« Beleg ↗
Das Programm der AfD erwähnt Jugendzentren nur im Zusammenhang mit ideologischer Abgrenzung — sie seien ›von Linksradikalen okkupiert‹ worden. Ausbauzahlen, Personalschlüssel, Finanzierung oder eine positive inhaltliche Ausrichtung offener Jugendarbeit benennt das Programm nicht.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Beim Ausbau offener Jugendarbeit setzen CDU, SPD und Linke auf Ausbauzusagen mit unterschiedlichem Konkretisierungsgrad: die CDU auf Ausbau und digitale Modernisierung, die SPD auf Ausbau plus eine gemeinsam mit jungen Menschen erarbeitete Jugendstrategie, die Linke auf ein beziffertes Ausbauziel (mindestens ein selbstverwalteter Jugendort je Bezirk) sowie inhaltliche Schwerpunkte wie Empowerment und politische Bildung. Die Grünen positionieren sich nur zu einem Teilaspekt, dem Schutz der Einrichtungen vor rechtsextremer Unterwanderung, ohne Ausbauzahlen oder Finanzierung zu benennen. Die AfD spricht Jugendzentren ausschließlich als Gegenstand ideologischer Abgrenzung an und benennt weder eine positive inhaltliche Ausrichtung noch eine Ausbauzusage.
Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen
Ausbau und Schutz offener Jugendarbeit
Ablehnende Instrumentalisierung ohne Ausbauzusage
Die Linke geht mit einem bezifferten Ausbauziel je Bezirk am weitesten, CDU und SPD versprechen Ausbau ohne feste Zahl, die Grünen äußern sich nur zum Teilaspekt Schutz vor rechtsextremer Unterwanderung, und die AfD spricht Jugendzentren nur ablehnend an, ohne eine Ausbauzusage.CDU, SPD und Linke unterscheiden sich im Konkretisierungsgrad ihrer Ausbauzusagen (Linke mit beziffertem Ausbauziel je Bezirk), die Grüne positioniert sich nur zum Teilaspekt Schutz vor rechtsextremer Unterwanderung.Reihenfolge nach Programmtext, keine Abstände.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Die AfD spricht Jugendzentren ausschließlich als Gegenstand ideologischer Abgrenzung an und benennt weder eine positive inhaltliche Ausrichtung noch eine Ausbauzusage.«