Was wollen die Parteien bei Sprachkursen und Integrationsangeboten für erwachsene Zugewanderte ändern — wer soll sie erhalten, und wie sollen sie organisiert werden?
Sachfrage: Integrations- und Sprachförderprogramme für Erwachsene
Erwachsene Zugewanderte lernen Deutsch vor allem in Integrationskursen des Bundes und in Angeboten der Berliner Volkshochschulen; daneben gibt es Beratungsstellen wie das Willkommenszentrum. Umstritten ist, wie diese Angebote ausgebaut, gebündelt oder auf den Beruf zugeschnitten werden sollen — und ob der Zugang an den Aufenthaltsstatus geknüpft werden soll. Die Frage steht zur Wahl, weil der Bund die Finanzierung freiwilliger Integrationskurse 2026 eingeschränkt hat und wissenschaftliche Studien den Kursen eine nachweisbare Wirkung auf die spätere Erwerbsbeteiligung bescheinigen.
Forschungsstand & Quellen
Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Stellungnahme »SVR zu Integrationskursen: Kürzung trifft Integrationswillige besonders« (Februar 2026), unter Verweis auf eine OECD-Studie von 2024: Integrationskurse mit einem Sprachkursanteil von mindestens 600 Unterrichtseinheiten erhöhen nachweislich die spätere Arbeitsmarktbeteiligung Geflüchteter; Kürzungen bei freiwilligen Kursen verzögerten laut SVR die Erwerbsintegration und erhöhten mittelfristig die Sozialleistungsabhängigkeit. Zum amtlichen Kursaufbau (600 Unterrichtseinheiten Sprachkurs bis Niveau B1 plus 100 Unterrichtseinheiten Orientierungskurs) vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), »Inhalt und Ablauf« des Integrationskurses.
»Wir wollen die Berliner Sprachkursangebote in den Volkshochschulen gezielt weiterentwickeln und in Zusammenarbeit mit der Berliner Wirtschaft und Ausbildungsträgern auf berufsbezogenen Spracherwerb und Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration zuschneiden.« Beleg ↗
»Wir wollen daher in allen Bezirken zentrale staatliche Integrationszentren schaffen, in denen Sprachkurse, Beratungsangebote und Unterstützungsleistungen gebündelt und koordiniert werden.« Beleg ↗
»Wir setzen uns für eine Überarbeitung der Lehrpläne der Berliner Orientierungskurse … ein. Im Fokus sollen künftig Themen wie Eigenverantwortung, Gleichberechtigung der Geschlechter, Religionsfreiheit, Antisemitismusprävention, finanzielle Unabhängigkeit und Rechtsstaatlichkeit stehen.« Beleg ↗
Die CDU will die Sprachkursangebote der Volkshochschulen berufsbezogen weiterentwickeln, in allen Bezirken zentrale Integrationszentren mit gebündelten Sprach- und Beratungsangeboten schaffen und die Lehrpläne der Orientierungskurse inhaltlich überarbeiten.
SPD
substanziell
»Wir bauen das Willkommenszentrum Berlin aus. Es wird zur zentralen, mehrsprachigen Anlaufstelle mit digitalen und bezirklichen Angeboten.« Beleg ↗
»Das Integrationslots*innen-Programm professionalisieren wir. Wir weiten es auf neue Sprachgruppen aus und finanzieren es dauerhaft.« Beleg ↗
»Wir stärken Deutschkurse und bauen digitale Sprachlernangebote aus. Auch berufsorientierte und berufsbegleitende Sprachförderung stärken wir.« Beleg ↗
Die SPD baut das Willkommenszentrum zu einer zentralen, mehrsprachigen Anlaufstelle aus, professionalisiert und finanziert das Integrationslots*innen-Programm dauerhaft und stärkt Deutschkurse sowie digitale und berufsbezogene Sprachförderung.
Bündnis 90/Die Grünen
teilweise
»Menschen erhalten Schutz, Wohnraum, Beratung, herkunftsunabhängigen und kostenlosen Zugang zu Sprach- und Bildungsangeboten sowie Zugang zu Arbeit und Gesundheitsversorgung …« Beleg ↗
Die Grünen fordern einen herkunftsunabhängigen und kostenlosen Zugang zu Sprach- und Bildungsangeboten, ohne dies mit einem eigenen Ausbauinstrument wie Volkshochschulen oder Integrationszentren zu verbinden.
Die Linke
teilweise
»Das Angebot an berufsbegleitenden Sprachkursen, die auch arbeitsrechtliche Grundkenntnisse vermitteln, soll ausgebaut werden, um diese Beschäftigungsgruppe gegen Ausbeutung zu stärken.« Beleg ↗
Die Linke will berufsbegleitende Sprachkurse mit arbeitsrechtlichen Grundkenntnissen ausbauen — bezogen auf migrantische Beschäftigte, nicht als allgemeines Angebot für alle erwachsenen Zugewanderten.
AfD
teilweise
»Keine Sprach- oder Integrationskurse für nicht bleibeberechtigte Asylbewerber.« Beleg ↗
Die AfD will Sprach- und Integrationskurse für Asylbewerber ohne Bleibeperspektive ausschließen; zum Angebot für Menschen mit Bleiberecht äußert sich das Programm an dieser Stelle nicht näher.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Bei den Sprach- und Integrationsangeboten für erwachsene Zugewanderte trennt sich die AfD von den übrigen vier Parteien in der Frage, wer Zugang erhalten soll. CDU, SPD, Grüne und Linke wollen die Angebote ausbauen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Die CDU entwickelt die Sprachkurse der Volkshochschulen berufsbezogen weiter und bündelt sie in neuen Integrationszentren, die SPD baut das Willkommenszentrum zur zentralen Anlaufstelle aus und professionalisiert das Integrationslots*innen-Programm dauerhaft, die Grünen fordern einen herkunftsunabhängigen und kostenlosen Zugang zu Sprachangeboten, und die Linke will berufsbegleitende Sprachkurse mit arbeitsrechtlichen Grundkenntnissen für migrantische Beschäftigte ausbauen. Die AfD verfolgt die Gegenrichtung: Sie will Sprach- und Integrationskurse für Asylbewerber ohne Bleibeperspektive ausschließen.
Muster der Positionen: Eine Partei gegen die übrigen
Ausbau und Bündelung von Sprach- und Integrationsangeboten
Zugangsbeschränkung nach Bleibeperspektive
CDU und SPD benennen die umfangreichsten Ausbauinstrumente — Integrationszentren, Willkommenszentrum, Integrationslots*innen —, die Grünen fordern vor allem freien Zugang, die Linke bezieht ihre Forderung auf migrantische Beschäftigte.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Die AfD verfolgt die Gegenrichtung: Sie will Sprach- und Integrationskurse für Asylbewerber ohne Bleibeperspektive ausschließen.«