Wahlkompass Berlin

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Was sagen die Parteien zu Fankultur und Sicherheit im Stadion? — Wie gehen sie mit Fanprojekten und Polizeieinsätzen um?

Sachfrage: Fankultur, Fanschutz & Stadionsicherheit

Wie der Umgang mit Fanszenen im Profisport gestaltet wird — Fanprojekte, Awareness-Arbeit, Sicherheitseinstufung von Spielen, Ticketpreise/Stehplätze, Umgang mit Diskriminierung und Polizeieinsatz im Stadionumfeld — betrifft die Beziehung zwischen organisiertem Fantum, Vereinen und öffentlicher Ordnung. Der Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) für die Saison 2024/25 verzeichnet 1.107 Verletzte im Zusammenhang mit Bundesliga-, 2.-Bundesliga- und 3.-Liga-Spielen der Männer — ein Rückgang von über 17 Prozent gegenüber der Vorsaison (1.338 Verletzte), obwohl die Zuschauerzahlen gleichzeitig um rund 3,9 Prozent auf 25,26 Millionen stiegen. Politik, Polizei, DFB, DFL und die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) haben seit 2024 in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe eine Ausweitung der Mittel für sozialpädagogische Fanprojekte sowie eine Stärkung der Fanbeauftragten vereinbart. Strittig bleiben Fragen der Kollektivstrafen (etwa Stadionverbote, Kollektivhaftung), der Videoüberwachung und der Sicherheitseinstufung von »Risikospielen«.

Forschungsstand & Quellen

Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), »Jahresbericht Fußball — Saison 2024/2025« (amtlicher Polizeibericht, Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

teilweise

»Wir sind stolz auf die vielfältige Fanszene in Berlin und wollen sie bspw. im Rahmen von Fanprojekten unterstützen« Beleg ↗

Das Programm berührt die Fanszene nur mit einer knappen, positiv gehaltenen Randbemerkung zu Fanprojekten, ohne Sicherheitseinstufung von Spielen, Ticketpreise/Stehplätze, Diskriminierung, Polizeieinsatz oder Kollektivstrafen zu adressieren. Zusätzliche Suchbegriffe (Stadionverbot, Sicherheit, Polizei, Ticket) ergaben keinen weiteren Treffer.

SPD

fehlt

Das Wahlprogramm der SPD äußert sich nicht zu Fanprojekten, Awareness-Arbeit, der Sicherheitseinstufung von Spielen, Ticketpreisen und Stehplätzen, Diskriminierung im Stadionumfeld oder zum Polizeieinsatz bei Fußballspielen. Das Thema kommt im Programm nicht vor.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Dafür wollen wir präventive Maßnahmen wie Fanarbeit, Awareness-Strukturen und Konflikttraining weiterentwickeln und stärken.« Beleg ↗
»Die Einstufung von Spielen als Hochrisikospiele muss nach klaren, transparenten Kriterien erfolgen, welche nachvollziehbar und überprüfbar sind.« Beleg ↗
»Sie müssen präventive Strukturen nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell unterstützen.« Beleg ↗

Das Programm positioniert sich mit konkreten Instrumenten zur Fanarbeit (Awareness-Strukturen, Konflikttraining, finanzielle Absicherung präventiver Strukturen) und fordert zugleich transparente, überprüfbare Kriterien für die Hochrisikospiel-Einstufung – damit werden sowohl der präventive Fan-/Awareness-Bereich als auch die sicherheitsbezogene Kollektivmaßnahmen-Frage substanziell angesprochen.

Die Linke

substanziell

»Stehplätze, bezahlbare Tickets und die 50 + 1-Regel sind für uns nicht verhandelbar.« Beleg ↗
»Wir lehnen pauschale Repressionen gegen Fußballfans und Kollektivstrafen ab. Stattdessen fordern wir echte Deeskalation und einen verringerten Polizeieinsatz.« Beleg ↗
»Mitarbeitenden in Fanprojekten und -hilfen soll wegen ihrer besonderen Vertrauensverhältnisse ein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 53 (1) StPO gewährt werden.« Beleg ↗
»Wir unterstützen sie in ihrem Engagement gegen Diskriminierung, Rassismus und Queerfeindlichkeit im Stadion.« Beleg ↗

Das Programm bezieht Position zu Ticketpreisen/Stehplätzen (50+1-Regel, bezahlbare Tickets), zu Kollektivstrafen und Polizeieinsatz (Ablehnung pauschaler Repression, Forderung nach Deeskalation) sowie zur rechtlichen Absicherung der Fanprojektarbeit und zum Umgang mit Diskriminierung im Stadion. Damit sind die zentralen Teilaspekte der Sachfrage mit Instrumenten belegt.

AfD

fehlt

Das Programm der AfD behandelt Fanprojekte, Stadionsicherheit, Ticketpreise, Kollektivstrafen oder den Umgang mit Fanszenen im Profisport nicht. Zum Thema Sport äußert es sich nur zu Schulsport, Sportstättensanierung und Leistungssport.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei Fankultur, Fanschutz und Stadionsicherheit trennt die Parteien, ob sie konkrete Instrumente zur Deeskalation und Prävention benennen oder das Thema unadressiert lassen. Die CDU erwähnt Fanprojekte nur knapp positiv, ohne Sicherheitseinstufung, Ticketpreise oder Polizeieinsatz zu benennen. Die SPD enthält hierzu keine Aussage. Die Grünen setzen auf Prävention — Fanarbeit, Awareness-Strukturen, Konflikttraining und deren finanzielle Absicherung — und verlangen zusätzlich transparente, überprüfbare Kriterien für die Einstufung von Hochrisikospielen. Die Linke setzt auf den Erhalt von Stehplätzen, bezahlbaren Tickets und der 50+1-Regel, lehnt Kollektivstrafen ab und fordert stattdessen Deeskalation, verringerten Polizeieinsatz sowie ein Zeugnisverweigerungsrecht für Fanprojekt-Mitarbeitende; die AfD enthält keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Prävention und Unterstützung der Fankultur — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle drei Parteien benennen ein eigenes Instrument – die CDU die Unterstützung von Fanprojekten, Grüne und Linke Awareness-Arbeit beziehungsweise Deeskalation –, aber keine von ihnen eine Zahl oder einen Termin.Ohne Aussage: SPD, AfDDie CDU erwähnt Fanprojekte nur knapp positiv ohne Konkretisierung; Grüne und Linke benennen konkrete Instrumente wie Awareness-Strukturen, Konflikttraining, reduzierten Polizeieinsatz und Ablehnung von Kollektivstrafen.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei Fankultur, Fanschutz und Stadionsicherheit trennt die Parteien, ob sie konkrete Instrumente zur Deeskalation und Prävention benennen oder das Thema unadressiert lassen.«