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Was wollen die Parteien gegen Einsamkeit tun?

Sachfrage: Bekämpfung von Einsamkeit

Rund 19 % der in Deutschland lebenden Menschen fühlen sich manchmal oder häufiger einsam – vor der Corona-Pandemie waren es rund 14 %. Besonders betroffen sind laut DIW-Auswertung Menschen mit niedrigem Einkommen, vor allem wenn zugleich ein Migrationshintergrund vorliegt; die gesundheitlichen Risiken chronischer Einsamkeit gelten mittlerweile als belegt. Bundesweit existieren einzelne Modellprojekte (etwa aufsuchende Angebote, Begegnungsorte, Ansätze wie Social Prescribing), ein flächendeckendes, systematisches Programm fehlt bislang. Politisch strittig ist, ob Einsamkeit als eigenständiges Politikfeld mit eigenen Instrumenten adressiert werden soll oder als Nebenfolge anderer sozialer Angebote mitbehandelt wird. Programme lassen sich daran messen, ob sie konkrete, dauerhaft finanzierte Formate benennen oder das Problem nur beschreiben.

Forschungsstand & Quellen

DIW Berlin, »Einsamkeit in Deutschland: Die gefährdetste Gruppe sind Menschen mit niedrigem Einkommen« (DIW Wochenbericht 5/2025).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Einsamkeit als gesellschaftliches Problem angehen und lokale Kiez- und Nachbarschaftstreffen fördern. Alle Stadtteilzentren sollen wöchentliche Einsamkeitssprechstunden anbieten« Beleg ↗
»›Plauderbänke‹ fördern, die in Parks und auf großen Plätzen zum Austausch und zum offenen Gespräch einladen« Beleg ↗

Das Programm erklärt Einsamkeit ausdrücklich zu einem eigenständigen Politikfeld und nennt mit flächendeckenden wöchentlichen Einsamkeitssprechstunden an allen Stadtteilzentren sowie der Förderung von ›Plauderbänken‹ zwei konkrete, dauerhaft gedachte Formate. Damit geht die Position über eine bloße Problembeschreibung hinaus. Weil ein spezifisches, terminiertes Instrument benannt wird, ist substanziell_positioniert erfüllt.

SPD

teilweise

»Mit einem regelmäßigen stadtweiten ›Berlin Day‹ fördern wir gezielt Gemeinschaft in unseren Kiezen und brechen Großstadtanonymität auf.« Beleg ↗

Einsamkeit wird an keiner Stelle als eigenständiges Politikfeld benannt (keine Treffer für 'einsam'/'isoliert'). Die Ankündigung eines 'Berlin Day' gegen 'Großstadtanonymität' berührt die Sachfrage als Randaspekt – Gemeinschaftsförderung gegen soziale Isolation im urbanen Raum –, ohne dass ein dauerhaft finanziertes, spezifisches Format gegen Einsamkeit benannt würde.

Bündnis 90/Die Grünen

fehlt

Das Programm der Grünen behandelt Einsamkeit nicht als eigenständiges Thema. Angebote zur Senioren- und Stadtteilarbeit werden zwar genannt, richten sich aber allgemein an Begegnung und Teilhabe, ohne Einsamkeit als eigenes Problem mit einem dafür vorgesehenen Format zu benennen.

Die Linke

substanziell

»Wir fordern ein verbindliches Landesprogramm gegen Einsamkeit, das aufsuchende Maßnahmen und das Modell des Social Prescribing mit bezirklichen Link-Workern verbindet.« Beleg ↗
»Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Problem mit psychischen und physischen Folgen. Die Linke fordert eine*n Einsamkeitsbeauftragte*n in jedem Bezirk.« Beleg ↗

Das Programm fordert ausdrücklich ein verbindliches, dauerhaft angelegtes Landesprogramm gegen Einsamkeit mit benannten Instrumenten (aufsuchende Maßnahmen, Social Prescribing, Link-Worker, bezirkliche Einsamkeitsbeauftragte) statt bloßer Problembeschreibung – damit als eigenständiges Politikfeld adressiert.

AfD

fehlt

Kein Beleg in den vorliegenden Fundstellen thematisiert Einsamkeit, aufsuchende Angebote, Begegnungsorte oder Social Prescribing; die Sachfrage kommt im geprüften Programmauszug nicht vor.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Ob Einsamkeit als eigenständiges Politikfeld behandelt wird, trennt die Parteien deutlich. CDU und Linke benennen dafür dauerhaft gedachte, spezifische Formate: die CDU flächendeckende wöchentliche Einsamkeitssprechstunden an allen Stadtteilzentren und die Förderung von ›Plauderbänken‹, die Linke ein verbindliches Landesprogramm mit aufsuchenden Maßnahmen, Social Prescribing, Link-Workern und einer/einem Einsamkeitsbeauftragten je Bezirk. Die SPD berührt das Thema nur als Randaspekt über einen ›Berlin Day‹ gegen Großstadtanonymität, ohne ein dediziertes Format zu benennen. Die Programme von Grünen und AfD enthalten zu Einsamkeit keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Eigene Maßnahmen gegen Einsamkeit — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle drei Parteien benennen ein eigenes Instrument gegen Einsamkeit, aber keine von ihnen eine Zahl oder einen Termin.Ohne Aussage: Grüne, AfDCDU und Linke benennen dauerhaft gedachte, spezifische Formate (Einsamkeitssprechstunden, Landesprogramm mit Einsamkeitsbeauftragten), die SPD berührt das Thema nur als Randaspekt ohne dediziertes Format.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Ob Einsamkeit als eigenständiges Politikfeld behandelt wird, trennt die Parteien deutlich.«