Wahlkompass Berlin

ThemenfelderBildung

Was wollen die Parteien für digitale Ausstattung, IT-Support, Medienkompetenz und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz an Schulen tun?

Sachfrage: Digitale Bildung, Medienkompetenz und Umgang mit KI an Schulen

Wie gut Schulen digital ausgestattet sind, wer sie technisch betreut, wie Medienkompetenz vermittelt wird und wie Schulen mit Künstlicher Intelligenz umgehen, ist eine der zentralen bildungspolitischen Fragen dieser Wahl. Die internationale Vergleichsstudie ICILS 2023 fand für Deutschland einen signifikanten Rückgang der digitalen Kompetenzen von Achtklässlerinnen und Achtklässlern gegenüber 2018, während zugleich gut 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler nur über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen — mit deutlichen Unterschieden nach Schulform und sozialer Herkunft. Gleichzeitig hat sich die technische Ausstattung der Schulen laut derselben Studie in den letzten zehn Jahren merklich verbessert, unter anderem durch den bundesweiten DigitalPakt Schule. Die Kultusministerkonferenz hat ihre Strategie ›Bildung in der digitalen Welt‹ 2024 um eine Handlungsempfehlung zum schulischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz ergänzt. Zur Wahl steht, wie die Parteien Ausstattung, IT-Support, Medienkompetenz-Vermittlung und KI-Regeln miteinander verbinden.

Forschungsstand & Quellen

Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Pressemitteilung zu den Ergebnissen der internationalen Studie ICILS 2023 (veröffentlicht 12.11.2024); Kultusministerkonferenz, Strategie ›Bildung in der digitalen Welt‹ (2016, fortgeschrieben, KI-Handlungsempfehlung 2024).

Was die Parteien dazu sagen

CDU

substanziell

»Bis 2030 wollen wir alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 flächendeckend mit digitalen Endgeräten ausstatten.« Beleg ↗
»Deshalb wollen wir den technischen Support an Schulen stärken und ein Landesprogramm für IT-Betreuung schaffen.« Beleg ↗
»Deshalb stärken wir die Qualifizierung von Lehrkräften im Bereich Digitalisierung und Medienbildung verbindlich und systematisch.« Beleg ↗
»Deshalb wollen wir Medienkompetenz als verbindlichen Bestandteil an allen Schulen verankern. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Informationen kritisch zu prüfen, Desinformation zu erkennen und digitale wie klassische Medien verantwortungsvoll zu nutzen.« Beleg ↗

Das Programm der CDU will bis 2030 alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 flächendeckend mit digitalen Endgeräten ausstatten, den technischen Support stärken und ein eigenes Landesprogramm für IT-Betreuung schaffen sowie Medienkompetenz und die Qualifizierung von Lehrkräften in Digitalisierung verbindlich verankern.

SPD

substanziell

»Dafür entwickeln wir einen neuen Rahmenlehrplan Digitales. Er soll digitale Bildung als Querschnittskompetenz in allen Fächern und Jahrgangsstufen verankern.« Beleg ↗
»Wir etablieren eigene IT-Budgets für Schulen und entwickeln ein sozialverträgliches Modell „Endgerät-als-Service“ für Schüler*innen.« Beleg ↗

Das Programm der SPD entwickelt einen neuen Rahmenlehrplan Digitales, führt eigene IT-Budgets für Schulen ein und will Endgeräte über ein sozialverträgliches Modell ›Endgerät-als-Service‹ bereitstellen.

Bündnis 90/Die Grünen

substanziell

»Digitale Souveränität, Medienkompetenz und KI-Verständnis werden verbindlich in Curricula verankert.« Beleg ↗
»…fordern wir die curriculare Integration der Kompetenzen der Informatik und Medienbildung verpflichtend ab der 1. Klasse in allen Schulformen.« Beleg ↗
»Für eine moderne, resiliente digitale Bildung bauen wir die Medienkompetenzzentren aus und etablieren Medienteams an jeder Schule.« Beleg ↗

Das Programm der Grünen verankert digitale Souveränität, Medienkompetenz und KI-Verständnis verbindlich im Curriculum, macht Informatik- und Medienbildung ab der 1. Klasse verpflichtend und baut Medienkompetenzzentren sowie eigene Medienteams an jeder Schule aus.

Die Linke

substanziell

»Für Wartungs- und IT-Aufgaben braucht es IT-Admins an allen Schulen, mit angemessen eingruppierten Stellen, bevorzugt im öffentlichen Dienst.« Beleg ↗
»Jugendlichen, deren Familien dies nicht leisten können, muss ein Endgerät gestellt werden. Dafür wollen wir die im DigitalPakt 2.0 vorgesehenen Mittel nutzen und den Zugang dazu so barrierearm wie möglich gestalten.« Beleg ↗
»Den Einsatz KI-basierter Tools in Schulen begleiten wir kritisch, insbesondere muss ausgeschlossen sein, dass Schüler*innendaten sowie Daten von Pädagog*innen an System-Anbieter abfließen. Bewertungen dürfen nicht automatisiert werden, sondern müssen weiterhin durch Lehrkräfte erfolgen.« Beleg ↗
»Wir wollen gut ausgestattete Medienkompetenzzentren in allen Bezirken, kostenfreie, pädagogisch begleitete Angebote und regelmäßige Schulungen für pädagogische Fachkräfte, damit junge Menschen, Eltern und Fachkräfte souverän und kritisch mit digitalen Medien umgehen können.« Beleg ↗

Das Programm der Linken will an allen Schulen eigene IT-Admin-Stellen schaffen, bedürftigen Jugendlichen über Mittel des DigitalPakt 2.0 ein Endgerät stellen, den Einsatz KI-basierter Tools im Unterricht kritisch begleiten — unter anderem mit dem Ausschluss automatisierter Bewertungen — und Medienkompetenzzentren in allen Bezirken ausbauen.

AfD

teilweise

»An den weiterführenden Schulen wollen wir die ökonomische Bildung stärken und den Informatikunterricht ausbauen.« Beleg ↗

Das Programm der AfD benennt zur digitalen Bildung nur den Ausbau des Informatikunterrichts an weiterführenden Schulen; zu Ausstattung, IT-Support oder dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz äußert es sich nicht.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei der digitalen Bildung trennt die Parteien vor allem die Reichweite des Instrumentenbündels. CDU, SPD, Grüne und Linke verbinden Ausstattung beziehungsweise IT-Support oder -Personal, Medienkompetenz-Vermittlung und teils den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu mehrteiligen Programmen, während die AfD sich auf den Ausbau des Informatikunterrichts im Curriculum beschränkt. Die CDU will bis 2030 alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 mit digitalen Endgeräten ausstatten und ein Landesprogramm für IT-Betreuung schaffen; die SPD entwickelt einen neuen Rahmenlehrplan Digitales und ein Modell ›Endgerät-als-Service‹ mit eigenen IT-Budgets für Schulen. Die Grünen verankern digitale Souveränität, Medienkompetenz und KI-Verständnis verbindlich im Curriculum und bauen Medienkompetenzzentren aus; die Linke ergänzt eigene IT-Admin-Stellen und kostenlose Endgeräte über den DigitalPakt 2.0 um eine kritische Begleitung des KI-Einsatzes mit Datenschutzauflagen. Zu KI-Regulierung, IT-Support oder Ausstattung äußert sich die AfD nicht; ihr Beitrag beschränkt sich auf den fachlichen Ausbau des Informatikunterrichts.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: Ausbau digitaler Bildung, Medienkompetenz und schulischer IT-Infrastruktur — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Die CDU nennt mit dem Zieljahr 2030 einen Termin für die Endgeräte-Ausstattung, alle übrigen positionierten Parteien benennen Instrumente ohne Termin oder Zahl.Die CDU nennt mit 2030 ein Zieljahr für die Endgeräte-Ausstattung; die übrigen Parteien benennen ihre Instrumente ohne Termin oder Zahl, die AfD deutlich enger als die anderen vier.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei der digitalen Bildung trennt die Parteien vor allem die Reichweite des Instrumentenbündels.«