Sollen Kooperationen der Bundeswehr mit Schulen ausgebaut oder beendet werden? — Wie stehen die Parteien zu ihrer Werbe- und Rekrutierungspräsenz im öffentlichen Raum?
Sachfrage: Rolle der Bundeswehr in Schulen und im öffentlichen Raum
Sachfrage ist das Verhältnis von Bundeswehr und ziviler Öffentlichkeit in Berlin: Kooperationen mit Schulen (Jugendoffiziere, Unterrichtsbesuche, ›Blaulicht-Tage‹), Werbe- und Rekrutierungspräsenz auf öffentlichen Veranstaltungen sowie an als besonders schutzbedürftig geltenden Orten. Grundlage der Schulkooperation ist seit 2010 eine Vereinbarung zwischen den Kultusministerien der Länder und der Bundeswehr, die den Einsatz von Jugendoffizieren ab Klasse 9 dem Beutelsbacher Konsens unterstellt (Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot); Berlin hat diese Kooperation im Juni 2026 in einer eigenen, erstmals verschriftlichten Vereinbarung mit der Senatsverwaltung für Bildung formalisiert. In der bildungspolitischen Fachdebatte wird diskutiert, ob die im Vergleich zu zivilen Alternativen (Friedens- und Konfliktforschung) privilegierte Personal- und Ressourcenausstattung der Bundeswehr für Schulbesuche den Kontroversitätsgrundsatz faktisch überdehnt.
Forschungsstand & Quellen
Bundeswehr / Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin, Kooperationsvereinbarung zur politischen Bildung (9. Juni 2026), gebunden an den Beutelsbacher Konsens; Bundeszentrale für politische Bildung, »Aus Politik und Zeitgeschichte« zu Bundeswehr und Friedensbildung, zur Debatte um die Reichweite des Beutelsbacher Konsenses in der schulischen Bundeswehr-Kooperation.
»Wir setzen uns dafür ein, die Kooperation von Schulen mit Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr gezielt auszubauen und regelmäßige „Blaulicht-Tage“ an Berliner Schulen zu etablieren.« Beleg ↗
»Wir unterstützen eine stärkere Präsenz der Bundeswehr im Politikunterricht, bei Schulprojekten sowie durch Jugendoffiziere zur politischen Bildung und Berufsberatung.« Beleg ↗
Die CDU will die Kooperation von Schulen mit der Bundeswehr gezielt ausbauen, feste ›Blaulicht-Tage‹ etablieren und die Präsenz von Jugendoffizieren im Politikunterricht und bei der Berufsberatung stärken.
SPD
fehlt
Das Programm der SPD äußert sich zur Rolle der Bundeswehr in Schulen oder im öffentlichen Raum nicht.
Bündnis 90/Die Grünen
fehlt
Das Programm der Grünen äußert sich zur Rolle der Bundeswehr in Schulen oder im öffentlichen Raum nicht.
Die Linke
substanziell
»Wir wollen deshalb alle Kooperationen zwischen Bundeswehr und Berliner Schulen beenden und setzen uns für das Verbot jeglicher Werbung und Rekrutierung Minderjähriger ein.« Beleg ↗
»Wir stellen uns der Militarisierung des öffentlichen Raums entschlossen entgegen und erteilen der aktiven Ansprache junger Menschen durch die Bundeswehr bspw. auf Stadtteilfesten eine klare Absage.« Beleg ↗
»Wir lehnen es ab, dass die Bundeswehr vermehrt queere Orte als Werbeplattform zur Rekrutierung benutzt.« Beleg ↗
Die Linke will umgekehrt alle Kooperationen zwischen Bundeswehr und Berliner Schulen beenden, jegliche Werbung und Rekrutierung Minderjähriger verbieten und lehnt die Ansprache junger Menschen durch die Bundeswehr im öffentlichen Raum – etwa auf Stadtteilfesten oder an queeren Orten – ab.
AfD
fehlt
Das Programm der AfD äußert sich zur Rolle der Bundeswehr in Schulen oder im öffentlichen Raum nicht.
Was die Unterschiede praktisch bedeuten
Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten —
beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose.
Zur Methodik.
Bei der Rolle der Bundeswehr in Schulen und im öffentlichen Raum stehen sich CDU und Linke mit entgegengesetzter Richtung gegenüber, während die übrigen drei Parteien sich zu der Frage nicht äußern. Die CDU will die Kooperation von Schulen mit der Bundeswehr gezielt ausbauen, feste ›Blaulicht-Tage‹ etablieren und die Präsenz von Jugendoffizieren im Politikunterricht und bei der Berufsberatung stärken. Die Linke will umgekehrt alle Kooperationen zwischen Bundeswehr und Berliner Schulen beenden, jegliche Werbung und Rekrutierung Minderjähriger verbieten und wendet sich auch gegen die Ansprache junger Menschen im öffentlichen Raum, etwa auf Stadtteilfesten oder an queeren Orten. SPD, Grüne und AfD äußern sich zu keinem der beiden Aspekte.
Muster der Positionen: Zwei Richtungen
Ausbau der Bundeswehr-Kooperation mit Schulen und öffentlicher Präsenz
Beendigung der Bundeswehr-Kooperation mit Schulen und öffentlicher Präsenz
Ohne Aussage: SPD, Grüne, AfDBeide Seiten benennen konkrete Instrumente (CDU: ›Blaulicht-Tage‹, ausgebaute Jugendoffizier-Präsenz; Linke: vollständiges Kooperationsende, Werbeverbot), keine der beiden beziffert Zahlen oder Termine.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.
Grundlage: »Bei der Rolle der Bundeswehr in Schulen und im öffentlichen Raum stehen sich CDU und Linke mit entgegengesetzter Richtung gegenüber, während die übrigen drei Parteien sich zu der Frage nicht äußern.«