Wahlkompass Berlin

ThemenfelderArbeit

Wie wollen die Parteien die Einhaltung von Arbeitszeitregeln kontrollieren und durchsetzen?

Sachfrage: Kontrolle und Durchsetzung von Arbeits- und Arbeitszeitstandards

Mit welchen Mitteln — Vor-Ort-Kontrollen, verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung, Aufsichtsbehörden, Sanktionen gegen Schwarzarbeit und Verstöße gegen das Nachweisgesetz — die Einhaltung geltender Arbeits- und Arbeitszeitregeln durchgesetzt werden soll. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls leitete laut Mindestlohnkommissionsbericht 2024 rund 6.200 Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Mindestlohngesetz ein; häufige Befunde sind fehlende oder falsche Arbeitszeitangaben, als Praktika deklarierte reguläre Beschäftigung und unbezahlte Bereitschafts- oder Rüstzeiten. Der DGB beziffert den kumulierten Schaden durch Mindestlohnunterschreitung seit 2015 auf rund 64 Milliarden Euro — eine Zahl, die von Arbeitgeberseite bestritten wird. Strittig sind Kontrolldichte, Personalausstattung der Kontrollbehörden und die Frage, ob eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung Verstöße wirksamer aufdeckt oder vor allem bürokratischen Aufwand erzeugt.

Forschungsstand & Quellen

Bundesministerium für Finanzen / Zoll, Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) — Jahresbericht der Mindestlohnkommission an die Bundesregierung 2024 (Kontroll- und Ermittlungszahlen); IAB-Stellungnahme 4/2020 zu Kontrolle und Durchsetzung des Mindestlohns.

Was die Parteien dazu sagen

CDU

fehlt

Das Programm der CDU äußert sich nicht dazu, wie die Einhaltung von Arbeitszeitregeln kontrolliert und durchgesetzt werden soll — weder zu Vor-Ort-Kontrollen noch zu elektronischer Arbeitszeiterfassung, Aufsichtsbehörden oder Sanktionen gegen Schwarzarbeit.

SPD

substanziell

»Die für den Arbeitsschutz zuständige Aufsichtsbehörde werden wir stärken. In Unternehmen, die sich nicht an die geltenden Regeln halten, soll sie die Aufzeichnung von Arbeitszeit durch Anordnung durchsetzen.« Beleg ↗

Das Programm benennt ein konkretes Instrument: die gestärkte Arbeitsschutz-Aufsichtsbehörde soll bei Regelverstößen die Arbeitszeitaufzeichnung per Anordnung erzwingen. Sowohl Kontrollinstanz als auch Durchsetzungsmechanismus sind konkret adressiert; zu Personalausstattung, Kontrolldichte oder verpflichtender elektronischer Zeiterfassung äußert sich die Fundstelle nicht.

Bündnis 90/Die Grünen

fehlt

Zur Kontrolle und Durchsetzung von Arbeitszeitregeln — etwa Vor-Ort-Kontrollen, elektronische Zeiterfassung oder Vorgehen gegen Schwarzarbeit — sagt das Programm der Grünen nichts. Die einzigen thematisch angrenzenden Stellen betreffen Fortbildungen zu Menschenhandel und Opferschutz sowie die Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften und beantworten die Frage nicht.

Die Linke

substanziell

»Wir setzen uns dafür ein, dass das LAGetSi verstärkt auch die Prüfung der Arbeitszeiterfassung bei privaten Arbeitgebern übernimmt. Neben verstärkten Vor-Ort-Kontrollen sollen Betriebe stichprobenartig verpflichtet werden können, ihre dokumentierten Arbeitszeiten innerhalb einer festgelegten Frist elektronisch zu übermitteln.« Beleg ↗
»Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, vor allem im Baubereich, ist deshalb die Verwendung einer manipulationssicheren elektronischen Arbeitszeiterfassung vorzugeben.« Beleg ↗
»Wir wollen eigenständige Kontrollen des Nachweisgesetzes einführen und Verletzungen endlich konsequent ahnden.« Beleg ↗
»Auf Berliner Ebene sollen durch verstärkte Kontrollen bei Plattformarbeit Schwarzarbeit, Mindestlohnverstöße und mangelhafter Arbeitsschutz bekämpft werden.« Beleg ↗

Vier konkrete Durchsetzungsinstrumente werden benannt: verstärkte LAGetSi-Kontrollen und Vor-Ort-Prüfungen bei privaten Arbeitgebern, verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung bei Vergabe im Baubereich, eigenständige Nachweisgesetz-Kontrollen mit Sanktionsanspruch sowie gezielte Kontrollen gegen Schwarzarbeit und Mindestlohnverstöße bei Plattformarbeit. Alle vier betreffen unmittelbar Kontrolle/Durchsetzung von Arbeitszeit- und Arbeitsstandards.

AfD

teilweise

»Deshalb fordern wir mehr Kontrollen, wirksame Sanktionen und gezielte Aufklärung über Risiken und Alternativen zur Schwarzarbeit.« Beleg ↗

Schwarzarbeitsbekämpfung ist Teil der Sachfrage (Kontrolle/Sanktionen), die Forderung nach mehr Kontrollen und Sanktionen bleibt hier aber auf Schwarzarbeit beschränkt. Zu elektronischer Arbeitszeiterfassung, Nachweisgesetz-Verstößen oder der Personalausstattung der Aufsichtsbehörden findet sich keine Aussage, sodass nur ein Teilaspekt der Sachfrage berührt ist.

Was die Unterschiede praktisch bedeuten

Einordnung der Redaktion auf Basis der oben belegten Antworten — beschrieben wird das angestrebte Handeln der Parteien, keine Wirkungsprognose. Zur Methodik.

Bei Kontrolle und Durchsetzung von Arbeitszeitstandards trennt die Parteien die Zahl und Reichweite der benannten Instrumente. Die Linke nennt das umfassendste Bündel: verstärkte LAGetSi-Kontrollen bei privaten Arbeitgebern, verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung bei Vergabe im Baubereich, eigenständige Nachweisgesetz-Kontrollen mit Sanktionsanspruch sowie gezielte Kontrollen gegen Schwarzarbeit und Mindestlohnverstöße bei Plattformarbeit. Die SPD benennt ein Instrument – eine gestärkte Arbeitsschutz-Aufsichtsbehörde mit Anordnungsbefugnis zur Durchsetzung der Arbeitszeitaufzeichnung. Die AfD beschränkt sich auf mehr Kontrollen und Sanktionen gegen Schwarzarbeit, ohne elektronische Zeiterfassung oder Nachweisgesetz-Kontrollen zu erwähnen. Die Programme von CDU und Grünen enthalten hierzu keine Aussage.

Muster der Positionen: Gleiche Richtung

Gemeinsame Richtung: verstärkte Kontrolle und Durchsetzung von Arbeitszeitregeln — wie verbindlich legen sich die Programme fest?

Absichtserklärung
Festgelegt: Instrument, Zahl und Termin

Alle drei Parteien nennen Kontrollinstrumente – die Linke ein ganzes Bündel, SPD und AfD je ein bis zwei Maßnahmen –, aber keine beziffert oder terminiert ihr Vorhaben.Ohne Aussage: CDU, GrüneUnterschied liegt in Zahl und Reichweite der Instrumente: Linke nennt das breiteste Bündel (LAGetSi-Kontrollen, elektronische Zeiterfassung, Nachweisgesetz-Kontrollen, Plattformarbeit), SPD ein Instrument (gestärkte Aufsichtsbehörde), AfD beschränkt sich auf Kontrollen/Sanktionen gegen Schwarzarbeit.Stufen: Absicht · Instrument benannt · Instrument + Zahl oder Termin · Instrument + Zahl und Termin. Verbindlich heißt: festgelegt — nicht: besser.Punkte = Parteien in ihren Farben ( CDU,  SPD,  Grüne,  Linke,  AfD); hohl = ohne Aussage; halb gefüllt = äußert sich zu einem anderen Aspekt der Frage.

Grundlage: »Bei Kontrolle und Durchsetzung von Arbeitszeitstandards trennt die Parteien die Zahl und Reichweite der benannten Instrumente.«